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Bayern
Dienstag, 12. Dezember 2017 7

Jubiläum

Alles zum Wohl der Studenten

Seit 50 Jahren liefert das Studentenwerk warme Mahlzeiten und gestaltet das Uni-Leben mit. Nun feierte es Geburtstag.
Von Jana Wolf, MZ

Die Regensburger Mensa ist mehr als ein Ort zum Mittagessen. Sie ist ein sozialer Treffpunkt für Studenten und Uni-Mitarbeiter. Foto: Jana Wolf

Regensburg.Es ist Mittagszeit, eine lange Schlange hat sich an der Essensausgabe gebildet. Tabletts in Hellgrau-gesprenkelt werden an meterlangen Theken entlang geschoben. Im Hintergrund klappert Geschirr, erfüllt Stimmengewirr den Saal, liegt würziger Mittagsgeruch in der Luft. Jeder, der an einer Hochschule studiert hat, wird die Atmosphäre einer Mensa kennen. Eine bunte Mischung aus Studenten, Dozenten und Professoren kommt hier zusammen – zum Essen, aber auch zum Reden und Diskutieren. Die Mensa ist mehr als eine Verpflegungsstation auf dem Campus. Sie ist ein wichtiger Treffpunkt.

Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer erinnert sich in an ihre eigene Studienzeit: „In der Mensa haben wir gefeiert, rauschende Feste gefeiert.“ Foto: Jana Wolf

Die sozialen Aspekte der Arbeit des Studentenwerks Niederbayern-Oberpfalz standen gestern im Mittelpunkt. Seit genau 50 Jahren betreibt die Einrichtung neben den Uni-Küchen auch Studentenwohnheime und Stätten zur Kinderbetreuung, bietet Beratung in persönlichen und finanziellen Fragen an und fördert das kulturelle Leben auf dem Campus. Zum runden Geburtstag des Studentenwerks fand gestern ein Festakt auf dem Regensburger Galgenberg statt. In stolzen zehn Reden und Grußworten wurde die Arbeit von den Ehrengästen gelobt.

„Wir alle wissen, dass Hochschulen um beste Köpfe in Forschung und Lehre konkurrieren, aber auch unter den Studentinnen und Studenten“, sagte der bayerische Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler in seiner Festrede vor den geladenen Honoratioren. „Da gehören Angebot und Ausstattung der Universitäten, aber auch Infrastruktur und soziales Umfeld dazu.“

Studentenwerk prägt das Umfeld

Ein Hochschulstandort werde für Studenten attraktiver, wenn er günstige Wohnheimplätze, Kinderbetreuungsplätze, Ausbildungsförderung und Angebote wie Theater, Kunst oder Musik bereithalte. All das, was mit dem sozialen Umfeld von Studenten zusammenhängt, werde durch die Arbeit des Studentenwerks entscheidend geprägt, sagte Sibler.

Der Staatssekretär, der nach eigener Aussage der erste Akademiker in seiner Familie ist, hob hervor, wie wichtig günstige Unterkünfte sind. „Dass bezahlbares Wohnen von extremer Bedeutung ist, nicht nur für internationale Studierende, sondern auch für alle Studierenden aus der Region, erklärt sich eigentlich von selbst.“ Als Vertreter der Staatsregierung ließ er es sich aber nicht nehmen, die luxuriöse Situation im Freistaat zu betonen. In den vergangenen 15 Jahren seien in Niederbayern und der Oberpfalz rund 46 Millionen Euro an Fördersummen für studentischen Wohnraum geflossen. „Alleine heuer stehen bayernweit bis zu 47,5 Millionen Euro zur Verfügung.“ Besonders in diesem Punkt werde Bayern vom Deutschen Studentenwerk in Berlin gelobt, sagte Sibler.

„Dass bezahlbares Wohnen von extremer Bedeutung ist, nicht nur für internationale Studierende, sondern auch für alle Studierenden aus der Region, erklärt sich eigentlich von selbst.“

Bayerischer Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler

Als deren Vertreterin sprach gestern Prof. Andrea Klug, Vizepräsidentin des Deutschen Studentenwerks und Präsidentin der OTH Amberg-Weiden. Sie bestätigte Sibler in seiner Einschätzung: „Der Freistaat Bayern ist bei Förderung der Studierendenwohnheime, deren Bau und Sanierung das absolute Vorzeigeland“, sagte Klug. Über diese vorbildliche Förderung hinaus brauche es jedoch ein gemeinsames Bund-Länder-Programm, einen sogenannten „Hochschulsozialpakt“. Dieses Programm solle zur Schaffung und zum Erhalt von bezahlbarem Wohnraum beitragen. Klugs Appell ging in Richtung Bund: Der sei bei der Kofinanzierung gefragt.

Denn trotz der hochgelobten bayerischen Lage steige der wirtschaftliche und finanzielle Druck auf Studenten zunehmend. Nach der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks werde neben dem Studium immer mehr gejobbt, Eltern müssten studierende Kinder zunehmend unterstützen. „68 Prozent unserer Studierenden sind zwischenzeitlich erwerbstätig“, sagte Klug.

Sozial entfalten in der Uni-Zeit

Neben Bayern-Lob und politischen Forderungen waren sich alle Redner des Geburtstagsfestes in einem Punkt einig: Studieren ist mehr als Lernen. Um sich in der Uni-Zeit auch sozial entfalten zu können, sei die Arbeit des Studentenwerks unerlässlich.

Anders als an normalen Mensa-Tagen war der Saal zur Feier mit der Geburtstagsgesellschaft festlich eingedeckt. Foto: Jana Wolf

Anders als an normalen Mensa-Tagen war der Saal für die Geburtstagsgesellschaft festlich eingedeckt. Weiße Tischdecken, polierte Wasser- und Weingläser, drei Gabeln und drei Messer an den Tellerseiten zierten die Tische – und ein würziger Geruch kündigte das Festessen an. Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer erinnerte sich an ihre eigene Studienzeit. „Wie wichtig die Infrastruktur des Studentenwerks ist, habe ich am eigenen Leib erfahren. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir uns in der Cafeteria die Köpfe heiß diskutiert haben. Und in der Mensa haben wir gefeiert, rauschende Feste gefeiert.“ Auch dafür biete das Studentenwerk Raum.

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir uns in der Cafeteria die Köpfe heiß diskutiert haben. Und in der Mensa haben wir gefeiert, rauschende Feste gefeiert.“

Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Die Bürgermeisterin hob Aspekte wie Bau und Verwaltung von Wohnanlagen, Ausbildungsfinanzierung, studentische Reisen, kulturelle Angebote oder Beratung bei persönlichen, finanziellen, wirtschaftlichen Problemen sowie Kinderbetreuung hervor – in all diesen Angelegenheiten sei das Studentenwerk ein Ansprechpartner für Studenten. Es spiele aber auch eine wichtige Rolle für die gesamte Stadt Regensburg, sagte Maltz-Schwarzfischer. „Sie tragen einen bedeutsamen Anteil dazu bei, dass sich Regensburg in den letzten 50 Jahren sich von einem verschlafenen Provinznest – das hören die Regensburger nicht so gerne –zu einer boomenden Großstadt mit florierendem Arbeitsmarkt gemausert hat.“

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