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Bayern
Freitag, 24. November 2017 10° 4

Kommentar

Chaostage bei den Linken

Ein Kommentar von Stefan Vetter, MZ

Zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen – diesen Ruf hat sich die Linkspartei in den letzten Tagen und Wochen hart erarbeitet. Wer das jüngste Hauen und Stechen bei ihr verfolgt hat, kann sich nur mit Grausen abwenden. Sicher, auch bei anderen Parteien rappelt es zuweilen im Karton. Gegen den offenen Hass und die presseöffentlich zur Schau getragene, wechselseitige Verachtung der Partei- und Fraktionsspitzen bei den Linken muten die Begebenheiten in Bayern allerdings wie ein harmloser Heimatfilm an. Ausgerechnet die Linke, der Solidarität und Weltfrieden doch angeblich so viel bedeuten, versinkt regelmäßig in brutalstmöglichen Intrigen. Ein Trauerspiel.

Auf ihrer Klausur in Potsdam haben die Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch den Machtkampf für sich entschieden. Doch ihre Widersacher Katja Kipping und Bernd Riexinger sind auch Teil dieser Fraktion. Und beide sind die Parteivorsitzenden. Da ist es nur eine Frage Zeit, bis die Feindschaften wieder neu aufbrechen. Im Osten ist die Linkspartei bei der Bundestagswahl regelrecht eingebrochen. Bundesweit hat sie 400 000 Wähler an die AfD verloren. Als Protestpartei haben die Rechtspopulisten der Linken jetzt den Rang abgelaufen. Eine neue Kursbestimmung täte also bitter not. Vor allem in der Flüchtlingsfrage, über die Wagenknecht mit großen Teilen der Partei heillos zerstritten ist. In Potsdam wäre dazu schon Gelegenheit gewesen. Doch das Chaos überlagerte alles. So, als hätte die Linke den Schuss nicht gehört.

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