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Dienstag, 27. September 2016 23° 3

Textilien

Das schwierige Geschäft mit Altkleidern

Der Preis für gebrauchte Textilien sinkt immer weiter. Das bringt karitative Einrichtungen nun in Bedrängnis.

Die Preise für Altkleider fallen, die Lager vieler Sammelstellen sind voll. Foto: dpa

München.Die Krise in der Ukraine, die Kriege im Nahen Osten und der Ausbruch von Ebola in Westafrika haben dem Markt für Altkleider im vergangenen Jahr schwer zu schaffen gemacht. Der Preis für gebrauchte Kleidung ist gefallen, die Lager der Sammelstellen sind voll. Die Unruhen machten den Transport in die Länder teuer, der Absatz dort geht zurück.

Das bekommt auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) zu spüren: „Wir merken die Auswirkungen sehr“, sagt Leonard Stärk, Landesgeschäftsführer des BRK. „Einerseits gibt es mehr abgegebene Kleidung in den Containern, andererseits werden wir sie nicht mehr los.“ Der Preis für eine Tonne Altkleider ist seiner Einschätzung nach deutlich um bis zu einem Drittel gefallen. Nach Angaben des BRK bringt eine Tonne alte Kleidung im Moment etwa 300 bis 400 Euro.

Altkleider als wichtige Einnahmequelle

In 60 seiner 73 bayerischen Kreisverbänden sammelt das BRK Altkleider. Über einen Verwerter wird ein Teil der Textilien verkauft, der Rest geht als Kleidungsspende beispielsweise an Flüchtlinge. „Die Erlöse aus der Altkleidung sind eine wichtige Einnahmequelle für uns, dadurch finanzieren wir die ehrenamtliche Arbeit“, erklärt Stärk.

Der Großteil der gesammelten Kleidung des BRK wird nach Afrika gebracht. Nach dem Ausbruch des tödlichen Ebola-Virus im Westen des Kontinents wurden die Lieferungen jedoch eingestellt. Stärk formuliert drastisch: „Das Geschäft dort ist komplett zusammengebrochen.“ Die Kritik, gerade wegen europäischer Altkleider könne sich in Afrika keine heimische Textilindustrie etablieren, kennt Stärk – für berechtigt hält er sie nicht. „Die Armut dort ist so groß, dass die Kleidung wirklich benötigt wird.“ Durch die Kleiderspenden sei in den afrikanischen Ländern ein Sortier- und Gebrauchtmarkt entstanden, der auch Arbeitsstellen schaffe.

Auch der Absatz in Osteuropa sinkt immer weiter, der Krieg in der Ukraine macht die Lieferungen zu einem gefährlichen Unterfangen. Davon berichtet Heinz Mauermann, der für die Verwaltung der Altkleider-Container der Malteser in Bayern und Thüringen verantwortlich ist: „Wir haben mehr Ware da, als überhaupt verkauft werden kann.“ Den Preisverfall der Altkleider schätzt Mauermann auf etwa 25 Prozent.

Zu viele Container

Daneben macht Mauermann jedoch noch etwas ganz anderes Sorgen: das vor drei Jahren eingeführte Kreislaufwirtschaftsgesetz. Es erlaubt den Kommunen die Vermarktung der Altkleider höchstbietend auszuschreiben. „Wir bekommen deshalb immer weniger Genehmigungen, um Container aufzustellen“, sagt Mauermann. Die Konkurrenz werde immer größer – auch durch illegal aufgestellte Container. Ohne Genehmigung sammeln so private Unternehmen die Altkleider – für einen rein kommerziellen Zweck.

Doch durch den starken Preisverfall wird die Ware für kommerzielle Händler weniger interessant. „Da die Preise sinken, gibt es keine Anreize mehr“, sagt Stärk. Deshalb gebe es derzeit weniger illegal aufgestellte Sammelcontainer als noch vor ein paar Jahren. Für Mauermann sind es immer noch zu viele: „Die werden erst aufhören zu sammeln, wenn der Preis noch weiter sinkt und es sich gar nicht mehr lohnt.“ (dpa)

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