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Bayern
Sonntag, 19. November 2017 7

Kommentar

Auf dem Holzweg

Ein Kommentar von Marianne Sperb, MZ

Wilde Natur ist was Wunderbares. Aber wer durch unberührte Wälder spaziert und denkt, nur hier könnte die Vielfalt den idealen Boden finden, ist auf einem Holzweg.

Was die Debatte ausklammert: Vogel- und Pflanzenwelt bleiben im wilden Wald vergleichsweise monoton – und entwickeln sich prachtvoll auf intensiv bewirtschafteten Forstflächen. Das belegen Studien im Auftrag des Vereins Game Conservancy Deutschland, die im September bei Fürst zu Oettingen-Spielberg präsentiert wurden. Im Abstand von 25 Jahren verglichen Wissenschaftler um Gerhard Hofmann vom Waldkunde-Institut Eberswalde Flora und Avifauna (Vogelwelt) im Forst, auf der Datenbasis des legendären saarländischen Biologen und Biogeographen Paul Müller.

Die Langzeit-Untersuchung zeigt: Forstwirtschaftliche Eingriffe sind fruchtbare Störungen, die die schlafende Samenbank im Waldboden wecken. Ein Beispiel: Entlang neuer Wege für die Forstwirtschaft kommen sonnenliebende Pflanzen ans Licht, die dort zuvor nicht belegt waren.

In wilden Wäldern finden sich 300 bis 350 Pflanzenarten. Im untersuchten bewirtschafteten Waldgebiet dagegen stieg die Zahl der Pflanzenarten innerhalb von 25 Jahren von 402 auf 434, und auch die Avifauna gedieh erstaunlich. Die Zahl der Vogelarten kletterte von 67 auf 76. Fischadler, Schwarzstorch, Wendehals und Grauer Specht etwa zogen zu.

Natürlich hängt Biodiversität von vielen Faktoren ab. Das Thema ist differenziert. Gerade deshalb verdient die Debatte um wilde Wälder, alle verfügbaren Daten zu betrachten.

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