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Ernährung

Das Versprechen der Siegel

Es gibt viele Öko-Zertifikate – doch was bedeuten die einzelnen Nachweise? MZ-Autor Bernhard Neumayer gibt einen Überblick.
Von Bernhard Neumayer, MZ

Äpfel sind nur eines von vielen Bio-Produkten. Foto: dpa

Regensburg.Bio in der EU, Bio in Bayern, Bioland oder Naturland – Siegel gibt es mittlerweile sehr viele. Das bedeuten die folgenden Nachweise.

Das Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung

„Grundlage für ein Siegel ist die EU-Verordnung“, erklärt Prof. Dr. Richard Balling, der Leiter des Referates Qualitätspolitik und Markt im bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das deutsche staatliche Bio-Siegel steht seit seiner Einführung im September 2001 für ökologische Produktion und artgerechte Tierhaltung, die von Kontrollstellen überprüft werden. „Diese müssen Fach-/Sach- und Prüfungskompetenz vorweisen können“, sagt Balling.

Das europäische Bio-Siegel

Im Juli 2010 wurde EU-weit ein verbindliches neues Bio-Siegel eingeführt. Ein Produkt kann den Nachweis erhalten, wenn höchstens 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten ist und mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe aus Öko-Anbau kommen. Durch diesen Rechtsrahmen schafft die EU einheitliche Bedingungen, mit einzelnen abweichenden Spezifikationen. „Die Richtlinien stehen aber in der Kritik und sollen erneuert werden“, sagt Balling.

In unserer Bildergalerie können Sie sich durch die einzelnen Siegel klicken:

Bio-Siegel

Siegel: Geprüfte Qualität Bayern

Das Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ ist kein Bio-Siegel. „Es zeigt dem Verbraucher zwar die regionale Herkunft eines Produktes in Bayern an“, sagt Josef Wittmann, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes der Geschäftsstelle Regensburg-Schwandorf. „Das Siegel steht aber nicht für Bio-Produkte, sondern für Erzeugnisse aus konventionellem Anbau“, betont er. Dennoch stehe ein Produkt mit diesem Siegel für Qualität, die regelmäßig überprüft werde, sagt Wittmann.

Siegel: Einkaufen auf dem Bauernhof

Direktvermarkter mit dem Nachweis „Einkaufen auf dem Bauernhof“ möchten sich mit damit von anderen Einkaufsstätten wie Supermärkten abheben. Die Produkte sind direkt vom Erzeuger. „Das Siegel steht aber nicht für Erzeugnisse aus ökologischem Anbau, sondern für konventionell angebaute Produkte“, erklärt Wittmann. Um das Siegel zu tragen, müssen die Bauernhöfe festgelegte Regeln erfüllen, wie zum Beispiel eine abgeschlossene Ausbildung in der Agrarwirtschaft.

MZ-Autor Bernhard Neumayer ist der Meinung, dass qualitativ hochwertige Produkte mehr kosten dürfen als Standardware:

Kommentar

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Das bayerische Bio-Siegel

„Dieser Nachweis zeigt im Gegensatz zum Siegel ‘Geprüfte Qualität Bayern’, dass das Produkt biologisch angebaut ist“, erklärt Wittmann. Alle Rohstoffe des Produkts stammen aus dem Freistaat. Das Siegel gibt klare Vorgaben, die regelmäßig überprüft werden. Helmut Frank von der System- und Qualitätskontrolle der Landesanstalt für Landwirtschaft überprüft die Lizenznehmer und Kontrollstellen. „Wir sind quasi die Kontrolle der Kontrolle“, sagt er.

Bio-Siegel: Naturland

Das Bio-Mineralwasser der Neumarkter Lammsbräu Foto: dpa

Ökologisch, sozial und fair – das sind zusammengefasst die wichtigsten Aspekte des bundesweiten Bio-Siegels Naturland. Neben diversen Fisch- und Fleischsorten, die das Naturland-Siegel tragen, ist der Öko-Verband seit wenigen Tagen Mitglied in der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser der Neumarkter Lammsbräu. „Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser sind von so großer Bedeutung, dass Naturland dies sogar explizit in den eigenen Richtlinien verankert hat“, sagt Naturland-Geschäftsführer Steffen Reese.

Der Verein „Unsere Bayerischen Bauern“ hat ein praktisches Siegel-Lexikon für den Geldbeutel zusammengestellt. Wie es funktioniert, sehen Sie im Video:

Das Regionalfenster-Siegel

Der Aufkleber Regionalfenster zeigt Verbrauchern, woher Produkte stammen. „Es gibt dem Kunden Transparenz“, sagt Wittmann. „Es zeigt drei Kriterien: Woher stammt ein Produkt, wo wurde es verarbeitet und wie hoch ist der regionale Anteil.“ Das Siegel taucht in ganz Deutschland auf. Vor allem im Obst- und Gemüsebereich ist das Regionalfenster besonders verbreitet, in Bayern ist Gemüse aus dem fränkischen Knoblauchsland beispielhaft. „Das Regionalfenster sagt aber nichts darüber aus, dass Produkte aus biologischem Anbau sind“, betont Wittmann.

Siegel: Unser Land

Das Motto des Siegels „Unser Land“ lautet: Die Lebensgrundlagen erhalten. Das Münchner Netzwerk, in dem sich heute zahlreiche Landwirte, Unternehmer und Verbraucher gemeinsam engagieren, verfolgt das Ziel, die wertvolle Vielfalt regionaler Landwirtschaft zu bewahren. Das Sortiment der Regional-Initiative „Unser Land“ umfasst neben Brot, Milchprodukten und Fisch auch Obst und Gemüse bis hin zu diversen Aufstrichen, Tiernahrung und weiteren Produkten – sowohl aus ökologischem als auch konventionellem Anbau.

Bio-Siegel: Bioland

Transparenz, Umwelt- und Klimaschutz sowie keine chemisch-synthetischen Pestizide und Düngemittel sind unter anderem Attribute, die sich das Bio-Siegel Bioland auf die Fahne geschrieben hat. Viele der Bioland-Produkte wie Bier, Brot und Milchprodukte werden direkt über Hofläden verkauft. Bioland ist auch Mitglied der Qualitätsgesellschaft des Bio-Mineralwassers der Neumarkter Lammsbräu. Pressesprecher Dr. Daniel Haussmann verspricht „dauerhaft höchste Produktqualität, maximale Transparenz für den Verbraucher und nachhaltigen Umwelt- und Wasserschutz“.

Bio-Siegel: Demeter

Demeter steht für das Ideal der biodynamischen Wirtschaftsweise – der Kreislaufwirtschaft: Der Landwirt hält so viele Tiere, wie er durch sein Land ernähren kann. Deren Dung sorgt für eine hohe Bodenfruchtbarkeit, die hochwertige Lebensmittel hervorbringt. Demeter-Hersteller leisten auf diese Weise mehr als die EU-Bio-Verordnung vorschreibt, zum Beispiel in Sachen Grünfutter. Demeter-Bauern müssen ihren Tieren im Sommer mindestens 50 Prozent der Nahrung als Grünfutter geben. Bei der EU-Öko-Verordnung ist das nicht geregelt.

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