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Bayern
Montag, 11. Dezember 2017 3

Badeorte

Boarden, Baden, Dauercampen

Seit 1968 gibt es die Wasserskianlage am Friedenhain-See. Sie ist beliebt – auch wenn viele Besucher nicht ihretwegen kommen.
von Sofia Haimerl und Maximilian Stoib, MZ

Der Friedenhain-See wird nicht nur von Wassersportlern besucht, zur Anlage gehört auch ein eigener Campingplatz. Foto: Haimerl

Parkstetten.Ein kleiner Junge steht an der Startrampe des Wasserskilifts und wartete darauf, dass es endlich losgeht. Er ist höchsten zehn, die Wasserskier an seinen Füßen sind fast genauso groß wie er. Hinter ihm stehen drei andere Kinder im gleichen Alter, sie tuscheln miteinander und kichern. Sie hoffen wohl, dass ihm der Start misslingt und er im Wasser landet. Der Vater des Jungen steht auf einem Steg und filmt das Ganze mit dem Handy.

Wasserski auf 1,2 Kilometern

Die Szene spielt sich am Nordufer des Friedenhain-Sees in Parkstetten im Landkreis Straubing-Bogen ab. Man erreicht die Freizeitanlage, zu der der Lift gehört, bequem über die A 3. Von Regensburg aus ist sie mit dem Auto etwa eine halbe Stunde entfernt. Zur Anlage gehört nicht nur der 1,2 Kilometer lange Wasserski- und Wakeboardlift, sondern auch ein große Liegewiese, ein Restaurant mit Biergarten und ein Campingplatz direkt am Wasser.

„Hier rührt sich halt doch ein bisschen was“

Susanne, Besucherin am Friedenhain-See

Viele Besucher kommen zum Friedenhain-See, weil sich immer etwas rührt. Foto: Haimerl

Christian Pfeilschifter ist der Geschäftsführer der Freizeitanlage. Er sitzt in einem kleinen Führerhaus am Steuer der Lifts, seit 32 Jahren schon. Früher ist er selbst viel Wasserski gefahren, erzählt er, heute reicht ihm das Zuschauen.

Der kleine Junge bekommt gerade den Bügel in die Hand gereicht, Pfeilschifter schaut von seinem Führerhäuschen auf ihn hinunter. Der Junge greift nach der Halterung, das Seil des Lifts spannt sich, ruckartig wird er auf den See hinausgezogen. – Die anderen Kinder verstummen plötzlich, er hat den schwierigen Start geschafft und rauscht über das Wasser.

Bei seinen Besuchern ist der Lift äußerst beliebt, auch wenn die gesamte Anlage schon knapp 50 Jahre auf dem Buckel hat: „Es ist jedes mal wieder schön“, sagt Benjamin, der seit 16 Jahren jeden Sommer aus Österreich zum Wakeboarden hierher kommt.

„Das einzige, was uns noch fehlt, sind die Mädels.“

Edian, Angestellter im Surferladen am Friedenhain-See.

Nur etwa hundert Meter vom Lift entfernt, direkt hinter einer großen Liegewiese, ist ein kleiner Surferladen. Aus einer Lautsprecherbox vor dem Eingang tönt „Gangsta‘s Paradise“ von Coolio. In der Tür steht Edian, er arbeitet hier schon den vierten Sommer. Wakeboarden ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden, erzählt er, „das Einzige, was uns noch so ein bisschen fehlt, sind die Mädels!“

Aber nicht nur wegen des Lifts fahren die Leute an den Friedenhain-See, viele kommen auch einfach nur zum Baden her. „Hier rührt sich halt doch ein bisschen was“, meint Susanne, sie liegt im Bikini in einem Liegestuhl auf der Wiese. Selbst Wasserski- oder Wakeboardfahren würde sie niemals. Lieber beobachtet sie das Treiben an der Liftanlage aus sicherer Entferung.

Auch vom Biergarten aus, der direkt an die Liegewiese grenzt, hat man noch einen guten Blick auf das Wasser. Auf einem der Tische werden Currywurst und Burger schon kalt, so gebannt schauen die Gäste zum See.

Vom Biergarten aus hat man einen guten Blick auf das Wasser. Foto: Haimerl

Auf dem Campingplatz: nur Ruhe

Vom Ende der Wiese ist Kindergeschrei zu hören. Dort steht eine Wasserrutsche. Sie ist 26 Meter lang und so breit, dass man darauf zu zweit nebeneinander um die Wette rutschen kann.

Ein paar Meter weiter beginnt der Campingplatz, der auch Teil der Anlage am Friedenhain-See ist und vor allem von Dauercampern genutzt wird.

Sobald man ihn betritt, wird es ruhig: Keine Wakeboarder mehr, die sich aufgeregt über ihre Tricks unterhalten, keine Schaulustigen, die neugierig am Ufer stehen und keine Kinder, die auf der Liegewiese fangen spielen. Stattdessen: Ein älteres Paar, das an einem Klapptisch unter ein paar Laubbäumen am See sitzt und Kaffee trinkt. Der Rasen vor ihrem Wohnwagen ist frisch gemäht, Blumenkästen hängen an kleinen Gartenzäunen, das Gebüsch ist akkurat getrimmt.

Der Campingplatz ist ein Ruhepol zwischen all dem Trubel am See. Foto: Haimerl

Ob das Dauercampen denn Spaß macht? Die ältere Frau schaut verdutzt. Was für eine Frage! Sie hält inne, dann antwortet sie: „Wir sind seit 1973 hier und lieben es immer noch!“ Es klingt trotzig. Dann dreht sie sich wieder um und schaut hinaus auf den Friedenhain-See.

Badeplätze in Ostbayern: In unserer Serie stellen wir die schönsten Orte zum Abkühlen an heißen Sommertagen vor.

Ein sommerliches Muss für alle Regensburger ist immer noch ein Tag am „Guggenberger See“.

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