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München.

Die Oma von „Ben Hur“ ist überglücklich

Seine Großmutter riet Sebastian Thrun zur Schauspielkarriere – in einer Monumentalshow kommt er europaweit groß raus.

Für Lili Gesler, sie spielt Ben Hurs Geliebte Esther, und Sebastian Thrun beginnen im Juni arbeitsreiche Wochen. Foto: Alexander Dacos

Von Katia Meyer-Tien, MZ

Sebastian Thrun balanciert auf dem Brunnenrand, in seinen Armen hält er Lili Gesler, tief schaut er ihr in die blaugrauen Augen. Die Pferde der römischen Quadriga wiehern. „Ein bisschen zurück bitte“, ruft ein Fotograf. Sebastian Thrun blickt auf, grinst: „Da ist Wasser, Chef!“. Er hat Spaß. Es ist viel passiert, seit die MZ den jungen Schauspieler zum letzten Mal traf. Der 29-Jährige kämpfte sich kurz vor Ostern durch das Casting für die als Monumentalwerk geplante Liveshow „Ben Hur“.

Seine Karriere hat er mit einer Ausbildung zum Schlosser in Wuppertal begonnen, auf den Rat seiner Oma nahm er neben dem Studium einen Nebenjob am Schauspielhaus Bochum an, gab schließlich das Studium auf und stand seither auf vielen Bühnen. Mit 600 anderen Kandidaten trat er im April an, die Rolle des bösen Messala zu ergattern. Und wurde Judah Ben Hur. Hauptrolle! Wahnsinn! Drei Tage nach dem Casting kam der Anruf. „Ich war erstmal drei Tage nicht ansprechbar“, erinnert er sich. Es folgten Vertragsverhandlungen, Fotoshootings und Pressekonferenzen in London, Paris, Hamburg und in München.

In der Mitte des langen Tisches im Münchner Kunstpavillon sitzt Franz Abraham, Geschäftsführer der Firma Art Concerts. Die Show ist sein Baby, seit 15 Jahren arbeitet er daran, Ben Hur auferstehen zu lassen. Auf 2500 Quadratmetern. So laut, dass sich beim Gewitter zur Seeschlacht die Kinder an ihre Eltern kuscheln. „Wir haben die selbe Soundausstattung wie Metallica“, sagt er.

Das berühmte Wagenrennen wird nur zehn Minuten der etwa zweistündigen Show ausmachen und trotzdem vielleicht die wichtigste Passage sein. Auf jeden Fall die Gefährlichste. Fünf Pferdegespanne auf einer Rundstrecke von 40 mal 70 Metern durch eine Halle rasen zu lassen, das erfordert höchste Präzision. Pferdetrainer und Stunt-Koordinator Nicki Pfeifer hat vor zwölf Jahren angefangen, Pferde so auszubilden, dass sie römische Quadrigen ziehen können, drei Jahre später baute er seinen ersten Römerwagen. Die dritte Generation seiner Kreation kommt bei Ben Hur zum Einsatz. Lenken wird er selber, einen Anfänger wie Sebastian Thrun auf den Wagen zu lassen, das wäre „purer Selbstmord“, sagt er.

Thrun hat auch so genug zu tun. Am meisten freut er sich auf die Seeschlacht, Action pur: Drei Galeeren werden von neun Piratenschiffen angegriffen, Donner, Blitz, Feuerwerk. Fremdsprachen muss er auch noch lernen, denn die Geschichte wird zwar von einem Erzähler auf Deutsch vorgetragen, die Dialoge aber werden originalgetreu in Aramäisch und Latein geführt: Sprachen, mit denen sich Thrun bisher eher weniger beschäftigt hat. „Ich habe viele Spinnen und Schlangen zu Hause, da kenne ich die griechischen Namen, aber sonst...“, sagt er. Die größte Herausforderung allerdings sei es, ein vollkommen neues Theaterspiel zu entwickeln, auf so einer riesigen Bühne müsse man viel mehr mit Körpersprache arbeiten, das Mienenspiel im Gesicht könne schließlich kaum jemand erkennen.

Die Musik für das Spektakel stammt von Stewart Copeland, Gründer und Schlagzeuger von The Police. Er ist in Beirut aufgewachsen und fühlt sich der Kultur des Nahen Ostens, wo die Geschichte von Ben Hur spielt, verbunden. Die Musik zu komponieren, sei nicht einfach gewesen, sagt er. Anders als beim Komponieren einer Filmmusik existiere die Show noch nicht, er müsse sich alle Szenen vorstellen und danach arbeiten.

Ob seine Musik zum Spiel von Thrun und seiner Kollegin Lili Gesler – sie spielt Ben Hurs Geliebte Esther – passt, wird sich ab Mitte Juni herausstellen: Dann beginnen die Proben. Premiere ist am 15. September in London. Wenn es nach Abraham geht, ist die Show danach zehn Jahre unterwegs. Thrun jedenfalls ist gespannt. Und muss noch etwas loswerden: Seine Oma habe den MZ-Bericht über das Münchner Casting gelesen und sich riesig gefreut. Nur dass sie „stolz“ auf ihren Enkel sei, das würde sie vielleicht doch nicht so sagen. „Stolz mussten wir beim Hitler immer sein, das will ich nicht mehr“, hat sie gesagt. Glücklich sei sie. Sehr glücklich.

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