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Bayern
Sonntag, 19. November 2017 5

Umwelt

Aktionsplan soll Bienensterben aufhalten

Naturschützer fordern ein Umdenken in der Agrarpolitik. Der BBV hält dagegen: Landwirte täten alles, um Bienen zu schützen.
Von Anna-Maria Ascherl, MZ

Ist die Rapsblüte gespritzt, können die Bienen durch Pestizide Nervenschädigungen davontragen. Foto: dpa

Regensburg.Der Bund Naturschutz (BN) schlägt Alarm: Angesichts eines immer rascher fortschreitenden Bienensterbens fordert er einen nationalen Aktionsplan, um die Tiere zu retten. Besonders stark gefährdet sind laut Hubert Weiger die Wildbienen. Der Bundesvorsitzende des BN sagte am Freitag in München, mehr als die Hälfte der ursprünglich in Deutschland beheimateten Arten seien bereits ausgestorben oder gefährdet. Dringend nötig sei deshalb ein Umdenken in der Agrarpolitik.

Landwirte weisen Schuld von sich

Die Gründe für das Bienensterben liegen laut Weiger in der industriellen Landwirtschaft, die von Überdüngung, dem Einsatz von Pestiziden sowie dem Verlust von Blühflächen gekennzeichnet sei. Dem widerspricht Josef Wutz. Der Landwirt ist Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) für die Oberpfalz. Er sagt: In Bayern könne man gar nicht von einer industriellen Landwirtschaft sprechen, dafür seien die Flächen zu kleinteilig.

Josef Wutz, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) für die Oberpfalz Foto: Klöckner

Außerdem würden die Pflanzenschutzmittel getestet, die Mengen so weit minimiert wie möglich. „Jeder Landwirt geht verantwortungsvoll damit um,“ sagt Wutz. Diese Mittel würden nur eingesetzt, wenn sie unbedingt nötig seien: „Luxusmaßnahmen können wir uns nicht leisten,“ sagt Wutz. Insektizide etwa würden nur beim Kartoffel- und Rapsanbau eingesetzt. Dabei gebe es genaue Vorgaben zum Bienenschutz: Laut der Verordnung über die Anwendung bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel darf nur nach dem Bienenflug gespritzt werden.

Jeder kann etwas tun, um den Bienen zu helfen, schreibt die Autorin in ihrem Kommentar. Doch die großen Gesten müssen von woanders kommen:

Kommentar

Gemeinsam für die Bienen

Bienen sind essenziell. Die fleißigen Tiere bestäuben 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen. Eine kleine Maßnahme zu ihrer Rettung kann fast jeder...

Denn wenn der Raps in voller Blüte steht, schwärmen die Bienen aus. Darüber spricht Matthias Gebhard, Vorsitzender des Imker-Kreisverbands Cham, mit den Landwirten in seinem Ort regelmäßig. „Wenn sich beide – Imker und Landwirt – einsichtig zeigen und einen Schritt aufeinander zugehen, dann kommt man gut miteinander aus.“ Grundsätzlich sei jede Maßnahme zu begrüßen, die den Bienen hilft – so wie der Aktionsplan des BN. Den Pestizideinsatz findet Gebhard besorgniserregend, deshalb sollte auch gehandelt werden – je früher, desto besser.

Darin stimmt ihm auch seine Neumarkter Kollegin Christa Olbrich zu. „Die Imker wollen den Landwirten keine Vorwürfe machen, es ist nur eben so, dass die Umwelt sehr belastet ist.“ Manche Pestizide könnten zu Nervenschädigungen bei den Bienen führen. Dadurch können die Tiere die Orientierung verlieren und den Weg zum Stock nicht mehr finden. Von einem Bienensterben wollen die beiden Imker aber nicht sprechen.

Blühstreifen für die Bienen

Imker-Vertreterin Olbrich beobachtet sogar positive Entwicklungen bei den Landwirten in ihrer Region. So gebe es viele Blühflächen, auf denen Bienen Nahrung fänden. Die Einrichtung von Blühstreifen auf sonst brachliegenden Flächen begrüßt auch Josef Wutz vom BBV: „Es wird von unserer Seite viel getan, um die Bienen zu schützen.“ Er verweist auch auf die Umrüstung alter Maissägeräte. Sobald bekannt wurde, dass der Staub, der in die Luft geblasen wurde, Bienen schädigen kann, seien die Geräte umgerüstet worden.

Der Vorsitzende des Bund Naturschutz, Hubert Weiger Foto: Stephanie Pilick/dpa

Der BN sagt, er wolle die Landwirtschaft nicht an den Pranger stellen. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Landwirte die Werkzeuge bekommen, mit denen sie bienenfreundlich arbeiten können“, sagte Walter Haefeker, Präsident des europäischen Berufsimkerverbands, und verwies auf digitalen Pflanzenschutz. Technik werde auf den Feldern durchaus eingesetzt, sagt Wutz. Nur auf kleinen Flächen rentierten sich solche Anschaffungen nicht.

Lesen Sie auch: Christa Olbrich prophezeit: Dieses Jahr wird es nur wenig Blütenhonig geben.

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