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Theologie

Ein Mittler zwischen Christen und Juden

Der Bibelwissenschaftler Prof. Dr. Franz Mußner lehrte ab 1965 in Regensburg. Zum 100. Geburtstag würdigen ihn Kollegen.
Von Louisa Knobloch, MZ

Im April 2015 feierte Prof. Dr. Franz Mußner sein 70. Priesterjubiläum. Foto: Gerhard Auer/Bistum Passau

Regensburg.Die „Entdeckung des Judentums“ als „Wurzel“ – für den Bibelwissenschaftler Prof. Dr. Franz Mußner war das der entscheidende Einschnitt auf seinem theologischen Weg. Mit seinem Buch „Traktat über die Juden“ (1979) habe Mußner eine fast 2000-jährige Geschichte von Traktaten gegen die Juden beendet und geholfen, eine ganze Tradition zu verändern, betont Prof. Dr. Tobias Nicklas, Lehrstuhlinhaber für Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments an der Universität Regensburg. 1985 wurde Mußners Einsatz für den christlich-jüdischen Dialog mit der Buber-Rosenzweig-Medaille gewürdigt.

„Gründergeneration“ an der Uni Regensburg

Den 100. Geburtstag ihres Emeritus am vergangenen Sonntag feierte die Fakultät für Katholische Theologie mit einem Festakt, zu dem mehr als 70 Freunde, Wegbegleiter und Schüler nach Regensburg kamen. Der Jubilar konnte aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht dabei sein, Nicklas und weitere Kollegen besuchten Mußner gestern in Passau, wo er als ältester Priester des Bistums Passau seit 2010 in einem Seniorenheim lebt.

Prof. Hans Mendl (Passau), Prof. Tobias Nicklas (Regensburg), Prof. Nastainczyck, Prof. Michael Theobald (Tübingen) und Prof. Christoph Dohmen (Regensburg, v.l.) besuchten Prof. Franz Mußner (2.v.r.) anlässlich seines 100. Geburtstags in Passau. Foto: UR/Nicklas

Mußner sei ein „altbayerisches Urgestein“, sagt Nicklas. Aufgewachsen in Feichten (Landkreis Altötting) studierte er Philosophie und Theologie in Passau, Eichstätt und Würzburg. Am 2. April 1945 wurde Mußner in Passau zum Priester geweiht. Nach der Promotion und Habilitation in München erhielt er zum Wintersemester 1952/53 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Neues Testament an die Theologische Fakultät Trier.

Selbst habe sich Mußner als „im Grunde heimwehlosen Menschen“ bezeichnet, sagt Nicklas. Ein Besuch bei seiner Schwester löste dann aber doch eine solche Sehnsucht in ihm aus, dass er zurück nach Bayern wollte. Im Sommersemester 1965 nahm Mußner einen Ruf an die damalige Philosophisch-theologische Hochschule Regensburg an und gehörte ab 1967 zur „Gründergeneration“ der neu errichteten Universität Regensburg. Bis zu seiner Emeritierung 1981 lehrte er hier.

Präsident Prof. Dr. Udo Hebel würdigte Mußner beim Festakt am Montagabend als „Bahnbrecher der modernen Bibelwissenschaft, Brückenbauer für die jüdisch-christliche Verständigung und Wegbegleiter von Papst Benedikt“. Joseph Ratzinger war nahezu zeitgleich mit Mußner, von 1969 bis 1977, Professor in Regensburg. Die freundschaftliche Beziehung der beiden reicht jedoch bis ins Jahr 1947 zurück, wie der emeritierte Papst in einem Schreiben anlässlich Mußners Geburtstag betont: „Der Kontakt ist seitdem nicht mehr abgerissen und seit den Regensburger Jahren besonders intensiv geworden“, heißt es darin weiter. Mußner habe „Exegese wirklich als Theologie betrieben“ und sei daher immer auch dem philosophischen denken geöffnet gewesen. „Er hat den Glauben nie als Begrenzung seiner Wissenschaft, sondern als einen Schlüssel ins Weite hinein verstanden, der Dimensionen aufschließt, die uns sonst verschlossen bleiben“, so der emeritierte Papst Benedikt. Lange Jahre habe Mußner als Meister an den Begegnungen des Schülerkreises Joseph Ratzinger teilgenommen. „Er hat unsere Diskussionen bereichert und uns menschlich beeindruckt“, sagte Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke.

Jesus als „wahrhaft jüdischer Mensch“

Prof. Dr. Tobias Nicklas, Prof. Dr. Michael Theobald und Prof. Dr. Udo Hebel (v.l.) präsentieren beim Festakt Werke von Prof. Dr. Franz Mußner. Foto: Knobloch

Nicklas würdigte das wissenschaftliche Werk Mußners und ging dabei auf seine Kommentare des Jakobusbriefs und des Galaterbriefs in „Herders theologischem Kommentar zum Neuen Testament“ ein. Vor allem ersterer hätte Mußner nach eigener Aussage „den Weg zurück zum Judentum gespurt“. Mit der Frage, ob Jesus Jude war, hätten viele Theologen damals „enorme Probleme“ gehabt, so Nicklas. Mußner hingegen habe aufgezeigt, wie tief Jesus Teil seines Volkes war und sei. Die christologische Formel „vere deus – vere homo“ habe er zu „vere deus – vere homo judaeus“ ergänzt: wahrhaft Gott – wahrhaft jüdischer Mensch.

Auch für den ökumenischen Dialog hat Mußner große Bedeutung, unter anderem war er Berater der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. Auf diesen Aspekt seines Wirkens ging Prof. Dr. Michael Theobald (Tübingen) in seinem Festvortrag über Mußners Buch „Petrus und Paulus – Pole der Einheit“ ein.

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