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Verdacht

Betrugsermittlungen gegen die Triple A

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat die insolvente Abensberger Vermögensverwaltung im Visier. Mehrere Anleger aus der Region fürchten um Millionen.
Von Christine Strasser, MZ

Abensberg.140 Insolvenzbekanntmachungen des Amtsgerichtes Regensburg gibt das Justizportal für den Februar 2014 aus. Einer Meldung sieht man die Brisanz auf den ersten Blick nicht an, aber dahinter könnte ein Betrug in Millionenhöhe stecken. Am 17. Februar wurde das Insolvenzverfahren gegen die Triple A Vermögensverwaltung AG aus Abensberg eröffnet. Als Geschäftsfeld der Aktiengesellschaft wird die Vermittlung von Kapitalanlagen angegeben. Am Freitag bestätigt Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl, dass gegen das Unternehmen wegen gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt wird. Die Ermittlungen könnten aber noch lange dauern, fügt er hinzu.

Ende November 2013 teilt ein Regensburger Unternehmer der MZ mit, dass Strafanzeige wegen des Verdachts auf Betrug, Unterschlagung, Urkundenfälschung und Insolvenzverschleppung gegen den Vorstand der Triple A gestellt wurde. Zwei Regensburger Kunden sollen herausgefunden haben, dass beim Abschluss sogenannter Factoringverträge falsche Tatsachen vorgespielt wurden. Die den Verträgen zugrundeliegende Geschäftsbeziehung zu einem mittelständischen Unternehmen, ebenfalls aus Abensberg, soll es nicht gegeben haben.

Fünf Millionen investiert

Der Regensburger Unternehmer ist einer der Kunden, die Ende Oktober 2013 Anzeige erstattet haben. Die Anzeige wegen Unterschlagung begründe sich auf Veruntreuung von Geldern von Kunden. Der Unternehmer schildert, dass die Gelder laut der geschlossenen Verträge auf ein Notaranderkonto für ein Immobiliengeschäft hätten weitergeleitet werden müssen. Dies sei jedoch nicht geschehen. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Auf Nachfrage gibt er an, dass er einen sechsstelligen Betrag investiert hat. Über eine Sammelmail habe er Kontakt zu anderen Anlegern bei der Triple A geknüpft. Hochgerechnet sollen diese Kunden insgesamt mindestens fünf Millionen Euro investiert haben, sagt er.

Die Kriminalpolizei Landshut will zu diesem Zeitpunkt über Ermittlungen keine Auskunft geben. Auch seitens der Staatsanwaltschaft gibt es „ausdrücklich“ keine Bestätigung. Bei der Triple A ist für eine Stellungnahme telefonisch niemand zu erreichen. Auf eine E-Mail kommt eine standardisierte Abwesenheitsnotiz als Antwort. Sie besagt, dass der Vorstand erkrankt und daher nicht im Haus sei.

Um seine Aussagen zu untermauern, legt der Unternehmer zwei Verträge vor, die allem Anschein nach bei der Triple A abgeschlossen wurden. Der erste ist ein Factoringvertrag. Beim Factoring verkauft ein Unternehmen Forderungen an einen Finanzdienstleister (Factor). Kunden der Triple A sollen als Investoren aufgetreten sein und laut Vertrag einem mittelständischen Unternehmen aus Abensberg eine Factoringsumme als Vorfinanzierung zur Verfügung gestellt haben. Gemäß dem Vertrag soll der Regensburger Unternehmer 15000 Euro für einen Zeitraum von zwei Monaten zur Verfügung gestellt haben. Als Verzinsung soll ihm ein Einmalbetrag in Höhe von 900 Euro versprochen worden sein. Der Unternehmer sagt, dass anfänglich mit derlei Verträgen alles glatt gelaufen sei. Das Geld sei wie vereinbart gezahlt worden. Dann, im Herbst 2013, habe er sein Geld nicht mehr zurückbekommen.

In dem zweiten Vertrag geht es um eine Zwischenfinanzierungsvereinbarung für ein Immobiliengeschäft in München. Der Vorstand der Triple A – eine Frau, die auch als Maklerin tätig gewesen sei soll – gab den Informationen des Regensburger Unternehmers zufolge an, dass sie einen Energieberater kenne, der wiederum Kontakt zu einer Erbengemeinschaft habe, die ein Wohn- und Geschäftshaus für einen vorgegebenen Kaufpreis von 50 Millionen Euro veräußern wolle. Bei einer positiven Vermittlung an einen Schweizer Investor wäre für die Triple-A Vermögensverwaltung AG angeblich eine Vermittlungsprovision von drei Prozent möglich gewesen. Gegen eine Provisionszahlung in Höhe von 500000 Euro soll der Energieberater bereit gewesen sein, dem Vorstand der Triple A einen Makleralleinauftrag zu vermitteln. 300000 Euro konnte der Vorstand der Triple A dem Unternehmer zufolge selbst aufbringen. Zur Zwischenfinanzierung habe sie nach Darlehensgebern für die fehlenden 200000 Euro gesucht. Laut Vertrag stellte der Unternehmer eine Darlehenssumme von 60000 Euro zur Verfügung. Als Gewinnanteil sollen ihm 30000 Euro versprochen worden sein.

Bei einer erneuten Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft gibt es wieder keinerlei Bestätigung. Bei einem weiteren Stellungnahmeversuch am privaten Telefonanschluss des Vorstands der Triple A, meldet sich der Ehemann. Er sagt, dass seine Frau keine Auskunft geben dürfe, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Der Geschäftsführer des in den Factoringverträgen genannten mittelständischen Unternehmens beteuert, dass es „Nullkommanull Geschäftsbeziehungen“ zwischen den Firmen gebe. Er habe erst durch den Anruf eines Betroffenen erfahren, dass die Firma in den Verträgen erwähnt werde. Der Energieberater, der in dem zweiten Vertrag auftaucht, den der Regensburger Unternehmer vorgelegt hat, erklärt auf MZ-Nachfrage, dass auch er erst durch einen Anruf erfahren habe, dass sein Name dort steht.

Der Rechtsanwalt des Triple-A-Vorstands meldet sich auf MZ-Anfrage. Es ist Anfang Dezember. Er macht den Vorschlag, ihm Fragen zum Fall zukommen zu lassen. Die MZ schickt ihm einen Katalog mit 14 Fragen. Danach gibt es keine Reaktion mehr.

Vertrauensverhältnis aufgebaut

Mitte Dezember ruft ein Rechtsanwalt zurück, der mehrere Anleger der Triple A vertritt. Er sagt, dass die Triple A verschiedenste Vermögensanlagen gebildet und einen relativ großen Kundenstamm gehabt haben soll. Aus der Vermittlung und Verwaltung von Immobilien soll ein Vertrauensverhältnis entstanden sein. Der Vorstand soll Gast auf Familienfeiern einiger Kunden gewesen sein. Er, so der Anwalt, gehe schonungslos mit seinen Mandanten um, die offenbar blind Verträge abgeschlossen haben. Er habe Verträge gesehen, in denen für Geldanlagen über einen Zeitraum zwischen vier und sechs Wochen 30 Prozent Zinsen versprochen worden seien.

Der Rechtsanwalt fügt hinzu, dass er Mandanten vertrete, die zum Teil nicht wüssten, ob sie tatsächlich Geld bei der Triple A angelegt haben. Er nennt das Beispiel eines Mandanten, der sich nicht mehr sicher sei, ob er 15000 Euro angelegt habe. Er erzählt außerdem, dass einige Kunden das Geld bar bei der Triple A einbezahlt haben sollen. Warum? Weil es gar nicht auftauchen sollte. Es gebe bei uns „einen größeren Bereich an Schattenwirtschaft als man sich vorstellen könne“, sagt der Anwalt.

Eine weitere Betroffene meldet sich Mitte Februar 2014. Auch sie möchte anonym bleiben. Sie sagt, dass noch nicht einmal ihre Familie von „ihrem Unglück“ wisse. Außerdem erläutert sie, dass sie in einem großen Regensburger Unternehmen in leitender Funktion tätig sei. Sie fürchte, dass ihr nicht mehr vertraut würde, sollte bekanntwerden, dass sie ihr Geld verloren habe. Den Ausführungen zufolge soll sie es gewesen sein, die den mutmaßlichen Betrug „aufgedeckt“ hat. Danach habe sie mehrere Tage unter Polizeischutz gestanden. Nach Prozessbeginn sei sie gerne bereit, mehr zu erzählen – weiter anonym.

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