mz_logo

Bayern
Montag, 27. März 2017 17° 1

Geschichte

Das tragische Ende einer Dienstreise

1728 starb der Gesandte Arnold Heinrich von Treskow in Regensburg. Um sein Epitaph versammelten sich am Samstag 60 Mitglieder der Adelsfamilie.
VON WERNER ENZMANN, MZ

Verena von Tresckow-Bronke und Wilfried von Tresckow vor dem Epitaph ihres Vorfahren, des 1728 verstorbenen preußischen Gesandten Arnold Heinrich von Treskow Foto: Enzmann

REGENSBURG. „Wanderer, richte deine Augen hierher, um den trügerischen wie wandelbaren Zufall des menschlichen Schicksals zu betrachten, das nichts Beständigeres kennt als die Unbeständigkeit und das, je öfter es Erfolge verschafft, um so schneller auch mit Verlust und Untergang droht.“ Solch philosophische Worte zieren das Grabmal eines Mannes, der vor 283 Jahren das Glück hatte, als 39-Jähriger vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. als Gesandter zum Reichstag nach Regensburg geschickt zu werden – und das Pech, schon nach 18 Tagen in der Reichsstadt einer Krankheit zu erliegen.

Ein repräsentatives Epitaph immerhin haben seine Verwandten Arnold Heinrich von Treskow auf dem Gesandtenfriedhof hinter der Dreieinigkeitskirche errichten lassen. Der Ort, an dem die protestantischen Würdenträger des Reichstags zur letzten Ruhe gebettet wurden, wurde in den 1970er Jahren denkmalpflegerisch erschlossen. Mittlerweile nagt der Zahn der Zeit aber deutlich an den Monumenten, deren Ikonographie der Regensburger Heraldiker Harald Berghoff den versammelten Mitgliedern des Tresckow’schen Familienverbandes erläuterte.

Diese treffen sich seit 2001 alle zwei Jahre an einem anderen Ort, gerne mit Bezug zur Familiengeschichte. Und die hat einiges zu bieten: Nicht nur zahlreiche Beamte und Militärs in Preußens Diensten sowie erfolgreiche Unternehmer und Bankiers, sondern mit Henning von Tresckow auch einen hochrangigen Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und eine historische Aufspaltung in Tresckows mit und Treskows ohne „c“. Uradelig die einen, geschäftstüchtig die anderen und, wie sich das in einer ordentlichen Familien-Dramaturgie gehört, einander nicht immer grün. „108 Jahre lang haben Tresckows und Treskows nicht miteinander gesprochen,“ sagt Wilfried von Tresckow, der als Vorsitzender des Tresckow’schen Familienverbandes seit den 1990er Jahren erfolgreich eine Annäherung der Familien angeschoben hatte. Doch das ist Vergangenheit. Einträchtig bewunderten nun Tresckows und Treskows aus ganz Europa und den USA die Regensburger Altstadt. Im Reichssaal des Alten Rathauses, der Wirkungsstätte ihres Vorfahren, wurden sie von Stadtrat Norbert Hartl begrüßt und erfuhren, wie man damals zu tagen pflegte. Selbstverständlich wird man sich in zwei Jahren wieder treffen. Wo, das verriet Verena von Tresckow-Bronke, seit Samstag neue Vorsitzende des Familienverbandes, allerdings noch nicht.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht