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Bayern
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Fernsehen

Der ewige Lausbub wird 65 Jahre alt

Hansi Kraus wird die Rolle seiner Kindheit nicht los. Aktuell taucht er im TV kaum auf – an Arbeit fehlt es ihm aber nicht.
Von Sophie Rohrmeier, dpa

Das Isarufer in München ist einer der Lieblingsplätze von Schauspieler Hansi Kraus. Fotos: dpa

München.In Gummipantoffeln öffnet Hansi Kraus die Tür seiner Altbauwohnung in München. Er mag Freizeit, sagt der Schauspieler. Ob er davon zu viel oder genau die richtige Menge hat, darauf haben sich viele Geschichten um den früheren Kinderstar konzentriert. Kraus, der am 26. Juni 65 Jahre alt wird, konzentriert sich lieber aufs Textlernen. Er kehrt bald zum Ursprung seiner Laufbahn zurück.

Und zwar zu den „Lausbubengeschichten“. Die Filme nach den Geschichten des bayerischen Heimatschriftstellers Ludwig Thoma machten Hansi Kraus, mit bürgerlichem Namen Hans Krause, bekannt. Er spielte den jungen Thoma, den Lausbub. 1964 fing das an, und es hört nicht auf, nicht wirklich. Die fünf Teile laufen noch heute im Fernsehen. Und im Herbst kommt in Braunschweig die Theaterversion der „Lausbubengeschichten“ auf die Bühne. Und wer spielt den alten Thoma? Natürlich Hansi Kraus.

Zwei Töchter und zwei Enkel

„Ich bin ja nie davon losgekommen“, sagt er. Der ewige Lausbub, die vielzitierte Phrase, die Rolle holt ihn auch jetzt mit 65 Jahren wieder ein. Darauf bereitet er sich gerade vor. Er setzt sich an den Holztisch im Esszimmer der Krauses, eine Mischung aus Korbsesseln und weiß lackierten Holzstühlen steht drum herum, Retro-Blechschilder hängen in der Küche nebenan. Bewusster Stilmix, gepflegt-bürgerliches Vintage.

Hansi Kraus als Abiturient Ludwig und Kristina Nel als e kesse Berlinerin Lilly Klausing in „Ludwig auf Freiersfüßen“ Foto: ARD Degeto

An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos von Designer-Stühlen, die er selbst geschossen hat, und Familienbilder. Hans Krause als Junge im Getreidefeld, seine Frau als junges Mädchen, seine beiden Töchter, seine zwei Enkel. Seine Familie pusht ihn immer wieder. Zum Beispiel sich doch eine Agentur zu suchen, wenn er mal keine hat, oder Interviews zu geben. Damit es vorangeht.

15 Jahre bei „Forsthaus Falkenau“

Nach dem großen Erfolg der Filme in den 1960ern und seiner Rolle als frecher Schüler Pepe Nietnagel in der Reihe „Die Lümmel von der ersten Bank“ bis Anfang der 1970er brach Kraus’ Karriere ein. Er lernte Erzieher, entschied sich dann doch für die Schauspielerei. Rund 15 Jahre spielte er in der ZDF-Serie „Forsthaus Falkenau“ den Bauer Sailer, er bekam Rollen in „Löwengrube“, „Marienhof“ oder „Soko 5113“. Lange war er auch in der BR-Reihe „Café Meineid“ zu sehen. Keine Lausbub-Rollen. Doch der Charakter blieb an Kraus haften.

Stationen im Leben von Hansi Kraus

  • Lausbubenfilme

    „Ludwig auf Freiersfüßen“ von 1969 war der fünfte Teil der Lausbubenfilme nach Ludwig Thoma. Die kesse Lilly (Kristina Nel) und Ludwig (Hansi Kraus) waren darin sehr voneinander angetan.

  • Serien

    Hansi Kraus spielte im Lauf seiner Karriere in mehreren Serien mit, darunter „Herzflimmern – Die Klinik am See“. In einer Drehpause der ZDF-Reihe im August 2011 ließ er sich mit seinem Hund Gusti ablichten.

  • Familie

    Miriam Krause, Tochter von Hansi Kraus, ist ebenfalls Schauspielerin. In der Telenovela „Sturm der Liebe“ hatte sie eine Hauptrolle. Im vergangenen Jahr erklärte Kraus, dass er gerne mal mit Miriam drehen würde.

„Ich weiß nicht, ob ich’s gut find’ oder schlecht“, sagt er heute. Eine Zeit lang wollte er dokumentieren, dass er erwachsen ist und ließ das „i“ am Hans weg. „Das hat nicht geklappt.“ Hat Kraus vielleicht auch einmal überlegt, sein altes Prädikat wieder aufzufrischen und neu zu füllen? „Nein. Dafür müsste ich selber schreiben, und das kann ich nicht so gut.“ Und er müsste sich selbst inszenieren und verkaufen, und das kann er auch nicht so gut. „Das stinkt immer so nach Selbstlob.“

Und so taucht Hansi Kraus derzeit im Fernsehen fast gar nicht auf, zumindest nicht in seinem aktuellen Alter. Vereinzelt sieht man ihn in „Hubert und Staller“ oder den „Rosenheim-Cops“. Weil er aber so selten sichtbar ist im TV, gab es einige Geschichten um ihn nach dem Motto „Alternder Schauspieler findet keine Arbeit“.

Vom Grenzbeamten bis zum Zocker

Der Schauspieler Hansi Kraus und seine Tochter Miriam Krause Foto: Felix Hörhager/dpa

So ist es aber nicht. Vor allem steht er auf der Bühne, bei Lesungen oder im Theater. Neuerdings tourt er mit dem Stück „Love Letters“ durch den deutschsprachigen Raum, und auf der Münchner Iberl-Bühne, spezialisiert auf bayerisches Volkstheater, gibt er in drei Inszenierungen mal einen Privatdetektiv, mal einen Grenzbeamten, mal einen Zocker. „Das sind keine so glatten Stücke, in denen am Schluss Friede, Freude, Eierkuchen ist“, erklärt er. „Die haben Biss.“

„Meine Frau sagt, ich bin harmoniesüchtig.“

Hansi Kraus

Im Privaten mag er aber doch lieber Happy Ends. „Meine Frau sagt, ich bin harmoniesüchtig“, gibt er zu. „Das stimmt schon.“ Seine eigene Branche kommt ihm manchmal brutal vor. Wenn man nur mit offensivem Klinken-Putzen weiterkommt oder eine einzige schlechte Kritik gleich Aufträge kostet. Natürlich, er hätte immer mehr tun können für seine Karriere, und natürlich, er würde sich freuen, wenn ein Angebot für eine ordentliche Fernsehrolle reinkäme. Aber in Ruhe mit dem Rad die Isar entlangzufahren oder mit seinem fünfjährigen Enkel ein Eis zu essen, daran hat er dann doch zu viel Freude.

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