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MZ-Serie

Der „Bergdoktor“ ist auch ihr Erfolg

Monika Baumgartner arbeitet da, wo andere Urlaub machen. Die Fans lieben die Herz-Schmerz-Geschichten mit Alpenkulisse.
Von Dagmar Unrecht, MZ

Monika Baumgartner an ihrem Arbeitsplatz am Wilden Kaiser. Sie spielt seit zehn Jahren die „Bergdoktor“-Mama Lisbeth Gruber. Foto: Ursula Düren /dpa

München.„Grüß‘ Sie, Frau Gruber.“ Schon ist es passiert, aber Monika Baumgartner lacht nur über die falsche Anrede. „Macht nix“, sagt sie gelassen. Die Schauspielerin ist es gewohnt mit ihrer populären TV-Figur gleichgesetzt zu werden, das ist beim Gespräch mit unserem Medienhaus nicht anders. Seit zehn Jahren schon spielt die 65-Jährige in der Fernsehserie „Der Bergdoktor“ die Rolle der Lisbeth Gruber, die Mutter der Hauptfigur. „Viele Fans kommen auf mich zu und sagen mir, dass ich endlich gescheite Frauen für meine TV-Söhne finden soll“, erzählt die Schauspielerin. Das stört sie nicht, im Gegenteil. „Es ist etwas ganz besonderes, dass das Publikum so begeistert dabei ist.“

Die ZDF-Serie ist seit Jahren ein Quotenhit - rund sieben Millionen Zuschauer schalten regelmäßig ein und fiebern mit, wenn sich am Wilden Kaiser in Österreich dramatische Herz-Schmerz-Geschichten abspielen. Monika Baumgartner macht den Erfolg der Serie vor allem an ihrem Kollegen Hans Sigl fest.

Der Schauspieler Hans Sigl posiert als Bergdoktor während einer Drehpause am Set vom „Gruberhof“. Foto: Ursula Düren/dpa

Er spielt einen der zwei TV-Söhne von Baumgartner und ist als „Bergdoktor“ Martin Gruber die Hauptfigur. Vor allem bei den weiblichen Fans steht er hoch im Kurs. „Mit ihm steht und fällt die ganze Serie“, ist Monika Baumgartner überzeugt.

Drehorte als Pilgerstätten

Der große Erfolg des „Bergdoktors“ verwandelt die Drehorte in Tirol regelmäßig in Pilgerstätten für tausende Fans. Dann geben Baumgartner und ihre Schauspielkollegen stundenlang Autogramme und beantworten Fragen. „Die Leute kommen von überall auf der Welt, auch aus den USA oder Australien“, erzählt Baumgartner. Für den Tourismus am Wilden Kaiser ist der „Bergdoktor“ ein willkommener Werbefaktor. Die Fans brennen darauf, den „Gruberhof“, die Arztpraxis, das TV-Wirtshaus und natürlich die Darsteller der Serie zu sehen.

Sehen Sie hier ein Video von einem Bergdoktorfantag am Wilden Kaiser aus dem vergangenen September:

Pro Folge verbringt Monika Baumgartner bis zu sechs Drehtage in der Bergidylle. Von Mai bis Dezember dauert der Dreh für eine Staffel, ab Januar laufen die neue Folgen im Fernsehen. Auch in der aktuellen Staffel sorgt die Liebe wieder für Turbulenzen. „Als Mama Gruber werde ich immer verzweifelter, denn bei meinen Söhnen läuft es nicht rund und ich versuche mich mit meinen Mitteln einzumischen“, beschreibt Baumgartner ihre Rolle. Zufriedene Serienfiguren seien für die Zuschauer ja nicht spannend, fügt sie noch hinzu. Für ihre eigene Figur sieht die Schauspielerin noch Entwicklungspotential: „Ich würde mir mal einen Mann für Lisbeth wünschen, damit Abwechslung in ihr Leben kommt.“ Doch das sei Sache der Drehbuchschreiber. Was die sich für die elfte Staffel ausdenken, wisse sie auch nicht. „Ich bekomme das Drehbuch oft erst eine Woche vorher.“

Die Rolle der „Bergdoktor“-Mama ist Monika Baumgartner über die Jahre in Fleisch und Blut übergegangen. „Ich möchte auch immer, dass es allen um mich herum gut geht“, sagt sie. Die Vorstellung, einen Hof zu bewirtschaften, gefällt ihr auch. „Davon habe ich als Stadtkind aus München immer geträumt“, sagt sie. Schon als zehnjähriges Mädchen sei sie bei Freunden auf dem Land Traktor gefahren. „Das ist gar nicht so schwer.“ Dass sie es kann, hat sie im Fernsehen schon gezeigt.

Auch wenn es ums Zupacken geht, ist Monika Baumgartner sofort dabei. Mit großer Begeisterung arbeitet sie in ihrem Garten – oder montiert Vorhangstangen. Schon seit zwanzig Jahren führt die Schauspielerin gemeinsam mit ihrer Schwester ein Raumausstattungsgeschäft in München, wo sie regelmäßig anzutreffen ist. „Ich fahre auch mit auf Montage“, erzählt sie. Die Kunden hätten sich daran gewöhnt, anfangs sei sie im Laden noch fotografiert worden.

Monika Baumgartners Beruf ist aber die Schauspielerei. Sie hat eine klassische Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München absolviert, dann in Mannheim, Hamburg und schließlich auf den Münchner Bühnen – im Volkstheater, in den Kammerspielen und im Residenztheater – Theater gespielt. Ende der 1970er Jahre zog es sie immer öfter vor die Kamera. Die Hauptrolle in „Die Ruplhanni“ war 1981 ihr Durchbruch. Sehr anspruchsvoll sei das gewesen, erinnert sie sich, „etwas ganz anderes als eine Serienrolle“.

Im Garten und bei Lesungen

Monika Baumgartner als Polizeihauptmeisterin Inge Aschenbrenner mit ihrem Mops „Buzzi“ im Krimi „Monaco 110“. Foto: Ralf Wilschewski/ARD/dpa

Inzwischen ist die Schauspielerin seit mehr als 45 Jahren im Geschäft, in vielen bayerischen Fernsehserien war sie zu sehen – zum Beispiel bei „Der Bulle von Tölz“, den „Rosenheim Cops“, „Unsere schönsten Jahre“ oder auch „Monaco 110“. Darüber hinaus hat sie auch selbst Theaterstücke inszeniert und Regie geführt. Seit einigen Jahren tourt Monika Baumgartner außerdem in der Adventszeit mit Weihnachtslesungen durch Süddeutschland: „Das macht mir großen Spaß.“

Die Schauspieler Hans Sigl (als Dr. Martin Gruber) und Ronja Forcher (als seine Filmtochter Lilli Gruber) bei Dreharbeiten in Tirol. Foto: dpa

Ihr wichtigstes Standbein ist aber der „Bergdoktor“. Ein „schönes Polster“ sei das, so die Schauspielerin, „gerade in meinem Alter“. Die Stimmung im Team sei toll, „es gab noch nie Streit“. Auch während der Drehpausen bleibe sie mit den Kollegen in Kontakt. Private Treffen oder Einladungen innerhalb des Teams gebe es aber nicht. So sehr Baumgartner die Dreharbeiten inmitten der Alpenkulisse schätzt – „ich arbeite da, wo andere Urlaub machen“ – am liebsten ist sie in ihrem Zuhause in Gröbenzell in Oberbayern. In Haus und Garten gebe es viel zu tun, erzählt sie. Darüber hinaus kümmert sich die Schauspielerin um ihre bald 90-jährige Mutter. „Langweilig ist mir nie.“ Monika Baumgartner kann aber auch genießen. Dann sitzt sie bei einer Tasse Tee in ihrem Wintergarten, telefoniert oder beobachtet die Vögel im Garten. „Ich freue mich jeden Tag.“ Sogar über Anrufer, die sie mit „Frau Gruber“ begrüßen.

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