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Glauben

Die Kirche bangt um ihren Nachwuchs

Das Bild der katholischen Kirche leidet und die Zahl junger Pfarrer sinkt. Ein Priesterseminar will Abhilfe schaffen.
Von Alex Huber, MZ

Im Bistum Regensburg sind im Juni sechs Priester geweiht worden. Immer weniger junge Männer wollen Priester werden. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Das Image der Katholischen Kirche leidet seit Jahren. Die Holocaust-Leugnungen von Bischof Richard Williamson, eine Vielzahl von Missbrauchsvorwürfen und die ewige Diskussion um konservative Werte haben dem Ansehen spürbar geschadet. Bemerkbar macht sich das nicht nur durch einen deutlichen Mitgliederschwund, sondern auch bei einem weiteren ganz entscheidenden Punkt: Der Kirche fehlt der Priesternachwuchs.

Bundesweit gibt es derzeit rund 14000 katholische Priester, wie das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz auf Anfrage unseres Medienhauses mitteilte. Eine geringe Zahl für die knapp 24 Millionen (nach Angaben der Bistümer) Katholiken in Deutschland – die Tendenz ist sinkend.

Spiritual Matthias Effhauser war klar, dass er reagieren musste. Foto: St. Wolfgang

Regensburg würde dabei im Vergleich noch ganz gut abschneiden, wie Spiritual Matthias Effhauser vom Priesterseminar St. Wolfgang der Diözese Regensburg, erklärt: „Bei uns sind die Zahlen vieleicht noch etwas besser als anderswo, aber das kann uns nicht ruhig schlafen lassen. Wir müssen uns bewegen und flexibel sein.“ Mit einem Projekt will das St. Wolfgang jetzt Abhilfe schaffen. Der Personalmangel ist dafür aber nicht der einzige Grund.

Lesen Sie hier, wie MZ-Autor Alex Huber das Problem kommentiert:

Kommentar

Ein erster Schritt

Vielleicht war es nicht zuletzt auch Protz-Bischof Tebartz von Elst, der die Skandale der katholischen Kirche auf die Spitze trieb. Heute fordern die zahlreichen...

Effhauser ist Bischöflicher Geistlicher Rat und Spiritual am Priesterseminar St. Wolfgang. Gemeinsam mit Präfekt Gerhard Pöpperl initiierte er das Projekt „Priesterseminar auf Zeit“. Dieses soll Interessenten einen detaillierten Einblick geben. Bis zu zwei Semester – also ein ganzes Jahr lang – dürfen Bewerber im Priesterseminar leben, sich ein Bild vom Alltag machen und die ganz zentrale Frage klären, ob der priesterliche Weg auch der richtige ist. Das Rad erfunden haben die Regensburger dabei allerdings nicht. „Ein ähnliches Projekt gibt es auch in München. Dort wird es allerdings ,Berufsorientierung‘ genannt und es ist ein bisschen breiter gestreut“, erklärt Effhauser. Ihm gehe es vor allem darum, Interessenten die „Schwellenangst“ zu nehmen und den Druck auf solche zu verringern. „Man dringt hier in eine Welt ein, von der viele keine oder eine falsche Vorstellung haben. Da kursieren unterschiedliche Bilder in den Köpfen, woher die auch kommen mögen“, sagt Effhauser. Dieses Bild zurechtzurücken sowie Vorstellungslücken zu schließen, sei jetzt die primäre Aufgabe.

„Für uns war dann klar, dass wir reagieren mussten.“

Matthias Effhauser

Der Grund für die Initiierung des Projekts war laut dem Spiritual aber zunächst gar nicht der Mangel an Priestern, sondern vielmehr Anfragen von außen. „Für uns war dann klar, dass wir reagieren mussten“, so Effhauser. Ein paar Anfragen habe er schon bekommen. „Es ist ein gewisses Vorinteresse da und das freut uns natürlich.“ Einen einzelnen, ausschlaggebenden Punkt, wieso im Vergleich immer weniger junge Männer eine Priesterlaufbahn einschlagen, sieht er nicht. Er spricht dagegen von einem „Geflecht von Gründen“. Heute würden der Kirche mehr Menschen als früher kritisch oder teils sogar „kritisch-aggressiv“ gegenüberstehen. Dinge schönreden will er nicht, vielmehr sollen diese ehrlich auf den Tisch gelegt werden. Auch der Glauben spiele in der heutigen Gesellschaft aber nicht mehr die gleiche Rolle. „Aus welchen Gründen auch immer“, meint Effhauser.

Auch Fehler der Kirche

Präfekt Gerhard Pöpperl Foto: St. Wolfgang

„Die Kirche wird aus gesellschaftlichen Bereichen herausgedrängt, dass sich junge Leute fragen, ob sie da, in dieser Kirche, ihre Zukunft sehen.“ Doch Effhauser gesteht auch Fehler seitens der Bistümer ein. Heute müsse man andere Formen ausprobieren und sich herausbewegen. „Wir müssen uns jetzt öffnen und einen Weg finden, wie wir junge Menschen mit ihren Fragen und Bedürfnissen ansprechen können“, so Effhauser. Erschwerend komme hinzu, dass auch die Herausforderungen an Priester gestiegen sind. Geistliche müssen oft mehrere Pfarreien betreuen. „Mit Kindergärten und Carita ist man schnell Arbeitgeber von 70 Leuten“, erklärt der Spiritual. Dennoch will er mit dem St. Wolfgang wieder mehr potenzielle Priester gewinnen. Gelingen soll das nicht zuletzt mit dem „Priesterseminar auf Zeit“ ab Herbst 2017.

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