mz_logo

Bayern
Samstag, 19. August 2017 22° 6

Geschichte

68er mit Faible für Strauß statt Mao

Peter Gauweiler plauderte in der Universität Regensburg über seine Zeit als konservativer Revoluzzer an der Uni München und die 68er-Zeiten.
Von Reinhold Willfurth, MZ

  • Peter Gauweiler, Foto: dpa
  • Idol für den 68er der konservativen Art: Franz Josef Strauß 1961 beim Besteigen der Kanzel eines „Starfighters“.Foto: dpa-Archiv

REGENSBURG. Unter den ideologisierten Splittergruppen an der Universität München im Jahr ’68 wäre diese Neugründung mit ihren neun Mitgliedern nicht weiter aufgefallen – wenn sich dieses Häufchen Studenten nicht fundamental von anderen Häufchen unterschieden hätte: Diese Gruppe hatte mit Lenin, Che Guevara oder, Gott behüte, Mao, nichts am Hut. Wenn schon, dann rieb sie sich an einer politischen Leitfigur namens Franz Josef Strauß. Der „Ring christlich-demokratischer Studenten“ (RCDS) machte später Karriere an den Unis. Am Mittwoch plauderte RCDS-Gründungsvorsitzender Peter Gauweiler im Vielberth-Saal der Universität über die 68er-Zeiten an der Uni München, über den Spaß an der Revolte gegen die Revoltierer – und was er von diesen für seinen politischen Kampf gelernt hat.

Anlass des Auftritts war die Vorstellung des Buchs „Reform und Revolte“ über die Fünziger und Sechzigerjahre, die entscheidende Ära der Bonner Republik mit ihren großteils bis heute gültigen, damals aber oft unerhörten und radikal anmutenden Veränderungen, von den großen Rechtsreformen über die Mitbestimmung in vielen Bereichen und die bis heute andauernde Bildungsdiskussion bis zum Wertewandel bei der Sexualität. Die Herausgeber, Prof. Dr. Martin Löhnig und Mareike Preisner von der Uni Regensburg sowie Prof. Dr. Thomas Schlemmer vom Münchener Institut für Zeitgeschichte, untersuchen darin zusammen mit weiteren Kollegen, warum der Reform-Hunger so groß war und wie diese Reformen bis heute wirken.

Mit Peter Gauweiler hatte man bewusst einen Antipoden des damaligen breiten linken Mainstreams an den Universitäten eingeladen. Der einstige konservative Revoluzzer lässt auch heute noch kein gutes Haar an den einstigen weltrevolutionären Ideen seiner Gegner: „Die sind unter den Bildern von Massenmördern durch die Straßen marschiert“.

Auch der Einfluss der 68er auf Entwicklungen, die ihrerseits heute zum Mainstream zählen, werde überschätzt, sagt Gauweiler. Und dass der einstige Sponti Joschka Fischer als Außenminister den Weg freigemacht hat für den ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr, wird ihm Gauweiler, der strikt gegen diese Einsätze ist, nie verzeihen. Respekt zollt Gauweiler manchen linken Gegnern von damals trotzdem. Schlechte Menschen seien die Weltverbesserer nicht gewesen. „Sie hatten was, und wenn es nur Uschi Obermaier war“, konzediert Gauweiler und hat die Lacher auf seiner Seite. Sein versöhnliches Fazit: „Das waren nur Idioten – so wie wir“.

Vom aggressiven Politikstil der damaligen K-Gruppen habe sogar seine Partei, die CSU gelernt, in die er ebenfalls 1968 eingetreten ist. Der polarisierende Slogan „Freiheit oder Sozialismus“, mit dem Franz Josef Strauß 1976 Kanzler werden wollte, sei dem (rhetorischen) Einfluss der 68er geschuldet. „Es entstand eine unkonventionelle Debattenkultur“, benennt Gauweiler den gemeinsamen Nenner. Er selbst hat offenbar auch seine Lektion gelernt. Langweilig sind Gauweilers Auftritte jedenfalls nie gewesen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht