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Kultur

Bayerns Mythos mit Drache und Königsuhr

Das Museum der Bayerischen Geschichte lag gut im Zeitplan. Nun könnte das Feuer in der Bavariathek alles verzögern.
von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Das Museum der Bayerischen Geschichte von oben: Die unterschiedlichen Höhen des Daches und der „Himmel der Bayern“ sind bereits erkennbar. Ende des Jahres soll auch die Fassade freiliegen. Dennoch wird sich die Eröffnung verzögern.Foto: Lex

Regensburg.Die goldene Taschenuhr zeigt 18.53 Uhr. Stehengeblieben ist sie am 13. Juni 1886. Es ist die Todesstunde von Märchenkönig Ludwig II. und eines der wenigen Exponate, die von diesem geschichtsträchtigen Tag erhalten geblieben sind. Die Taschenuhr wird künftig im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu sehen sein – auf einer von insgesamt 30 Bühnen, die die Geschichte Bayerns in den vergangenen 200 Jahren erzählen werden.

Am Montag gewährten Kultusminister Ludwig Spaenle und Richard Loibl, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, erstmals tiefere Einblicke in das künftige Innenleben des 67,3 Millionen Euro teuren Museumsbaus am Regensburger Donaumarkt. „Das Museum in Regensburg wird ein Edelstein in der bayerischen Museumslandschaft werden und die kulturelle Schatztruhe der staatlichen Museen bereichern“, betonte Spaenle bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms in München.

Die Eröffnung anlässlich 200 Jahre Verfassungskultur und 100 Jahre Freistaat Bayern wird in zwei Teilen stattfinden – am 9. und 10. Juni 2018 mit einem großen Fest am Regensburger Donaumarkt, wo erstmals das Foyer des Museums geöffnet wird und im November mit der Eröffnung der Dauerausstellung. Doch nun könnte der vorsätzlich gelegte Brand in der Bavariathek vor knapp zwei Wochen diesen Plan zunichte machen. „Wir können noch immer nicht genau sagen, wie sich der Brand auf unseren Zeitplan auswirken wird“, sagte Loibl

2018 ist kaum haltbar

Die Eröffnung sei jetzt mit einem Fragezeichen versehen. Die Bavariathek, so viel steht schon fest, muss bis in den Rohbauzustand zurückversetzt werden. Möglicherweise müssen auch Fassade und Fenster zurückgebaut und erneuert werden, führt Loibl die immensen Schäden aus. Er spricht schon jetzt von einem „mittleren bis hohen Millionenbetrag“, der zum Wiederaufbau des Gebäudes aufgebracht werden muss.

Kultusminister Ludwig Spaenle Foto: dpa

Da die Bavariathek über die Heizung- und Lüftungsanlage mit dem Museum verbunden ist, konnten die hochgiftigen Rauchgase auch in den angrenzenden Bau dringen. Wie gravierend die Schäden im Museumsbau sein werden, das werde sich wohl erst in den kommenden Wochen abzeichnen, sagte Direktor Loibl. „Es sei entscheidend, ob es gelinge, die Giftstoffe aus dem Museumsgebäude zu filtern. Rauchgase, die in den Wänden verbleiben, könnten sonst später auf die Exponate übergreifen. Von diesen Umständen hänge nun auch ab, ob der Eröffnungstermin im November 2018 noch irgendwie haltbar sei.

Viel Hoffnung hat Loibl aber wohl nicht: „Wir waren unterwegs auf Weltrekordversuch, der Zeitplan war von Anfang an sehr knapp bemessen. Das jetzt so etwas passiert, das ist schon bitter. Vor allem auch deshalb, weil sich die Bauarbeiter so ins Zeug gelegt haben.“

Löwe, Drache und Jim Knopf

Spaenle berichtete, dass er noch am Tag vor dem Brand die Baustelle besichtigt habe: „Was ich immer mache, wenn ich Termine in Regensburg habe.“ Inzwischen kann man erahnen, welche Wirkung das Gebäude auf dem Donaumarkt haben wird. Noch in diesem Jahr soll die Fassade fertiggestellt werden. Im Inneren entsteht das lichtdurchflutete Foyer, das durch ein rautenförmiges Glasdach den Blick hoch zum „Himmel der Bayern“ ermöglichen wird. Die sogenannten Domfenster am Georgenplatz öffnen den Blick auf das Wahrzeichen der Stadt.

Das Foyer wird allen Besuchern offenstehen und auch als Durchgang zwischen Altstadt und Uferpromenade an der Donau dienen. Im Erdgeschoss werden eine typisch bayerische Wirtschaft, ein Souvenirladen und das sogenannte 360-Grad-Panorama untergebracht.

Die Medienschau wird ebenfalls frei zugänglich sein. Sie erzählt laut Loibl die bayerische Geschichte von 100 bis 1800 „in fünf launigen Episoden“ und verknüpft sie mit zentralen historischen Stätten in Regensburg. „Angefangen beim Römerlager und der Figur Marc Aurel.“ Der Kabarettist Christof Süß wird in die Rollen schlüpfen, verriet Loibl. Die Multimediashow soll „Appetit“ machen auf die Dauerausstellung im Obergeschoss, die anhand von persönlichen Objekten, vielen Medien- und Mitmachstationen erklärt, wie das moderne Bayern entstand und was den Freistaat so besonders macht. Für die Dauerausstellung wird der Eintritt fünf Euro betragen.

Richard Loibl Foto: dpa

Vorgestellt wurde auch das neue Erscheinungsbild für das Museum und das Haus der Bayerischen Geschichte. Das B in Frakturschrift bildet den Rahmen für den bayerischen Löwen. Er wird flankiert vom Fluchtballon aus Naila, Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste und dem Further Drachen, der frech nach dem Schwanz des Löwen schnappt. Das älteste Volksschauspiel Deutschlands wird auch im Museum einen bedeutenden Part spielen – in einem der acht Kulturkabinette. Wie Richard Loibl verriet, wird der neue Hightech-Drache, der jedes Jahr in Furth im Wald auftritt, für die Ausstellung noch einmal nachkonstruiert. Allerdings wird er nicht wie das Original laufen und Rauch fauchen können. „Schon allein wegen der Brandschutzrichtlinien nicht.“

Der Ballon, mit dem 1979 einer Familie die Flucht aus der DDR nach Bayern gelang, steht symbolisch für die Zeit der Trennung Deutschlands und des Eisernen Vorhangs. Der selbstgenähte Fluchtballon wird derzeit restauriert und kommt zunächst wohl für drei Jahre ins Museum nach Regensburg. Jim Knopf seht für das Thema Integration, was ebenfalls einen breiten Raum im inhaltlichen Konzept einnehmen wird. Insgesamt wird auf 30 Bühnen und in acht Kulturkabinetten die Geschichte des Freistaates über neun Generationen hinweg erzählt. Die inhaltlichen Arbeiten seien abgeschlossen, inzwischen werde am Gestaltungskonzept gearbeitet, erklärt Loibl.

Das Museum der Bayerischen Geschichte von oben

Rund 1500 persönliche Erinnerungsstücke wurden dem Museum von Bürgern übergeben. Am Montag wurde bekannt, dass die frühere Münchner Wiesnchefin Gabriele Weishäupl eines ihrer Dirndl und das Charivari stiften wird. Weißhäupl hatte durch ihren Bekleidungsstil maßgeblichen dazu beigetragen, dass sich junge Leute heute wieder gerne in Tracht zeigen. Auch ein Beispiel für das Kernthema der Ausstellung – die Frage, wie Bayern zu dem wurde, was es heute ist.

Eine große Bühne wird auch dem Kampf gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf eingeräumt. Auch hier wurden Erinnerungsstücke aus dem Widerstand an das Museum gestiftet. „Damit erzählen wir neben den großen Geschichten auch die vielen kleinen“, sagt Loibl. Mit dem Museum in Regensburg werde das Aufgabengebiet des Hauses der Bayerischen Geschichte um ein festes Haus erweitert. „Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten.“ Loibl verspricht eine hochmoderne Inszenierung des Geschichtspanoramas Bayern, das durch Sonderausstellungen und Programmangebote ergänzt werde. Die Bavariathek werde das Museum digital und medienpädagogisch begleiten.

Der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte hatte sich in der Vergangenheit auch viel Kritik anhören müssen. So wurde vor wenigen Monaten im Wissenschaftsausschuss des Landtags von Abgeordneten moniert, dass im Museum zuviel Altbayern und zu wenig Franken, zuviel CSU und zu wenig SPD enthalten sei. Auch die Sammelaktionen bei den Bürgern wurden von manchen als Gerümpelaktionen abgetan. Ihnen hatte Loibl entgegnet: „Das ist Geschichte von unten. Wer das Gerümpel nennt, hat nicht alle Tassen im Schrank.“

Sehen Sie hier eine Chronologie zum Bau des Museums am Regensburger Donaumarkt:

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