mz_logo

Bayern
Sonntag, 31. Juli 2016 25° 6

Bundeswehr

Das Bombodrom wird wohl dichtgemacht

Das Verteidigungsministerium sieht keinen Bedarf mehr: Der Schießplatz in Siegenburg soll mangels Auslastung in absehbarer Zeit geschlossen werden.

Das Bombodrom aus der Luft Foto: Kahler

Siegenburg. Der umstrittene Luft-Boden-Schießplatz in Siegenburg wird in absehbarer Zeit geschlossen. Das teilte am Samstag ein Sprecher des CSU-Bezirksvorsitzenden in Niederbayern, Manfred Weber, mit. Er berief sich auf den Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt. Dieser habe den CSU-Abgeordneten Weber, Wolfgang Götzer und Martin Neumeyer mitgeteilt: „Die Bundesregierung sieht seitens der Bundeswehr nach der Auflösung des Tornado-Geschwaders auf dem Lechfeld keinen Bedarf und plant, den Übungsplatz mangels Auslastung in absehbarer Zeit zu schließen.“ Auch seitens der US-Luftwaffe gebe es entsprechende Signale.

Der Landrat des Landkreises Kelheim, Dr. Hubert Faltermeier (Freie Wähler), habe, wie er auf Anfrage der MZ sagte, gewusst, dass eine Entscheidung anstehe. Er erwähnte, dass er Kontakt mit dem Verteidigungsministerium und der bayerischen Staatskanzlei gehabt habe. Dr. Faltermeier: „Als Landrat hatte ich für vergangenen Donnerstag einen Termin vereinbart mit Staatssekretär Schmidt vom Verteidigungsministerium, den Abgeordneten und der Bürgerinitiative, wo es um die Auflösung des Bombenabwurfplatzes gehen sollte. Da aber die Entscheidung zur Schließung am Donnerstag noch nicht gefallen war, habe ich mit dem Verteidigungsministerium vereinbart, dass der Termin nach hinten verlegt wird. Die Würfel sind jetzt gefallen und darüber bin ich sehr glücklich.“ Nach Auskunft von Landrat Dr. Faltermeier findet das Gespräch mit dem Staatssekretär, den Abgeordneten und der Bürgerinitiative auf jeden Fall am 27. März im Landratsamt statt. „Schwerpunkt wird vor allem der Schließungszeitpunkt sein. Ich werde auch die Altlastensanierung fordern und Konzepte über die Nachfolgenutzung entwickeln. Dieses ökologisch sehr interessante Gebiet muss der Allgemeinheit und den Bürgern zur Verfügung stehen.“

Anwohner erhielten ein Flugblatt

Die CSU-Abgeordneten sprachen von einem „freudigen Tag für die gesamte Region“.„Seit Beginn meiner Abgeordnetentätigkeit habe ich mich für die Entlastung der Menschen rund um Siegenburg-Range eingesetzt, sagt Bundestagsabgeordneter Dr. Götzer. Nun, kurz vor meinem Ausscheiden aus dem Bundestag, stehen wir unmittelbar vor dem Ziel“, bilanzierte der CSU-Politiker. Siegenburgs Bürgermeister Franz Kiermaier freut sich ebenso über die Schließung. „Wenngleich es noch gilt, die Verhandlungen abzuwarten, freuen wir uns auf eine Schließung und werden uns Gedanken machen, wie mit dem Areal in Zukunft umzugehen ist.“ Kiermaier verweist auf die Bedeutung des Dürnbucher Forstes als wichtigen Grundwasserspeicher für die gesamte Region, so dass nur eine naturnahe Nutzung in Betracht kommen könne.

Damit könne über dem Siegenburger Land Ruhe vor Tieffliegern einkehren. Die Bevölkerung sei mit einem Flugblatt über die Entscheidung in Berlin informiert worden.

Zuvor hatte der Radiosender Charivari über das Aus des „Bombodroms“ im Landkreis Kelheim berichtet. Demnach unterzeichnete Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag eine entsprechende Anordnung.

Der genaue Zeitpunkt der Schließung sei noch unklar, denn es bedürfe noch einiger Abstimmungen mit der US-Luftwaffe und anderen Beteiligten. Die politische Entscheidung sei aber klar. „Man sieht keine weitere Notwendigkeit mehr, am Luft-Boden-Schießplatz festzuhalten“, sagte Schmidt.

Kampf gegen Fluglärm seit 35 Jahren

Seit 35 Jahren hatten die Menschen rund um den Bombenabwurfplatz gegen den Fluglärm gekämpft. CSU-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Martin Neumeyer lobt die Leistung der Bürgerinitiative „Bürger gegen Fluglärm“: „Deren Einsatz mit Informationsveranstaltungen, Demonstrationen und Mandatsträger-Konferenzen hat in den letzten 35 Jahren einen wesentlichen Anteil am nun erreichten Ziel.“ Und Manfred Weber, CSU-Bezirksvorsitzender und Europaabgeordneter aus Wildenberg, ergänzt: „Der entschlossene Einsatz der Betroffenen hat sich gelohnt.“

Dass die Schließung nun unmittelbar bevor steht, können Anwohner kaum fassen. „Ich war als Kind schon in der Schule von dem Fliegerlärm genervt“, erzählt David Dichtl aus Siegenburg. „Auch wenn sich in den letzten Jahren vieles verbessert hat und die Überflüge weniger geworden sind, bin ich erleichtert, dass das Bombodrom ein Ende gefunden hat.“

Auch Benno Kreuzmair aus Willersdorf freut sich, dass in dem Landstrich bald wieder Ruhe und Naturgenuss einkehren kann. „Willersdorf liegt in etwa im Mittelpunkt des Kreisflugs der Jäger, die ihre Schleifen vor dem Luft-Boden-Angriff fliegen. Der Lärm ist ohrenbetäubend und erschreckt die Tiere“, berichtet er.

Der Schießplatz wurde besonders im Zusammenhang mit militärischen Auseinandersetzungen wie in Bosnien oder dem Irak intensiv genutzt. Der von den US-Streitkräften betriebene und vorwiegend von der Bundeswehr genutzte Standort werde wohl wieder Eigentum der Bundesrepublik werden. Damit könne die Nachfolgenutzung mit dem Bund geklärt werden. Es gibt bereits Vorschläge für eine naturnahe Nutzung des Geländes, das als wichtiger Grundwasserspeicher gilt. (eb/dgk/dpa)

Kommentare (0) Regeln Unsere Community Regeln

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht