mz_logo

Bayern
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Verkehr

Acht Wochen Ärger um den „Alex“

Auf der Zugstrecke Pilsen-Regensburg häufen sich die Verspätungen. Bei den Fahrgästen herrscht dicke Luft.
Von Christine Schröpf

Zu oft zu spät: Der „Alex“ auf der Strecke Regensburg-Prag bereitet seit dem Fahrplanwechsel Ärger. Foto: Länderbahn

Regensburg.Gut acht Wochen Ärger um den „Alex“: Seit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember kommt es auf der Zugstrecke Prag-Pilsen-Regensburg-München zu häufigen und starken Verspätungen. Das Problem ist vielschichtig. Verzögerungen können an mehreren Stationen entlang der Strecke entstehen: Zu den Schwachstellen zählen der Bahnhof Regensburg, wo Lokwechsel nötig sind, sowie der Kreuzungsbahnhof Schwandorf, wo die Züge aus Prag und Hof vor der gemeinsamen Weiterfahrt nach Regensburg zusammengekoppelt werden müssen. 13 Minuten seien dafür offiziell vorgesehen, sagt der Regensburger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol. „Das reicht selten aus“, meint er.

Der Regensburger Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol (Grüne) zählt selbst zu den Betroffenen. Foto: altrofoto.de

Die Verspätungen summieren sich, mit potenziellem Domino-Effekt etwa für die Oberpfalzbahn, die im gleichen Zeitkorridor auf der Trasse verkehrt. Die Gefühlslage bei den Passagieren in den Waggons ist zunehmend aufgeheizt. „Die Stimmung ist nicht die Beste. Die Zugbegleiter bekommen den Frust ab“, sagt Berufspendler Benedikt Hofmann zusammen. Er ist fast täglich morgens von Schwandorf nach Regensburg unterwegs, nimmt abends die Strecke retour. Für das Monatsticket blättert er rund 190 Euro hin. Hofmann ärgert speziell, dass die Bahnverantwortlichen nach seiner Einschätzung „sehenden Auges in das Problem hineingerannt sind“. Denn Probleme habe es bereits gegeben, bevor die Zahl der Verbindungen nach Prag mit dem Fahrplanwechsel von vier auf sieben aufgestockt worden sei. Dass mehr Züge die Sache nicht einfacher machen, hätte man wissen müssen, sagt Hofmann. Es sei ja bekannt gewesen, dass der „Alex“ aus Prag häufig zu spät eintrifft.

„Untragbare Zustände“

Trotz Protesten und Interventionen der Politik ist das Problem bis heute nicht entschärft. Der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU) hatte sich wegen der „untragbaren Zustände“ an das bayerische Innenministerium gewandt. Auch der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling (CSU) hat das Thema im Blick. „Es ist für viele ein Ärgernis“, sagt er. Grünen-Politiker Mistol hatte von Anfang an Druck gemacht. Er ist selbst häufig auf der Strecke unterwegs und zählt damit zu den Betroffenen. Zudem hatten Bürger bei ihm Alarm geschlagen. „Sie überlegen, ob es nicht besser ist, aufs Auto umzusteigen“, berichtet er.

Mistol hakte per schriftlicher Anfrage an die Staatsregierung nach und erhielt jetzt die offizielle Antwort von Innenstaatssekretär Gerhard Eck: Nach aktuellen Analysen „könne das Verkehrsnetz Alex Nord wieder Pünktlichkeitswerte von über 90 Prozent erreichen“, heißt es in dem Schreiben. Dieser Wert sei auch vor dem Fahrplanwechsel selten überschritten worden. „Pünktlichkeitsschwankungen gibt es allerdings weiterhin“, räumt Eck ein, auch wegen externer Einflüsse wie „Sturm, Personenunfällen oder Bahnübergangsstörungen“. Teils lägen Ursachen auch auf tschechischer Seite – etwa wenn wegen eines Defekts die vertraglich geforderte zusätzliche Zuggarnitur in Pilsen nicht zur Verfügung stehe.

„Sie überlegen, ob es nicht besser ist, aufs Auto umzusteigen.“

Jürgen Mistol über die Reaktionen von Fahrgästen

Mistol erstaunen diese Zahlen, decken sie sich doch nicht mit seinen persönlichen Erfahrungen. Berufspendler Hofmann teilt diese Skepsis. Pünktlichkeitswerte von über 90 Prozent? „Ich weiß nicht, wo die 90 Prozent herkommen“, sagt der 32 Jahre alte Fachinformatiker. 90 Prozent betrage nach seiner Erfahrung eher das Verspätungsrisiko.

Länderbahn-Sprecherin Christine Hecht nennt auf Rückfrage unseres Medienhauses Zahlen mit deutlicher Schwankungsbreite: So brachte es der „Alex“ zwischen 27. und 30. Januar auf eine Pünktlichkeitsquote von 85 Prozent, am 31. Januar gab es mit 70 Prozent dann einen Ausreißer nach unten. Man unternehme bereits viel, um die Probleme in den Griff zu bekommen, sagt Hecht. In Pilsen und Regensburg stehe jetzt grundsätzlich eine Reserve-Diesellok für Engpässe bereit. „Uns geht es darum, das Problem so schnell wie möglich zu lösen, um den Kunden Ärger zu ersparen“, sagt sie. Doch wann auf der Strecke alles wieder im Plan läuft, mag auch die Länderbahn nicht zu sagen. „Erste positive Wirkungen sehen wir, weitere werden wir in den nächsten Tagen und Wochen beurteilen können“, heißt es aus dem Unternehmen.

Von der DB-Netz „testiert“

Allein am Pranger stehen will man nicht: Die DB-Netz habe das Fahrplanangebot im Vorfeld „intensiv geprüft, testiert und für fahrbar erklärt“, verlautet es aus der Länderbahn. Die Rahmenbedingungen auf der Strecke seien herausfordernd. „Wir wechseln immer wieder die Fahrtrichtung und damit unsere Loks. Ebenso wechseln wir vom elektrischen Fahrbetrieb zwischen München und Regensburg auf Diesellokomotiven.“ Hinzu kommt die Eingleisigkeit von Strecken im Chamer Netz, die den Gegenverkehr bremst.

Massnahmen

  • Fehlerdiagnose

    Die Länderbahn arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Lösung der Probleme. „Alle Stellen im Unternehmen sind seit Wochen und auch in den nächsten Tagen mit einer betrieblichen Stabilisierung beschäftigt“, heißt es.

  • Zusatzlok in Regensburg

    Seit 27. Dezember sei am Bahnhof Regensburg zwischen 7 und 17 Uhr eine weitere Lok im Einsatz, um kürzere Wendezeiten in Richtung Schwandorf/Hof/Prag zu ermöglichen. So soll verhindert werden, dass sich Verspätungen anhäufen.

  • Weitere Ersatzlok

    Da Dieselloks zuletzt reparaturanfälliger waren, hat die Länderbahn zudem nach eigenen Angaben eine weitere Zusatz-Lok angemietet.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) – Auftraggeber der Länderbahn – macht Druck. Sie kann Strafzahlungen verhängen, wenn die Leistung zu wünschen übrig lässt. Bisher ist das so. Berufspendler Hofmann traf es erst wieder am vergangenen Donnerstag, als er um 18.14 Uhr den Zug nach Schwandorf nehmen wollte. Die Diesellok für seinen Zug habe nicht rechtzeitig zur Verfügung gestanden, sagt er. Sie sei wohl noch an der Spitze eines verspäteten Zuges aus Schwandorf im Einsatz gewesen sei. Für ihn bedeutete das: 20 Minuten Wartezeit.

Weitere Nachrichten aus der bayerischen Landespolitik lesen Sie hier!

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht