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Kabarett

Der „Jodelwahnsinn“ ist zurück

In den 1990ern füllten sie die Konzertsäle. Nun will der „Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn“ an die alten Erfolge anknüpfen.
Von Maren Martell, dpa

Das undatierte Probenfoto zeigt die Gruppe „Jodelwahnsinn“ auf der Bühne: (v.l) am Bass Josef Brustmann, an der Geige Petra Amasreiter und an der Ukulele Otto Göttler. Foto: dpa

München.In den Texten geht es um Mikroplast in Outdoorjacken, um veganes Essen oder um das trendige „dahoam“. Auch der „digitale Irrsinn“ wird zum Thema: „Auf dem tower voller power sitzt der große Google.“ Oder: „Auf mei’m trendy touchscreen handy sitzt a kloaner Virus.“ Der Musikkabarettist Otto Göttler debütiert wieder als „Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn“. Mit von der Partie Josef Brustmann, Kabarettist und ehedem Mitglied der Gruppe, sowie Petra Amasreiter als Neuzugang an der Geige. In dieser Besetzung rockt die Bühne, jault die Säge, klirrt die E-Gitarre und über allem schwebt virtuos die Geige.

Tournee von Bad Reihenhall bis Nürnberg

Mit dem neuen Programm „Die Zeit ist reif!“ gehen die Drei nun auf Tournee. Der Kalender ist gut gefüllt. Konzerte von Bad Reichenhall bis Nürnberg stehen bis Jahresende auf dem Programm. Die offizielle Premiere ist an diesem Donnerstag im Münchner Lustspielhaus. Seit März konnte das Trio bereits auf Vorpremieren die Publikumsreaktion testen.

Witzig, unterhaltend und doch auf hohem musikalischem Niveau. Das ist auch das Motto der neuen Formation. Ihre Musik? Eine Mischung aus bayrischer G’stanzl-Tradition mit Elementen von Blues, Rap, Rock und Klassik. Mit anarchisch interpretierter Volksmusik und subversiven Texten feierte der Jodelwahnsinn zusammen mit dem ehemaligen Mitglied Monika Drasch in den 1990er Jahren große Erfolge, auch über Bayerns Grenzen hinaus.

Gruppe trennte sich 2001

Die Tourneen führten damals bis nach Köln, Berlin, Hamburg, Wien und Zürich. Nicht selten füllten sie Konzertsäle mit mehreren tausend Plätzen. Mehrmals traten die Musiker beim „Scheibenwischer“ von Dieter Hildebrandt auf. 2002 ging die Gruppe dann auseinander.

Im Herbst 2013 kam Konzertagent Wolfgang Friedrich die Idee, den Jodelwahnsinn wieder aufleben zu lassen. „Irgendwie war in den letzten Jahren eine große Lücke in der Szene entstanden“, betont Friedrich. Die alte Truppe kam schnell zusammen. Da Monika Drasch aber zu sehr in eigenen Programmen eingebunden ist, musste eine Nachfolgerin gefunden werden. „Da haben wir lange gesucht, bis wir auf Petra Amasreiter stießen“, berichtet Friedrich. Sie sei ganz dem Zeitgeist entsprechend, im „Internet gecastet“.

Dem Zeitgeist aufs Maul schauen

Seit mehr als 30 Jahren mischt Otto Göttler in der bayerischen Musik- und Kabarettszene mit. Ob Zither, diatonische Ziehharmonika, Konzertina, Tuba, singende Säge, Mandoline, Ukulele oder Alpenhorn – Göttlers Instrumenten-Repertoire ist umfassend. Bereits 1986 gründete er den Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn. Auch nach dessen Ende blieb er seinem Motto treu: „Ich wollte, dass die Volksmusik dem Zeitgeist aufs Maul schaut.“

Mit viel Herzblut und Engagement gestaltet er immer wieder neue Programme, so die „Unverschämte Wirtshausmusik“ oder jüngst die „DIATONIKS“, angesiedelt zwischen Bayern-Folk, -Blues und -Reggae. Auf dem vergangenen Münchner Tollwood-Sommerfestival lud er erstmals in ein eigens geschaffenes Zelt ein, der Hacker-Brettl. Auch in diesem Sommer wird er zusammen mit Micha Reiserer und Titus Waldenfels in „Ottos Musikantentreff“ verschiedene Vertreter der Volksmusik zu Gast haben, so „Pitu Pati“ mit Traudi Siferlinger, die legendären „Mehlprimmeln“ oder das „Zither-Manä-Trio“.

Josef Brustmann stammt ursprünglich aus Mähren. Auf der Bühne tritt er als Kabarett-Solist oder in Ensembles auf - unter anderem mit Marianne Sägebrecht. Seine Instrumente sind der Kontrabass, die Gitarre oder Zither. Das „Münchner Kindl“ Petra Amasreiter verbrachte viel Zeit in der Volksmusik. Sie spielte in diversen Ensembles, wobei sie von Minnegesang über Oper, von Fusionsjazz bis Hardrock nichts ausließ. Seit Ende der 1990er tourt sie als Geigenpetra durch die Lande. Der „Jodelwahnsinn“ ist für sie quasi ein „back to the roots“.

Und der Name „Jodelwahnsinn“? „Ich komme von der Volksmusik, habe viel in Wirtshäusern gespielt. Aber irgendwann hat mich das Getümel um die traditionelle Musik so aufgeregt, dass ich das Gefühl bekam, ich muss einen Schrei loslassen“, erinnert sich Göttler. Und den „Wahnsinn“ will er heute über die Musik und die Satire dem Publikum nahe bringen. Frech, aber fein, das sei seine Linie. (dpa)

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