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Dienstag, 21. November 2017 7

Warnung

Nachbarn müssen Häuser räumen

Am Schwandorfer Krankenhaus St. Barbara wurde eine Fliegerbombe entdeckt. Die Umgebung muss zur Räumung evakuiert werden.
Von Hubert Heinzl

SCHWANDORF. Schwandorf. Nach dem Fund einer britischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg auf der Baustelle am St. Barbara-Krankenhaus müssen vorübergehend nicht nur die Patientenzimmer im Krankenhaus, sondern auch die Häuser in einem Umkreis von 300 Metern evakuiert werden. Allerdings nicht sofort. Die 250-Kilo-Bombe soll erst am Samstag, 30. September, gegen Mittag entschärft werden. Das erklärten am Nachmittag Landrat Thomas Ebeling, Oberbürgermeister Andreas Feller und Vertreter von Behörden, Einsatzkräften und des Barbara-Krankenhauses bei einer Pressekonferenz im Landratsamt.

Die Fliegerbombe hatte am Freitag um 8.55 Uhr ein Baggerführer in der Baugrube für den geplanten Erweiterungsbau entdeckt. Erst am Dienstag war der erste Spatenstich für das 50 Millionen Euro schwere Neubau-Projekt erfolgt. Doch jetzt ruhen natürlich die Arbeiten auf der Baustelle. Nachdem Michael Weiß und Christian Scheibinger vom Sprengkommando Nürnberg den Blindgänger in Augenschein genommen hatten, gab es wenigstens für’s erste Entwarnung: Von der etwa einen Meter langen Fliegerbombe mit einem Durchmesser von rund 30 Zentimetern geht keine unmittelbare Gefahr aus.

Krankenhausbetrieb läuft weiter

Dr. Martin Baumann, der Geschäftsführer des Barbara-Krankenhauses, sah darin bei der Pressekonferenz sogar die „Botschaft des Tages: Es ist eine Bombe, aber wir haben Zeit“. In Arbeitsgruppen könne jetzt „Schritt für Schritt die Evakuierung vorbereitet werden“. Bald nach dem Bombenfund hatte die Krankenhausleitung St. Barbara vorübergehend aus dem Notfall-Verbund der Krankenhäuser abgemeldet; die Notaufnahme blieb vorsorglich geschlossen. Doch am Nachmittag wurde die Maßnahme zum Teil schon wieder aufgehoben. Die medizinische Versorgung einschließlich Zentraler Notaufnahme und Kreißsaal wird in den nächsten Tagen normal ablaufen. Patienten, für die sich Änderungen ergeben, werden informiert und erhalten einen Ersatztermin.

„Situation ist unkritisch“

Alle anderen Patienten können in der nächsten Woche problemlos behandelt werden. „Die Krankenversorgung in St. Barbara wird weitergehen. Ein Großteil der Patienten wird nach der Behandlung das Krankenhaus nächste Woche verlassen können“, versprach Ärztlicher Direktor Detlev Schoenen. Die restlichen Patienten werden auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt.

Auch Landrat Thomas Ebeling, der sich wie OB Andreas Feller am Vormittag vor Ort über die Lage informiert hatte, vermeldete Beruhigendes: „Die Situation ist unkritisch“, sagte er. Die Bombe sei inzwischen wieder mit Erde abgedeckt worden und werde rund um die Uhr von der Polizei bewacht. Bis zur geplanten Evakuierung am Samstag, 30. September, sei noch ausreichend Zeit.

Geräumt werden dann laut Oberbürgermeister Andreas Feller neben dem Krankenhaus selbst auch alle Gebäude im Umkreis von 300 Metern. Betroffen seien neben 160 Patienten rund 900 Anwohner, die aber in der nächsten Woche noch genauer informiert werden sollen. Die Evakuierungsaktion soll um 8 Uhr beginnen und bis Mittag abgeschlossen sein. Wenn alles laut Plan läuft, ist die Bombe gegen 14 Uhr entschärft, und Wohnungen und Patientenzimmer können wieder bezogen werden. Für alle Anwohner, die am 30. September nicht bei Bekannten unterkommen können, wird die Oberpfalzhalle als Ausweichunterkunft bereitstehen. Auch einen eigenen Fahrdienst will die Stadt einrichten, die für die Evakuierungsaktion die Federführung übernommen hat.

Bei Stefan Schamberger, dem Leiter des Schwandorfer Ordnungsamts, laufen in der nächsten Woche und vor allem am Samstag die Fäden zusammen. Er wies darauf hin, dass die genaue Grenze der Evakuierungszone noch festgelegt werden müsse. „Aber wir werden zeitnah einen Plan im Internet veröffentlichen“, kündigte er an. Mitte nächster Woche wird es eine Flugblattaktion geben, ab Montag wird unter der Rufnummer 0 94 31/4 53 33 ein Bürgertelefon eingerichtet für Personen im Umkreis, die ihre Wohnung nicht selbstständig verlassen können. Um sie werden sich Bayerisches Rotes Kreuz und Johanniter kümmern. Der Kontakt kann auch über ordnungsamt@schwandorf.de hergestellt werden.

Kein völliges Neuland mehr

Betroffen von der Aktion sind auch die Länderbahn im Gleisdreieck sowie das Berufliche Schulzentrum, die noch gesondert informiert werden. Durch die Verlegung des Evakuierungstermins auf einen Samstag werde sich aber hier die Beeinträchtigung in engen Grenzen halten, so Ebeling. Bei der Frage, in welchem Umfang Luftraum, Zugverkehr und Zufahrtsstraßen gesperrt werden müssen ist nach seinen Worten „noch nicht alles bis ins kleinste Detail geregelt“. Doch er sei zuversichtlich, „dass am 30. September alles in geordneten Bahnen ablaufen wird“.

Für die Barmherzigen Brüder, den Träger des Schwandorfer Krankenhauses, ist eine Evakuierungsaktion kein völliges Neuland mehr. Schon vor zwei Jahren war beim Mutterhaus in Regensburg eine Fliegerbombe gefunden worden, mussten Patienten ihre Zimmer und Anwohner ihre Häuser verlassen. Von den dabei gewonnen Erfahrungen kann jetzt auch St. Barbara profitieren.

Evakuierung

  • Termin:

    Samstag, 30. September, von 8 bis gegen 12 Uhr. Die Entschärfung der Bombe ist bis 14 Uhr geplant.

  • Betroffene:

    Neben den Patienten von St. Barbara ca. 900 Personen im 300-Meter-Radius um das Krankenhaus.

  • Unterbringung:

    Als Ausweichunterkunft steht die Oberpfalzhalle zur Verfügung. Ein Fahrdienst wird eingerichtet.

  • Bei Handicap:

    Pflegebedürftige oder gehbehinderte Personen können sich ab Montag unter Tel. 0 94 31/45-333 an die Stadt wenden. Sie werden bei der Evakuierung besonders betreut. (hh)

So läuft die Evakuierung in Schwandorf ab. Video: Seitz

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