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Bayern
Montag, 11. Dezember 2017 4

Interview

Andere Perspektiven zeigen

Rainer Pawelke und seine Frau Maria Ruffing stecken schon mitten in den Vorbereitungen für die nächste Traumfabrik.
Von Susanne Wolf

Traumfabrik-Gründer und Regisseur Rainer Pawlke mit Ehefrau und Ensemble-Leiterin Maria Ruffing Foto: Krautbauer/Traumfabrik

Regensburg.Vor Kurzem durfte ich Rainer Pawelke, den Gründer der Traumfabrik, und seine Frau Maria Ruffing, die das Traumfabrik-Ensemble leitet, im Regensburger Büro der Traumfabrik besuchen. Ich war nicht nur begeistert von der sichtbaren Kreativität im Büro durch einige Traumfabrik-Requisiten, sondern vor allem von Rainer Pawelke, der vor 37 Jahren die Traumfabrik begründet hat und trotz seiner Parkinson-Erkrankung jedes Jahr aufs Neue ein neues Programm sowie eine Tournee auf die Beine stellt. Hut ab, wenn jemand so für sein „Baby“ kämpft und vielen Menschen damit jedes Jahr eine kleine Reise in das Reich der Träume und Fantastereien ermöglicht.

Was ist das Traumfabrik-Erfolgsrezept?

Rainer Pawelke: Einerseits, dass wir neue Sachen und somit etwas Attraktives bringen, aber andererseits auch die Nostalgie leben lassen. Das ist ein Punkt. Ein weiterer Punkt zeigt sich in unserer aktuellen Plakataktion, bei der die Plakate auf dem Kopf stehen. „Stell dich auf den Kopf und der Himmel liegt dir zu Füßen.“ Das ist weniger ein Gag als unsere Visitenkarte. Wir wollen bei den Leuten Aufmerksamkeit erzielen – nicht nur im Programm, sondern auch nach außen. Wir wollen zeigen, dass wir alles aus einer anderen Perspektive sehen... Später haben wir das aufgelöst und die Zusatzplakate dazugemacht.

Maria Ruffing: Was uns sehr vom Show-Business unterscheidet, ist, dass wir teilweise schon eine andere Aussage mit unseren Stücken verbinden. Es sind einige Stücke dabei, über die man wirklich lange nachdenken kann. Einige Besucher denken nicht darüber nach, bei anderen löst es etwas aus.

Was macht die Traumfabrik einzigartig?

Pawelke: Sie ist ja eher zufällig entstanden. Meine Devise war: Ich mache was, das mir gefällt – und wenn es Leute gibt, denen das auch gefällt, dann sind sie herzlich willkommen. Ich werde auch nie mein Konzept ändern, wenn ich denke, dass sich der Zeitgeist geändert hat. Die Konzeption ist von Anfang an bis heute so geblieben. Natürlich schaut man, was auf dem Markt ist – kann man da etwas übernehmen oder verändert es etwas. Was wir nicht machen, ist ein Stück eins zu eins übernehmen.

Woher holen Sie sich die Ideen, weil es die Traumfabrik schon seit 37 Jahren gibt?

Pawelke: Wir holen uns auch internationale Gastkünstler. Es ist also nicht so, dass wir nur mit eigenen Sachen arbeiten. Bei der Auswahl schauen wir besonders darauf, dass wir nicht jemanden aussuchen, bei dem die Zuschauer Angst haben müssen, dass er aufs Genick fällt, und sie dann applaudieren, dass er nicht aufs Genick gefallen ist. So was kommt bei uns nicht vor.

Welche Künstler werden dann ausgewählt?

Es gibt viele Künstler, die es verstehen, etwas augenzwinkernd zu präsentieren und eine besondere Ästhetik haben. Dieses Jahr haben wir ein Pärchen aus Österreich dabei, das Feuer macht. Feuer ist im Grunde genommen etwas Gefährliches. Viele spielen mit dieser Angst mit den Leuten. Bei uns hat das Feuer einen ästhetischen Effekt: dass Feuer ein Element ist, das fasziniert und ästhetisch mit Musik und Bewegung dargeboten wird. Damit ist es etwas Besonderes! Die andere Möglichkeit hat in der Traumfabrik keinen Platz. Einmal haben wir das Feuerspucken persifliert: Der Feuerspucker hat so getan, als würde er Petroleum trinken. Die Leute meinten, er würde Feuer spucken. Dabei war es Wasser und er hat damit die Fackel ausgelöscht. Wir persiflieren das, was wir nicht machen. Damit zeigen wir augenzwinkernd, wie wir gestrickt sind. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal eine Tiernummer drin. Aber Sie werden kein Tier auf der Bühne sehen (schmunzelt). Ich mag Tiere sehr gerne, aber ich mag keine Tiere in der Manege oder auf der Bühne sehen.

Wie viel vorher fangen Sie mit der Planung für die nächste Show an?

Ruffing: Das kann man schlecht sagen. Das ist dasselbe wie bei der Frage, woher die Ideen kommen. Vor zehn Jahren habe ich mir eingebildet, etwas mit einem Einkaufswagen zu machen. Das haben wir aber nie gemacht. Vor drei Jahren haben wir das Thema dann wieder aufgegriffen und bei der Tournee eingebaut, da wir eine Erhöhung für eine Nummer brauchten. Das entwickelt sich also oft über Jahre hinweg.

Pawelke: Wir haben sehr viele gute Leute, die während des kreativen Prozesses auch ihre eigenen Ideen einbringen. Um eine Idee zu einer Vorführnummer zu machen, braucht es aber eine lange Zeit. Diese Sachen sind ständig im Kopf. Außerdem gibt es einige Aktenordner voller Ideen, die wir von Zeit zu Zeit immer wieder durchblättern.

Die Universität hat Ihnen ja einige Steine in den Weg gelegt...

Ruffing: Das ist passé.

Trotzdem hatten Sie solch einen Kampfgeist und haben 35 Jahre um die Traumfabrik gekämpft?

Ruffing: In diesem Fall schon. Rainer war ja ursprünglich Dozent an der Uni. Hätte es keine Widerstände gegeben, wäre er heute Professor und würde Vorlesungen halten (lacht). Das wäre undenkbar.

Pawelke: (lacht) Das Sportverständnis, das leider Gottes noch heute bei vielen besteht, dass Sport Bewegung als Wettkampf ist, haben wir geändert. Bewegung muss nicht unbedingt Wettkampf sein und Bewegung kann auch etwas anderes sein, als sich nur zur vergleichen. Ich kann Bewegung fürs Auge machen, also kreativ sein, oder nur spielen. Ich war ja der Revoluzzer oder der Mensch, den es zu bekämpfen gab, weil ich den Satz: „Der Sinn des Sports ist Spaß.“ geprägt habe. Das war der Dissens, den wir hatten. Und ich habe das nie widerrufen, bin bei meiner These geblieben und habe im Sport viele Dinge angeboten, die spielerischer sind. Sogar die Bundesregierung hat ein Projekt von mir gefördert. Das Ganze hat von 1980 bis 2015 gedauert. Wir haben zwar gewonnen, aber es war nicht lustig und notwendig! Damals habe ich es relativ gut verkraftet. Anfangs war es existenzbedrohend und haarsträubend, aber jetzt haben wir das hinter uns.

Ruffing: Seit 2015 ist endlich Schluss mit dem Prozessieren.

Das Audimax gehört aber nach wie vor zur Traumfabrik?

Pawelke: Na klar. Wie es Boris Becker so schön gesagt hat, dass Wimbledon sein Wohnzimmer ist, so ist es bei uns das Audimax. Wir kennen es in- und auswendig.

Ruffing: Das Audimax ist durch die ansteigenden Sitzreihen toll, da die Leute alle gut auf die Bühne sehen.

Pawelke: Wir legen auch sehr viel Wert auf das Ambiente. Da wird von Profis bis zur Toilette dekoriert. Man kommt rein und fühlt sich wohl. Schon da staunen die Besucher, was man aus dem Audimax alles machen kann.

Ruffing: Ich finde es sehr reizvoll, diesen Betonraum umzugestalten.

Macht Ihnen Ihre Arbeit trotz allem noch Spaß?

Pawelke: Na klar. Es ist zwar eine Mordsarbeit, aber es macht nach wie vor noch enorm Spaß. Es ist zwar stressig, aber es ist schön, bei der Premiere zu sehen, was dann rauskommt.

Ruffing: Wenn man Künstler ist, dann hört man nicht einfach auf. Nur das Auf- und Abbauen an den Tournee-Standorten strengt sehr an.

Was sehen Sie heuer als Highlight?

Pawelke: Das ist schwierig, weil alle Nummern super sind. Das ist ein breites Spektrum, auf das wir stolz sind. Jeder hat sein eigenes Highlight. Wir wollen kein Programm mit einigen Stücken erster und zweiter Klasse sowie ein paar Mitläufern haben. Was ich persönlich gerne mag, sind unsere Evergreens. Bei „Moldau“ oder „Morphose“ stehe ich nach 30 Jahren immer noch oben und kriege Gänsehaut.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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