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Oper

Bravorufe für „Nabucco“ in Oberammergau

Wüstensand und eine eindrucksvolle Tempelanlage: Erstmals wird mit Verdis „Nabucco“ in Oberammergau eine Oper inszeniert.
Von Maren Martell, dpa

Evez Abdulla als Nabucco im Passionstheater in Oberammergau: Die Verdi-Oper unter der Regie von C. Stückl wurde zur Premiere mit viel Applaus gefeiert. Foto: dpa

Oberammergau. Oberammergau am Hindukusch, auf dem Sinai oder bei Aleppo in Syrien? Soldaten in Wüstenuniformen, wie man sie aus dem Irak-Krieg kennt, betreten die Tempelanlage auf der riesigen Freilichtbühne, wo sonst alle zehn Jahre das weltberühmte Spiel von Leiden, Sterben und Auferstehung Christi aufgeführt wird. Sie treiben mit Maschinengewehren Menschen vor sich her, Menschen in langen Gewändern, dicken Jacken und Westen. Die Frauen in Kopftücher gehüllt, die Männer mit einer Art Turban versehen. Alle wirken etwas eingestaubt vom Wüstensand. Es könnte auch eine Szene in Afghanistan sein. Nur die Taliban fehlen.

Christian Stückl hat „Nabucco“ in die Gegenwart versetzt. Bei der Inszenierung von Verdis wohl beliebtester Oper hatte der Spielleiter die aktuellen Konflikte im Nahen Osten und den IS-Terror im Blick. Bei hochsommerlichen Temperaturen kam die erste Opernproduktion in Oberammergau beim Publikum sehr gut an. Fast alle der gut 2800 Zuschauer spendeten zur Premiere stehend begeisterten und langanhaltenden Beifall mit vielen Bravorufen.

Laien und Profis auf der Bühne

Balint Szabo (links) als Zaccaria und Virginie Verrez als Fenena in Oberammergau Foto: Sven Hoppe/dpa

Sie goutierten damit auch Stückls Mut, Laien und Profis auf der Bühne zusammenzubringen. So kamen die gut 180 Chorsänger fast ausschließlich aus der Region, aus Oberammergau und Umgebung. Nur die Solisten waren etablierte Sänger. Es spielte die Neue Philharmonie aus München unter dem lettischen Dirigenten Ainars Rubikis mit Musikern und Musikstudenten, die alle zwischen 15 und 25 sind.

Atmosphärisch half sicher auch das Sommerwetter. Denn über dem in warmes Wüstenlicht getauchten Tempel auf der 40 Meter breiten Bühne des Passionstheaters spannte sich ein tiefblauer Abendhimmel. Ein laues Lüftchen erfrischte das erhitzte Premierenpublikum. Sehr gekonnt gelang Stückl die Verzahnung der modernen und fast biblischen Figuren. Kaum kann man sich vorstellen, dass mancher Laiendarsteller sonst als Bäcker im Laden in Garmisch oder als Bauer auf dem Feld in Oberammergau steht, so überzeugend war die Verwandlung.

Viel Dynamik

Balint Szabo als Zaccaria (rechts) und das Ensemble in der Oper „Nabucco“. Foto: Sven Hoppe/dpa

Stückl inszeniert die Choroper über Liebe, Hass, Eifersucht und Wahnsinn mit viel Dynamik und Action. Kaum eine Szene, bei der die Bühne fast leer ist. Ständig sind alle Beteiligten in Bewegung. Da reitet gleich zu Beginn der Babylonierkönig Nabucco zu Pferd auf die Bühne. Fast lächerlich kommt er daher, in einem Kleid gewandet, mit einer überspitzen Goldkrone auf dem Kopf. Der Herrscher wird bei Stückl zur komischen Figur, der bei der Einnahme Jerusalems unter den Hebräern doch Angst und Schrecken verbreitet. Sehr überzeugend Evez Abdulla aus Aserbaidschan als Nabucco. Ebenso wie die russische Sopranistin Irina Rindzuner als Abigaille und Virginie Verrez als Nabuccos Tochter Fenena.

Seit nun zehn Jahren wird das Passionstheater auch zwischen den Passionsspielen für Aufführungen genutzt. „Heuer haben wir uns gesagt, wir trauen uns mal Oper“, sagte Stückl salopp zu Beginn, als er in Jeans und offenem Hemd auf die Bühne vor das Publikum trat. Die Oper habe aus dem Dorf heraus entstehen sollen. Das Experiment ist ihm gelungen.

Die Nabucco-Premiere war Auftakt für den Oberammergauer Kultursommer. Die 1,1 Millionen Euro teure Opernproduktion wird noch fünf weitere Mal aufgeführt. Außerdem wird Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“ sowie der „Brandner Kasper“ gespielt. Und vom 31. Juli bis 1. August wird zum dritten Mal das Heimatsound-Festival veranstaltet.

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