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Montag, 18. Dezember 2017 5

Tiere

Der Pferdeflüsterer besucht Bayern

Der US-Amerikaner Monty Roberts ist für seine Erziehungsmethoden von Pferden weltbekannt. Nun kommt er nach Ansbach.
Von Timo Lechner, epd

Der US-Amerikaner Monty Roberts ist für seine Erziehungsmethoden von Pferden weltbekannt. Foto: epd/Agentur Hertlein

Ansbach.Monty Roberts ist in der Welt der passionierten Pferdezüchter und Reiter eine Lichtgestalt. Der US-Amerikaner ist mit seinen Erziehungsmethoden von Pferden nicht nur seit Jahrzehnten für seine Shows rund um den Erdball unterwegs, sondern eckt mit seiner Philosophie ebenso an wie er überzeugt. Am 9. November tritt der 82-Jährige beim Pferdezentrum Franken in Ansbach auf. Wohl eines der letzten Gastspiele des „Pferdeflüsterers“ in Bayern.

Robert Redford lehnte 1998 in seinem Film „Der Pferdeflüsterer“ seine Hauptfigur an Monty Roberts an: einen Pferdexperten, der durch seine sanfte Methode den nach einem Unfall traumatisierten Hengst Pilgrim wieder ins Leben zurück hilft. Redfords Film machte Monty Roberts „Join-Up“-Methode schlagartig ein ganzes Stück berühmter, als diese zuvor in Fachkreisen ohnehin schon war.

Mit Roberts‘ Methode gewinnt der Mensch das Vertrauen des Pferdes nicht durch psychische oder physische Gewalt, wie dies viele Jahre in der Zucht betrieben wurde. Ein Pferd wird bei Roberts in einem umzäunten Longierzirkel im Kreis getrieben und soll der Körpersprache des Menschen folgen und dabei an seine Instinkte erinnert werden. Bestenfalls möchte sich das Pferd dem Menschen anschließen - englisch „join up“.

Nähe des Menschen suchen

Mit zur Methode gehört auch das Wecken eines weiteren Instinkts: Pferde sind schließlich Fluchttiere und sollen diesem Verlangen auch nachkommen. Roberts erlaubt die Flucht zumindest teilweise, signalisiert dem Tier bald mit Mimik und Gesten, dass es sich wieder zum Menschen begeben soll. Ziel ist es, dass das Pferd den Menschen als Führungsperson akzeptiert und seine Nähe sucht, ohne dass dies durch Gewalt geschieht.

Fremde Pferde

  • Wenn am 9. November

    Monty Roberts in Ansbach zu Besuch ist, hat er keine eigenen Pferde dabei. Dafür können tagsüber Eigentümer von Problempferden in die Anlage kommen und ihr Tier dem Experten zeigen.

  • Ein Gehilfe

    führt das Pferd dann in den Round-Pen, während Roberts mit dem Besitzer außerhalb des Feldes sitzt, um sich zu unterhalten und die Geschichte des Pferdes zu erfahren. Wenn Pferd und Pferdeflüsterer sich einig sind, geht’s am Abend in die Show.

Kritiker lasten ihm jedoch an, dass er statt physischen eben psychischen Druck gegenüber dem Pferd aufbaut. Das sieht Roberts jedoch ganz anders: „Pferdefreunde können bei meinen Demonstrationen lernen, dass Gewalt nie die Antwort ist. Es war mein lebenslanger Wunsch, die traditionellen Methoden der Ausbildung von Pferden zu ändern, die normalerweise sehr anspruchsvoll waren.“

Dass Roberts ein „Leben für die Pferde“ führt, zeigt ein Blick in seine Vita: 1935 wurde er als Sohn eines kalifornischen Pferdetrainers geboren und ritt mit vier Jahren erste Turniere. Schon als 13-Jähriger wurde er Stunt-Double für Schauspielerin Elizabeth Taylor und pflegte zwischen 1955 und 1969 seine Karriere als Rodeo-Reiter und Pferdezüchter. 1989 trainierte er die Pferde der britischen Königin. Ab Mitte der 1990er-Jahre veröffentlichte er seine Erfahrungen in Büchern, die zu Bestsellern wurden. Von der therapeutischen Wirkung, die Pferde auf den Menschen haben können, ist Monty Roberts längst überzeugt.

Mittlerweile wird seine Methode auch in Managerkreisen oder bei traumatisierten Menschen angewandt. „Wenn man ein Pferd dazu bringen kann, einem zu vertrauen, dann wird dieses Vertrauen auf den Menschen übertragen, so dass man auch anderen und vor allem sich selbst trauen kann. Ich glaube, dass Pferde uns nicht abhärten, aber sie geben uns eine Ruhe, die uns dazu bringt, uns selbst zu heilen“, erklärt Roberts.

„Seine Philosophie wird gelebt“

Roberts hat mit seinen Methoden das Rad nicht komplett neu erfunden. Allerdings hat er durch seine Marketingstrategien diese erst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Beim Pferdezentrum Franken in Ansbach, einem von zwei Landesleistungszentren in Bayern, rennt Roberts offene Türen ein. „Seine Philosophie wird bei uns täglich gelebt“, sagt Klaus Eikermann, Schulleiter der Einrichtung des Verbands der Reit- und Fahrvereine in Franken, von denen es gut 300 gibt.

Das Pferdezentrum besitzt eine neue rund 60 Quadratmeter große, zweite Reithalle, die mit Hilfe einer Stahlrampe wie mittlerweile auch das gesamte Areal barrierefrei zugänglich ist. Damit sei man im süddeutschen Raum der einzige Stützpunkt für Reiter mit Handicap.

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