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Montag, 18. Dezember 2017 5

Evakuierung

Janin Strobl entschärft knifflige Bombe

Auf der Regensburger Dörnberg-Baustelle stellt die Sprengmeisterin bei ihrer Arbeit fest: Der Zünder hat bereits ausgelöst.
Von Micha Matthes, Simone Grebler und Daniel Geradtz, MZ

  • Janin Strobl konnte am Freitagnachmittag auf der Baustelle des Dörnberg-Viertels ihre 64. Bombe erfolgreich entschärfen. Die 65. wartete bereits am Abend in Nürnberg auf sie. Foto: Matthes
  • Vor der Evakuierung besprechen sich die Einsatzkräfte. Foto: Matthes
  • Auf der Baustelle im Dörnberg-Viertel wurde erneut eine Bombe gefunden. Die 250 Kilo schwere Fliegerbombe lag in einem kleinen Graben zwischen dem grünen Bagger und dem weißen Fahrzeug. Foto: Matthes
  • Auf der Baustelle im Dörnberg-Viertel wurde erneut eine Bombe gefunden. Sie wurde noch am Freitag entschärft. Foto: Matthes
  • Auf der Baustelle im Dörnberg-Viertel wurde erneut eine Bombe gefunden. Sie wurde noch am Freitag entschärft. Foto: Matthes
  • Anwohner und Mitarbeiter von ansässigen Unternehmen mussten die Häuser im Sperrgebiet verlassen. Foto: Matthes
  • Die Polizei informierte die Anwohner über die Evakuierung. Foto: Matthes

Regensburg.Am Ende wurde die Entschärfung doch noch einmal knifflig. Nach dem Fund einer intakten amerikanischen 250-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Areal der Baustelle für das Dörnberg-Viertel im Stadtwesten hatten am Freitag alle Anwohner in einem Sperrradius von 300 Metern ihre Wohnungen verlassen müssen. Rund 930 Personen sind in diesem Bereich gemeldet. Als die Evakuierung dann gegen 13.30 Uhr abgeschlossen war, hatte sich Sprengmeisterin Janin Strobl gemeinsam mit zwei Kollegen an die Entschärfung der Bombe gemacht. „Am Anfang ging es recht zügig“, sagte Strobl unmittelbar nach der Entschärfung gegen 15 Uhr. „Dann hatten wir aber doch noch einiges zu tun.“

Bereits am Donnerstag war der Blindgänger gegen 16.30 Uhr bei Grabungsarbeiten von Bauarbeitern gefunden worden, die Sprengmeister hatten sie noch am Abend begutachtet und entschieden, dass die Entschärfung am Freitag bei Tageslicht stattfinden kann. „Am Donnerstagabend wäre der Evakuierungsaufwand wesentlich höher gewesen“, sagte Strobl. Für die Polizei sei einerseits die Kräftelage entscheidend gewesen, sagte Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Süd. „Zum anderen sind aus unserer Sicht hoffentlich nicht so viele Anwohner betroffen, weil unter tags nicht so viele zu Hause sind.“

Bombe wurde eine Nacht überwacht

Auf der Baustelle im Dörnberg-Viertel wurde erneut eine Bombe gefunden. Sie wurde noch am Freitag entschärft. Foto: Matthes

Über Nacht war die Bombe von der Polizei überwacht worden. Am Freitag waren dann Einsatzkräfte der Feuerwehr ab 11 Uhr von Tür zu Tür gegangen und hatten die Menschen im Evakuierungsradius dazu aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Betroffen waren vor allem Anwohner der Ladehof-, der Dechbettener- und der Liskircherstraße. Die Hedwigsklinik und die JVA lagen nicht im Evakuierungsradius. Auch die Kirchmeierstraße im Süden war nicht mehr von der Evakuierung betroffen.

Nach der Entschärfung der Bombe sprachen wir mit Sprengmeisterin Janin Strobl und Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Süd. Video: Geradtz

Während einige Anwohner die Situation mit Humor nahmen – „dann habe ich früher Feierabend“, sagte ein Mitarbeiter eines Architektenbüros –, reagierten andere Anwohner auch genervt. Tobias Flierl, Zentrumsleiter des Kolping-Bildungswerks, musste nach dem Bombenfund umorganisieren. Einige Kurse, die für den Nachmittag geplant waren, mussten in Räumlichkeiten im Gewerbepark verlegt werden. Man müsse schnell reagieren, um den Teilnehmern noch rechtzeitig Bescheid geben zu können, sagte er noch am Vormittag. Bei bereits laufenden Kursen habe man Teilnehmer und Mitarbeiter nur nach Hause schicken können. Für Beate Fehler vom Therapiezentrum Rombach war die Evakuierung keine ungewohnte Situation. Sie sprach davon, dass es immer ein „großes Durcheinander“ sei, wenn eine Bombe gefunden und entschärft werden müsse. Eine Anlaufstelle für Bürger befand sich im Speisesaal des Von-Müller-Gymnasiums in der Erzbischof-Buchberger-Allee. Dieses war ab 11 Uhr geöffnet und die Anwohner wurden dort vom Malteser Hilfsdienst betreut. Das Angebot wurde jedoch nur von einer Handvoll Personen in Anspruch genommen.

250 Kilo Fliegerbombe am Dörnberg gefunden

Als alle Anwohner den Gefahrenbereich dann verlassen hatten, wurde die nahegelegene Bahnstrecke gesperrt und die Bombe in ein Erdloch gelegt. „Das hat der Zustand erlaubt, weil der Heckzünder noch nicht entsichert hatte“, erklärte Strobl im Nachhinein.

Ausgelöst aber nicht explodiert

Auf der Baustelle im Dörnberg-Viertel wurde erneut eine Bombe gefunden. Sie wurde noch am Freitag entschärft. Foto: Matthes

Bei der Entschärfung ergab sich dann aber doch noch eine unerwartete Verzögerung: Nach der Entfernung des Kopfzünders, der sich noch „relativ einfach“ hatte herausnehmen lassen, stellte Strobel fest, dass die Zündnadel bereits in die Sprengkapsel eingeschlagen war. Die Sprengladung war beim damaligen Aufprall der Bombe auf dem Heck offenbar so stark verrutscht, dass der Zündmechanismus „verhungert“ war. „Der Heckzünder war aufgrund des heftigen Aufpralls total deformiert“, erklärte Strobl nach der Entschärfung. Er musste Stück für Stück „systematisch rückgebaut“ werden. Bis Strobl schließlich um 15.04 Uhr verkünden konnte: Bombe entschärft.

Es ist bereits die 64. Bombe, die sie entschärft hat, die dritte in Regensburg. Ihre 65. Bombe ließ nicht lange auf sich warten: Noch am Freitag erhielt Strobl gleich die nächste Fundmeldung. „Wir müssen jetzt erst zurück zum Zerlegebetrieb. Dort wird die Bombe ausgeladen und dann müssen wir gleich wieder los nach Nürnberg“, sagte sie bei der Präsentation der entschärften Dörnberg-Bombe.

Vor der Entschärfung gab Janin Strobl Auskunft über den Zustand der Bombe:

Sprengmeisterin Janin Strobl entschärfte den Blindgänger am Freitag. Video: Micha Matthes/Schnitt: Simone Grebler

Tweet der Polizei zum Bombenfund im Dörnberg-Viertel:

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