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Bayern
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Show

Gala: 15 000 Euro für „Mütter in Not“

Am Samstag fand zum zweiten Mal die große Jahresrückblicks-Gala im Velodrom statt. Einige Gäste hatten deutliche Worte.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Viele Köpfe wirkten bei der Gala mit. Am Ende wurde auch der Scheck an den Verein „Mütter in Not“ überreicht. Foto: Lex

Regensburg.Die ehrenamtlichen Helferinnen des Vereins „Mütter in Not“ sind am Ende der Jahresrückblicks-Gala „Menschen, die bewegen“ sprachlos. Neben einem Spendenscheck über 15 000 Euro dürfen sie sich auch über ein nagelneues Dienstfahrzeug freuen. Für das BMW Group Werk Regensburg überreicht Manfred Erlacher im Regensburger Velodrom den Schlüssel für einen BMW 218. Man hätte keinen besseren Spendenzweck für die Erlöse aus der Gala finden können, zeigen sich Martin Wunnike und Manfred Sauerer aus der Geschäftsführung des Mittelbayerische Medienhauses überzeugt. Hier werde Menschen schnell und unbürokratisch in Notsituationen geholfen. „So etwas muss man unterstützen.“ Das Publikum bestätigt das mit langanhaltendem Applaus und Standing Ovations – auch für die Band um Geff Eisenhauer und Sänger Markus Engelstädter.

Einige Gäste fanden deutliche Worte

Die Oberpfalz blickt wieder auf ein spannendes Jahr zurück: Es sind nicht nur die großen Schlagzeilen, die an diesem Abend noch einmal ins Gedächtnis gerufen werden. Die Regensburger Korruptionsaffäre, der Jahn-Aufstieg in die 2. Bundesliga, der Regensburger Sternekoch Anton Schmaus, der nun die deutsche Fußballnationalmannschaft zum Weltmeistertitel kochen will. Das ist allen in Erinnerung geblieben. Doch da sind die vielen weiteren Begebenheiten, die Nachrichten aus den Polizeiberichten, die Prozesse vor Gericht, die Beschlüsse in den Kommunen. Und da sind die Geschichten, die, wie man neudeutsch sagt, viral gingen. Auch die zweite Jahresrückblicks-Gala hat aus dieser Nachrichtenvielfalt eine bunte Mischung gefiltert. Einigen der Gäste entlocken die beiden Moderatoren Marina Gottschalk und Josef Pöllmann, beide MZ, deutliche Worte.

Pizza brachte Schmaus Traumjob

Anton Schmaus will die Nationalmannschaft zum WM-Titel kochen. Foto: Lex

Manchmal muss sich Sternekoch Anton Schmaus kneifen, um sich klar zu machen, dass das, was ihm dieses Jahr passiert ist, auch wirklich Realität ist. Eine Pizza mit Star-Physiotherapeut Klaus Eder brachte dem gebürtigen Niederbayern einen Traumjob, um den ihn wohl viele Köche beneiden: Schmaus ist seit diesem Sommer der Koch der deutschen Fußballnationalmannschaft. Eine Arbeit, die ihm, wie er bei der Jahresrückblicks-Gala betont, großen Spaß mache. „Ich hätte auch nicht nein sagen können, dann hätten alle gesagt, der Schmaus spinnt jetzt und der DFB fragt auch nicht zweimal.“ Also hat Schmaus zugegriffen und verspricht nun ganz provokativ, dass er Jogis Jungs zum Weltmeistertitel führen wird.

„Die essen, was ich koche, zickig ist keiner der Spieler“

Anton Schmaus, Sternekoch

Mit welchen Geheimzutaten, das hat er allerdings nicht verraten. Nur so viel: Jogis Mannschaft ist nicht wählerisch. „Die essen, was ich koche, zickig ist keiner der Spieler.“ Wie es mit seiner Karriere abseits des Fußballfeldes weitergehen wird, das lässt Schmaus am Samstagabend offen. Im Jahr der Weltmeisterschaft wird ihm wohl keine Zeit bleiben, einen zweiten Stern zu erkochen. Grundsätzlich ausschließen will er dieses Ziel aber nicht. „Der Michelin ist ein unergründliches Buch. Wir wollen stetig besser werden und wenn es mit dem zweiten Stern klappen sollte, dann würden wir uns freuen.“

Hier können Sie den kompletten Gala-Abend nochmals in voller Länge sehen.

Eine folgenschwere Entscheidung

Viel Applaus erntete Stefan Hirblinger für seine Aussagen. Foto: Lex

Ungewöhnlich offen spricht Stefan Hirblinger über seine folgenschwere Entscheidung zu Frau und Kind zu stehen. Im Januar wurde seine Tochter geboren. Als ihn die Glückwünsche zur Geburt erreichten, meldete sich auch das Bistum Regensburg bei ihm. Aber nicht, um zu gratulieren, sondern um den Pfarrer und Religionslehrer vom Dienst zu suspendieren, sofern er sich zu Frau und Kind bekennen werde. Hirblinger folgte seinem Herzen. Es sei ein schwieriger Kampf gewesen, sich zwischen Familie und Zölibat zu entscheiden. Er kritisiert im Gespräch mit Josef Pöllmann auch, dass man aus dem Priesterseminar in die „freie Wildbahn“ entlassen werde und nicht wisse, wie man mit dem Zölibat umgehen soll. „Außerhalb des geschütztes Raumes bemerke man dann, dass es Frauen gebe, schöne Frauen“, erzählt er. Schon kurz nach seiner Priesterweihe 1986 habe er auch gemerkt, dass er als Priester eine Sonderstellung einnehme. „Man ist ein Sonderling, man ist immer durch einen Spalt von der Gesellschaft getrennt.“

„Man ist ein Sonderling, man ist immer durch einen Spalt von der Gesellschaft getrennt“

Stefan Hirblinger, ehemaliger Priester

In Priesterkreisen gebe es „viel Fassade“. Man müsse den Schein waren, weshalb es schwer gewesen sei, sich Menschen anzuvertrauen. Als er sich zu seiner Familie bekannte, habe er wenig von Barmherzigkeit gespürt. „Der Zölibat ist nicht widernatürlich, sondern übernatürlich“, sagte der Bischof zu HIrblinger, als er von der Schwangerschaft seiner Lebensgefährtin berichtete. „Eine Frau kann man nicht im Schrank verstecken und rausholen, wenn man sie braucht und ein Kind schon gleich gar nicht“ sagt er unter dem Applaus des Publikums. Seine Tätigkeit als Religionslehrer vermisse er sehr. Inzwischen sei er aber wieder in einem Lehrberuf tätig und unterrichte das Fach Zukunft.

In unserem Video fassen wir den Gala-Abend zusammen:

Bewegende Gala für "Mütter in Not"

Sein Gegner ist Erdogan

Marina Gottschalk interviewte Profiboxer Ünsal Arik. Foto: Lex

Der Parsberger Boxer Ünsal Arik teilt gerne verbal aus. Arik polarisiert, auch abseits des Boxrings. Den türkischen Staatspräsidenten Erdogan bezeichnet er als Diktator. „Einer muss ja mutig sein, ich habe gesehen, alle haben Angst, aber einer muss sich entgegenstellen“, sagt er auf der Bühne. Erdogan trete die Menschenrechte mit Füßen und das könne man so nicht stehen lassen. „Es gibt Menschen, die mich hassen und beleidigen.“

„Und wer ein Problem mit mir hat, der kann ja gegen mich antreten“

Ünsal Arik, Profiboxer

Kraft schöpfe er bei seiner tollen Familie und einer bezaubernden Frau. „Und wer ein Problem mit mir hat, der kann ja gegen mich antreten.“ Im Dezember wird Arik in der Türkei der Prozess gemacht, es gibt um Präsidentenbeleidigung in einem Musikvideo. Am 19. Dezember werde verhandelt, er selbst werde nicht in die Türkei reisen. Arik würde eine Haftstrafe drohen. Trotz der schwierigen politischen Verhältnisse fühle er selbst sich weiterhin als Türke. Für sein Land hoffe er, dass die Menschen die Augen aufmachen und wieder die Demokratie wählen und nicht die Diktatur.

Er ist für das große Geld zuständig

Den wohl schönsten Arbeitsplatz in Deutschland hat der ehemalige Domspatz Dominik Winterling. Der gebürtige Viechtacher ist als Stiftungsmanager für das ganz große Geld der Sponsoren in der Hamburger Elbphilharmonie zuständig. Profimusiker wollte Winterling trotz seiner Ausbildung im weltberühmten Knabenchor nie werden. Deshalb hängte er ein Betriebswirtschaftsstudium an und kehrte an anderer Stelle zurück in die Musik. „Die Elbphilharmonie ist ein Gesamterlebnis“, sagt er über das Hamburger Konzerthaus.

„Die Elbphilharmonie ist ein Gesamterlebnis“

Dominik Winterling

Das „achte Weltwunder“, sei aber massiv auf Spenden angewiesen. Es sei aber inzwischen auch ein Projekt, das gerne unterstützt werde. Dies sei nicht immer so gewesen. In den schwierigen Zeiten bis hin zum Baustopp habe man eine lange Durststrecke durchlaufen. Jetzt gelte es, dieses Haus mit Leben zu füllen, dafür würden die Spenden nun verwendet. Es gebe heute Unterstützer, die im sechs- und siebenstelligem Bereich Projekte mitfinanzieren, verrät Winterling. Angesprochen auf die Missbrauchsaffäre bei den Regensburger Domspatzen erklärt Winterling, er verfolge die Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe bei den Domspatzen sehr genau und auch kritisch. Kritik übt er an den Medien, die teilweise undifferenziert berichtet hätten. Ein klares Bekenntnis gibt er zu Domkapellmeister Ratzinger ab. Er sei ein großartiger Mensch und Musiker. Er habe Werte vermittelt, von denen er heute noch profitiere. An die Regensburger Domspatzen spricht er zum Abschied eine Einladung zu einem Konzert in der Elbphilharmonie aus.

Spinne löste Feuerwehreinsatz aus

Eine honigfarbene Spinne machte Natascha Hube zu einem Mensch des Jahres in der Region. In einem Körbchen Physalis versteckte sich das Tierchen und machte sich von dort in der Nacht selbstständig. Als sich die Regensburgerin in der Nacht etwas zu trinken holen wollte, sah sie den Besuch und geriet in Panik, als diese sofort die Flucht ergriff. Hube wusste sich nicht anders zu helfen und rief die Feuerwehr. Die kam daraufhin mit dem Spinnen-Equipment – einem handlichen Kehrset. Doch die Spinne war nicht mehr auffindbar, weshalb Hube mehrere Nächte bei ihrer Schwester verbrachte. Sie sei fertig mit den Nerven gewesen, erzählt sie.

Eine Showband um Musiker Gerwin Eisenhauer sorgte für Stimmung. Foto: Lex

Schließlich holte sie Kammerjäger ins Haus. Bis heute wisse sie nicht, um welche Spinne es sich handelte. „Denn die Leiche wurde nie gefunden“, wie Moderatorin Marina Gottschalk treffend anmerkte. Physalis hat Hube übrigens nie wieder gekauft.

Trotz Krankheit ins Rathaus geeilt

Marina Gottschalk und Josef Pöllmann begrüßen interessante Gäste auf der Bühne. Foto: Lex

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer berichtet von ihrem schwierigen Jahr an der Spitze der Stadtverwaltung. Sie sei an jenem 18. Januar, als Oberbürgermeister Joachim Wolbergs wegen des Verdachts der Bestechlichkeit in Untersuchungshaft genommen wurde, trotz Krankheit ins Rathaus geeilt. „Dort traf ich auf fassungslose Mitarbeiter und Referenten.“ Danach habe sie einfach angepackt, ob sie das als Frau anders tut, als möglicherweise ein männlicher Kollege, vermag sie nicht zu sagen. „Ich habe es einfach gemacht.“ Als Bürgermeister Jürgen Huber auch noch erkrankte, musste die Bürgermeisterin weitere Aufgaben übernehmen. Und tat auch das einfach, wenngleich sie sagt, alles könne sie nicht alleine leisten.

„Ich glaube Joachim Wolbergs“

Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Bürgermeisterin der Stadt Regensburg

Aber auch auf der Bühne der Gala strahlt die Bürgermeisterin jene Ruhe aus, die die Medien schon nach dem Bekanntwerden der Wolbergs-Verhaftung, an ihr feststellten. Ob sie sich vorstellen könnte, ins Amt des Oberbürgermeisters zu wechseln, bejaht Maltz-Schwarzfischer noch nicht, lehnt es aber auch nicht grundsätzlich ab. Wenngleich sie unter dem Applaus des Publikums betont, dass sie nicht an der Unschuld des Oberbürgermeisters zweifelt: „Ich glaube Joachim Wolbergs.“ Auch Prominente, die nach ihren Menschen des Jahres gefragt wurden, stärkten Wolbergs den Rücken. So sagte Orphee-Wirt Neli Färber, dass er im Fall Wolbergs eine Wehrlosigkeit kennengelernt habe, die er keinem Menschen wünschen möchte. „Wolbergs hat sicherlich Fehler gemacht, aber persönlich bereichert hat er sich meiner Meinung nach nicht. Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein, dem möchte ich mich anschließen.“

Der Genuss beim Mixen

Die zweite Auflage der Gala „Menschen, die bewegen“ war ein voller Erfolg.

Eine Maschine hat das Leben von Carina Wild aus Kelheim und ihrer Familie komplett auf den Kopf gestellt. Für die Zubereitung von Babybrei kaufte sie sich einen Thermomix. Inzwischen verkauft sie täglich rund 40 Rezeptbücher, betreibt ihren eigenen Verlag mixgenuss und hat mehr als 93 000 Fans auf Facebook. In acht Jahren hat sie mehr als 2500 Rezepte kreiert. Zur Zeit testet sie Liköre. „Darum machen wir momentan die Tür zu, wenn jemand kommt. Sonst denken die Leute, wir haben ein Alkoholproblem“, erzählt sie unter Gelächter des Publikums. An diesem Abend werden wohl einige Gäste über die Anschaffung einer solchen Maschine nachdenken, so sehr hat Wild von den Vorzügen geschwärmt.

In unserer Bildergalerie haben wir Eindrücke der Gala für Sie gesammelt:

Der große Gala-Abend in Bildern

Eine Serie ohne Mord und Totschlag

Mit der Melodie der Sendung „Dahoam is dahoam“ wird die Neumarkter Schauspielerin Carina Dengler auf der Bühne empfangen. Es sei eine Serie ohne Mord und Totschlag und wohl deshalb so beliebt, sagt die 23-Jährige. Derzeit ist Carina in der Rolle von Kathi Benninger mit dem Informatiker Nick liiert – gespielt von Schauspieler Jan Hartmann, den es der Liebe wegen nach Regensburg verschlagen hat – und der ebenfalls auf der Bühne Platz nimmt. Beide verraten in der Jahresrückblicks-Gala, wie sie zur Schauspielerei kamen. Hartmann sagt, dass er der Schmonzetten-Mann sei. „Das ist mein Fach und ich kann viel arbeiten.“

Sie sind nur im Fernsehen ein Paar: Carina Dengler (2. von rechts) und Jan Hartmann (2. von links). Foto: Lex

Dieses Glück habe nicht jeder Schauspieler. Er freue sich aber natürlich, wenn er mal gegen den Typ besetzt werde. Derzeit dreht Hartmann in Köln für eine neue RTL-Arztserie und pendelt deshalb viel, zumal er auch noch einen neuen Job bei der Traumschiff-Crew angenommen hat. Er sei froh jetzt in der Oberpfalz zu leben, wo er in der schönen Natur einen guten Ausgleich zu seinem stressigen Job finde. Hier könne er entschleunigen.

Carina Dengler, die schon als 13-Jährige einen Plattenvertrag in der Volksmusikbranche hatte, erzählt, dass sie in der Schule dafür auch angefeindet wurde. Mittlerweile habe sich aber Vieles verändert. Heute hat sie Fans in aller Welt, manche kommen jährlich zum Fantag der Serie ins fiktive Dorf Lansing. Und noch etwas verrät die hübsche Schauspielerin: In Neumarkt wartet ihr Freund. In der Serie „Dahoam is dahoam“ bleibt aber Nick an ihrer Seite. Allerdings wird es eine Fernbeziehung. Was wohl auch Hartmanns zahlreichen Rollen geschuldet ist.

Jahn-Verantwortliche mussten hart kämpfen

Ein turbulentes Jahr erlebten Jahn-Präsident Hans Rothammer und Jahn-Geschäftsführer Christian Keller. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga, der Weggang von Trainer Heiko Herrlich und dann kam Investor Philipp Schober. Man habe hart kämpfen müssen, sagen die Vereinsverantwortlichen. Inzwischen ist der Investor Geschichte und auch auf dem Platz sieht es im Moment gut aus. Man werde alles dafür tun, den größten Erfolg in der Jahn-Geschichte zu erzielen, verspricht Keller. Noch nie sei dem Jahn der Klassenerhalt in der 2. Bundesliga gelungen. „Ich hoffe, dann feiern wir im Mai 2018 wieder so, wie dieses Jahr.“ Mit einem Lacher verabschiedeten sich die Jahn-Verantwortlichen vom Publikum. Denn Keller zeigte sich beinahe erschüttert, dass „die Thermomix-Kochbücher doppelt so viele Fans auf Facebook haben wie der Jahn“.

Einen Blick in die Zukunft präsentiert den Gästen das BMW Group Werk Regensburg. Wie Industrie 4.0 funktionieren wird, erarbeitet dort das Inno-Lab. Innovationen, die es vielleicht schon bei der nächsten Jahresrückblicks-Gala im Dezember 2018 für Gesprächsstoff sorgen werden.

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