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Terror

Ansbacher Attentäter folgte Weisungen

Der Syrer führte vor der Explosion noch ein Telefonat mit dem Nahen Osten. Der IS nennt den 27-Jährigen einen seiner Kämpfer.

Flüchtlinge aus Syrien kamen in Ansbach zum Anschlagsorts und hielten Zettel mit Aufschriften wie „Wir liefen vom Mord weg, weil wir friedlich leben wollen!“ Foto: Daniel Karmann/dpa

Tunis.Die möglichen Anweisungen für den Ansbacher Selbstmord-Attentäter kamen aus dem Nahen Osten. Woher genau, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Donnerstag zunächst nicht mit. Die Ermittler kennen derzeit auch nicht die Person, um die es geht, sagte der CSU-Politiker in Gmund am Tegernsee.

Herrmann hatte am Mittwoch erklärt, es gebe Hinweise, dass der 27-jährige Syrer noch kurz vor der Explosion einer Bombe in seinem Rucksack über einen Internet-Chat in Kontakt mit einem Unbekannten gestanden habe. Am Donnerstag präzisierte Herrmann: Unmittelbar vor dem Anschlag habe der Unbekannte dem Täter konkrete Anweisungen gegeben, was er tun solle, wie er sich verhalten solle.

„Der Gesprächspartner wusste genau, worum es geht“, sagte Herrmann. Er habe beispielsweise gewusst, dass der 27-Jährige Sprengstoff dabei hatte. Als dieser von Sicherheitsleuten in der Nähe des mutmaßlichen Anschlagsziels, einem Musikfestival, berichtet habe, habe der Unbekannte gesagt, er solle sich ein Schlupfloch suchen oder einfach durchgehen. Den genauen Wortlaut konnte Herrmann nicht wiedergeben.

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Der Attentäter von Ansbach war nach Angaben des Islamischen Staates (IS) schon seit mehreren Jahren Mitglied des Terrornetzwerkes. In der aktuellen Ausgabe eines wöchentlichen Rundschreibens veröffentlichte der IS einen Nachruf und den mutmaßlichen Lebenslauf des Syrers, der sich in der Nähe eines Musikfestivals im bayerischen Ansbach in die Luft gesprengt hatte.

Die aktuelle Ausgabe wurde am Mittwoch in verschiedenen Netzwerken im Internet verbreitet, über die üblicherweise die Propaganda des IS geteilt wird. Die Echtheit der Angaben konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Wie in dem Nachruf steht, soll sich der Syrer schon früh der Vorgänger-Organisation des IS im Irak angeschlossen haben. Nach Beginn der Aufstände in Syrien sei er in seine Heimat zurückgekehrt und habe „als einer der ersten Kämpfer gegen das Regime“ in Aleppo eine kleine Gruppe gegründet, die auf den Bau von Granaten und Bomben spezialisiert gewesen sei. Wegen einer Verwundung habe er Syrien verlassen und sich später zu einer Aktion in Deutschland entschlossen.

Mit IS-Soldaten in Kontakt

Die Traumatherapie des Selbstmordattentäters ist monatelang unterbrochen gewesen. Sie sei im Januar 2016 zunächst beendet und erst vor wenigen Wochen fortgesetzt worden, sagte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) am Donnerstag in Gmund am Tegernsee. Der Antrag auf Fortsetzung sei erst zehn Tage nach dem vorläufigen Ende zu Jahresbeginn gestellt worden. Das Sozialamt Ansbach habe die Fortsetzung der Therapie unmittelbar nach Eingang eines notwendigen Gutachtens genehmigt. „Allerdings hat sich dieses Gutachten enorm herausgezögert“, sagte Müller. Einen Grund dafür konnte sie nicht nennen.

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Der 27 Jahre alte Flüchtling aus Syrien war am Sonntag bei der Explosion einer Bombe in seinem Rucksack gestorben. Bekannt war schon, dass er mehrfach in psychiatrischer Behandlung war. Er soll auch zweimal versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

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