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Bayern
Sonntag, 26. März 2017 13° 3

Bildungspolitik

Bayerns Schüler sind sich uneins

Sie wollen nicht mehr „Klappe halten und funktionieren“: Schüler schwänzen Unterricht, um in München für ihre Anliegen zu protestieren. Darf man das?
Von Bettina Mehltretter, MZ

„Realschüler sind Egalschüler!“, schreit diese Münchnerin in ihr Megafon. Foto: Screenshot/YouTube

München.Das Mädchen kämpft um Aufmerksamkeit. „Realschüler sind Egalschüler!“, plärrt sie in ihr Megafon. „In Wahrheit ist unser Abschluss doch gar nichts mehr wert!“ Die Autofahrer auf der Straße in München, auf der sie läuft, beobachten sie irritiert. Anders fallen die Reaktionen im Netz aus: Mehr als 50 000 Menschen haben den Film mit ihrer Botschaft inzwischen auf YouTube gesehen. Und viele loben die klaren Worte, die die Kampagne „Wir sind viele.“ im Jahr der Landtagswahl sammelt.

Am Mittwoch, so hofft Projektleiterin Luise Baar von der Stiftung „Gesellschaft macht Schule“, soll die Kampagne einen neuen Höhepunkt erreichen: Um 10.30 Uhr sollen sich rund 500 Schüler aus Bayern, vor allem aus München, zu einer Kundgebung am Stachus treffen und bis zum Odeonsplatz ziehen. Damit will sich die Kampagne ein offenes Ohr jenseits der Sozialen Netzwerke verschaffen. „Die Probleme der Schüler dürfen nicht im Privaten bleiben“, sagt Baar.

Ärger mit dem Landesschülerrat

Doch jetzt fahren die Landesschülersprecher den Verantwortlichen der Kampagne in die Parade: Timo Greger, Sprecher des Landesschülerrats, der dem Kultusministerium nahe steht, schreibt an die Presse, dass sein Gremium keinesfalls mit dem Protest in Verbindung gebracht werden wolle. Denn es sei moralisch fragwürdig, mit einem Konzert einer Münchner Band bei der Kundgebung zum Schuleschwänzen zu locken und Schüler so für politische Forderungen zu instrumentalisieren. Landesschülersprecher Jonas Rester aus Schwandorf stößt ins gleiche Horn: „Es sollte zu den guten Tugenden eines Demokraten gehören, sich im rechtlichen Rahmen zu bewegen.“

Kampagnenleiterin Luise Baar und Julian Fick, der Vorsitzende der unabhängigen LandesschülerInnenvereinigung, schütteln ob dieser Vorwürfe nur den Kopf. „,Wir sind viele.‘ bietet den Schülern eine Plattform für Partizipation, für gelebten Sozialkundeunterricht“, betont Elftklässler Fick. Und Baar erklärt: „Das ist keine ,Chiller-Aktion‘“. Die Initiative fordert, dass Schüler in der Politik eine stärkere Stimme bekommen – auch über die der Schülermitverantwortungen (SMV) hinaus. Deshalb würde Luise Baar am liebsten auch den zurzeit etwas querulanten Landesschülerrat einbeziehen.

Ob „Wir sind viele.“ in München am Mittwoch tatsächlich die 500-Demonstranten-Marke knackt, ist unklar. Zwar hätten sich schon knapp 300 Schüler auf Facebook für die Demonstration angemeldet. Ein Großteil der Schuldirektoren erlaube den Schülern aber selbst kurz vor den Sommerferien nicht, ihre Meinung bei der Protestaktion zu vertreten, weiß Baar. Etliche Schüler hätten sogar Angst vor Verweisen.

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