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Donnerstag, 25. August 2016 31° 1

Energie

Bayern drängt auf neue Biogas-Förderung

Die Länderkammer fordert die Regierung auf, den „Tod der Biogasbranche“ zu verhindern. Der Vorstoß erntet auch Kritik.
Von Reinhard Zweigler, MZ

Ein Vorteil von Biogas ist, dass die gewonnene Energie gespeichert werden kann. Foto: dpa

Berlin.Biogasanlagen sollen in Deutschland weiterhin staatlich gefördert werden. Das hat die Länderkammer am Freitag nach einem gemeinsamen Antrag der Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen beschlossen. „Der Bundesrat setzt damit ein deutliches Signal: Die Bioenergie muss im Energiemix der Zukunft eine zentrale Rolle spielen“, sagte Bayerns Minister für Bundesangelegenheiten, Marcel Huber (CSU), der MZ. Die Bundesregierung wird damit aufgefordert, „rechtzeitig vor dem Jahr 2020“, in dem die Förderung dieser erneuerbaren Energie auslaufen soll, für einen verlässlichen Förderrahmen zu sorgen.

Unsichere Perspektive

Wegen der unsicheren Perspektive haben viele Biogasbauern von Neuinvestitionen abgesehen. Die Landwirtschaftsminister der Länder warnten kürzlich gar vor einem „Tod der Biogasbranche“. Zahlreiche Betriebe, die auf Biogas setzen, profitieren von der garantierten Einspeisevergütung, die es seit dem Jahr 2000 gibt. Dank des bezuschussten Stroms aus Biogas ist viel Geld in den Freistaat geflossen. Hier stehen mehr Biogasanlagen als in jedem anderen Bundesland. In fünf Jahren jedoch soll dieser Zuschuss wegfallen. Danach müssten Biogasbauern den Betrieb einstellen, denn am freien Strommarkt, wo derzeit drei Cent je Kilowattstunde erzielt werden, können Biogasanlagen nicht bestehen, beklagt etwa der Biogasbauer Josef Forstner aus Gailsbach südlich von Regensburg. Er hatte 2003 im Zuge der BSE-Krise mit der Bullemast aufgehört und Schritt für Schritt die Biogasanlage erweitert. Sie wird jetzt mit 60 Prozent nachwachsenden Rohstoffen, vor allem Mais und Gras, sowie mit 40 Prozent Nebenprodukten gefahren, also etwa aussortierten Kartoffeln, Zwiebeln, Schälabfällen und Getreideausputz.

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Strom aus Biogasanlagen ist allerdings deutlich teurer als der aus Windkraft- und Solaranlagen. Dies war auch der Grund, dass Bioenergie bei der Novelle des Energie-Einspeisegesetzes (EEG) gestrichen wurde. Huber pochte am Freitag auf bayerische Interessen: „Bei der anstehenden Novelle des EEG muss die Erfolgsgeschichte der Bioenergie fortgeschrieben werden. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug“, meinte er nach dem Abstimmungserfolg in der Länderkammer. Ein Vorteil von Biogas ist nämlich, dass es gespeichert werden kann. So können die Anlagen Strom liefern, wenn er knapp ist, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint. Die Entschließung der Länderkammer fordert eine angemessene Vergütung sowohl für bestehende als auch für Neuanlagen.

Zu knapper Förderzeitraum

Um, wie von der Bundesregierung beabsichtigt, in die Direktvermarktung des Stroms sowie in die Flexibilisierung der Biogasanlagen einsteigen zu können, sind aber weitere Investionen notwendig – in größere Gasspeicher, Transformatoren oder zusätzliche Blockheizkraftwerke, heißt es von Seiten der Biogasbauern. Solange jedoch der sichere Förderzeitraum nur noch knapp fünf Jahre betrage, werde nicht investiert.

Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte indes vor einer weiteren „Vermaisung“ der Landschaft. Bereits bestehende Biogasanlagen, die etwa auch Wärme an Haushalte und Unternehmen lieferten, sollten dagegen weiterhin gefördert werden, meinte der Grüne. Auch er hat den bayerischen Antrag unterstützt.

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