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Bayern
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Integration

Asylpreisträger mit klarer Botschaft

Zwei ausgezeichnete Projekte zeigen, wie die Integration von Flüchtlingen in Bayern funktionieren kann.
Von Christine Schröpf, MZ

Integrationspreisträger 2016: Asim Mawed, neun Jahre, der mit seinem Onkel aus Syrien floh, und Claudio Cumani vom Integrationsbeirat Garching. Foto: dpa

München.Der Club 402 der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg hält den mit 2000 Euro dotierten Asylpreis des bayerischen Integrationsbeauftragten für beispielhafte Bemühungen um Migrantenfamilien noch nicht in Händen, da nutzt Bernd Moser schon die Chance auf Schwachpunkte einer zu harten Asylpolitik im Bund und im Freistaat hinzuweisen. Er erzählt von Amir, einem jungen Afghanen, der im September eine Ausbildung beginnen wollte, aber vorher ausreisen sollte. „Jetzt liegt er nach einem Suizidversuch im Krankenhaus.“ Er berichtet vom neunjährigen Asim, der mit seinem Onkel vor neun Monaten aus Syrien kam – die Eltern und die vier Geschwister sind noch dort, der Vater leidet unter den Folgen einer Schussverletzung. Die Verschärfungen beim Familiennachzug führten dazu, dass der Junge seine Eltern wohl noch wenigsten eineinhalb Jahre lang nicht wiedersehe, sagt Moser am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Landtag. „Die Hürden, die Flüchtlinge überspringen müssen, sind manchmal ganz schön hoch.“

Der Wert der Leuchttürme

Landtagspräsidentin Barbara Stamm und der bayerische Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer hören aufmerksam zu. Die beiden haben vor fünf Jahren vorangetrieben, dass herausragende Integrationsarbeit gewürdigt wird. Erst wurde der Integrationspreis geschaffen – seit 2013 ist hier auch das Sozialministerium mit im Boot. Seit drei Jahren vergibt Neumeyer zusätzlich den Asylpreis. „Es braucht Leuchttürme“, sagt der CSU-Politiker Neumeyer, der in der Asylpolitik schon öfters gegen Widerstände in der eigenen Partei zu kämpfen hatte. Die kleinen Trophäen, die es am Abend beim Festakt im Landtag für die diesjährigen Preisträger gibt, haben für ihn Symbolcharakter. Löwen aus Plexiglas, die bayerische Landkarte in den Tatzen, mit Rauten nicht nur in weiß-blau, sondern in vielen bunten Farben. Stamm rückt die Bedeutung einer gelungenen Integration in den Vordergrund. „Das ist die Botschaft nach außen.“ Es dürfe nicht sein, dass die politischen Kräfte am Rand, ob rechts oder links, immer stärkeren Zuwachs bekommen. Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger verweist auf den Wert des großen ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingsarbeit. „Wir brauchen Sie. Die Politik alleine kann nur den einen oder anderen wichtigen Impuls geben.“

„Es ist nicht schwierig, es ist einfach, miteinander zu reden und zu leben.“ Claudio Cumani vom Integrationsbeirat Garching

Eine unabhängige Jury hat die Preisträger 2016 ausgewählt. Geehrt wird in diesem Jahr neben dem Club 402 der Integrationsbeirat der Stadt Garching. Er erhält den ebenfalls mit 2000 Euro dotierten Integrationspreis für ein Konzept, das Flüchtlinge bei Ausflügen in die Natur mit der neuen Heimat vertraut macht. Bund Naturschutz und der Alpenverein machen mit. Es startete 2012 mit einem Ausflug an den Schliersee, sagt Claudio Cumani. Es folgten Exkursionen mit Experten, bei denen die Asylbewerber historische Orte Bayerns kennenlernten, aber auch heimische Pflanzen und Tiere. „Die Idee ist, Menschen nicht in einem Zimmer zusammenzubringen, sondern beim Wandern und Reisen.“ Cumani hat eine Botschaft an Bedenkenträger in der Gesellschaft. „Es ist nicht schwierig, es ist einfach, miteinander zu reden und zu leben.“

Inas Zeidan (31), engagiert sich ebenfalls im Integrationsbeirat. Sie hat libysche Wurzeln, lebt seit 1987 in Deutschland, davor zehn Jahre lang in Kanada. „Ich weiß, wie schwer es fällt, sich zu integrieren.“ Der Druck, sich möglichst stark anzugleichen, sei in Kanada geringer, sagt sie. Dort verstehe man die Gesellschaft zwar nicht als „Melting Pot“, also als Schmelztiegel, aber als Mosaik. Zeidan hat einen Definitionsvorschlag zur speziell von der CSU postulierten deutschen Leitkultur – um eine Brücke zu Migranten zu schlagen: „Deutschen Normen und Gesetzen treu bleiben, aber die eigene Kultur einbringen.“

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