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Bayern
Samstag, 23. September 2017 21° 1

Freizeit

Ein Weg als Botschafter der Region

Der Goldsteig zählt zu den schönsten Wanderwegen Deutschlands – und er macht Lust auf Ostbayern. Heuer wird er 10 Jahre alt.
Von Wolfgang Ziegler, MZ

Der Goldsteig, der über 660 Kilometer durch Ostbayern führt, gewährt immer wieder grandiose Ausblicke. Foto: TVO

Regensburg.660 Kilometer, fünf Naturparks, ein Nationalpark – der Goldsteig von Marktredwitz bis Passau ist nicht nur einer der „Top Trails of Germany“, einer der schönsten deutsche Wanderwege also. Er ist gleichzeitig Botschafter Ostbayerns, der „wie nichts anderes das Interesse an der Region weckt“, sagt Veronika Perschl, stellvertretende Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Ostbayern. In diesem Jahr wird der Goldsteig zehn Jahre alt.

Eigentlich ist die Geschichte des längsten deutschen Qualitätswanderweges – ein Prädikat, das man Wegen verleiht, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen – noch viel älter. Denn der Goldsteig verläuft teilweise auf den über 40 Jahre alten Europäischen Fernwanderwegen E6 und E8 sowie auf mittelalterlichen Pfaden wie dem Goldenen Steig, auf anderen alten Handels-, Schmuggler- und Grenzrouten. Wer sich aufmacht, den Goldsteig zu erwandern, kann zwischen zwei Varianten wählen. Während die Haupttrasse vor allem von Fernwanderern begangen wird, eröffnen rund 750 Kilometer Zuwege am Goldsteig vielfältige Möglichkeiten zu Rundtouren und Sternwanderungen. Gerade durch das dichte Wegenetz lässt sich der Fernwanderweg auch in kleinen Etappen bei Wochenendausflügen entdecken.

Der Goldsteig beginnt oder endet in Marktredwitz im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel. Wandert man in Richtung Passau, geht die Tour zunächst durch den Steinwald, vorbei an der romantischen Burgruine Weißenstein, dem „Land der Tausend Teiche“ bei Tirschenreuth und durch das tief eingeschnittene Waldnaabtal. Schließlich erreicht man im Landkreis Schwandorf Oberviechtach und Thanstein, wo sich der Weg in eine Nord- und eine Südroute verzweigt. Dort, zwischen Thanstein und Rötz, liegt auch die Steinerne Wand und der Schwarzwihrberg mit seiner Schwarzenburg.

Nationalpark ist ein Herzstück

Unbestritten ein Herzstück auf dem Goldsteig ist das Kerngebiet des Nationalparks Bayerischer Wald. Den Nationalpark einmal zu Fuß zu durchqueren, ist zwar auch eine sportliche Herausforderung, doch noch viel mehr ist es ein grandioses Naturerlebnis. Schließlich wird Passau über Breitenberg, Sonnen und die Granitstadt Hauzenberg erreicht.

Wer sich für die Südvariante entscheidet, hat indes immer grandiose Fernsichten, stimmungsvolle Sonnenuntergänge und einen weiten Blick in den Gäuboden. An klaren Tagen erhebt sich die Alpenkette vom Dachstein bis zur Zugspitze am Horizont. Der Weg geht durch die sogenannte „Hölle“ und den Felsenpark bei Falkenstein nach St. Englmar und schließlich über die Rusel, dem Hausberg Deggendorfs, durch den Sonnenwald zu den Berghängen des Brotjacklriegels und dann hinein in das Ilztal, entlang der „Schwarzen Perle“ Ilz bis nach Passau.

Sehen Sie hier den Verlauf von Marktredwitz bis nach Passau:

Veronika Perschl, die den Goldsteig von Anfang an als Projektleiterin betreut hat, ist von „ihrem“ Weg noch genauso begeistert wie am ersten Tag. Deshalb war es immer ihr Bestreben, die Route als Qualitätswanderweg zu platzieren – was letztlich auch gelang. „Dafür gibt es einen umfangreichen Kriterienkatalog mit 23 Kernkriterien, die alle erfüllt sein müssen“, erklärt sie im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Unter anderem müsse eine gute Ausschilderung gewährleistet sein, so dass man den Weg auch ohne Karte gehen könne; der Weg müsse „spannend und abwechslungsreich“ sein, also weniger über Forststraßen und mehr über Pfade führen; es dürften maximal 20 Prozent des Weges geteert sein; und es müssten Sehenswürdigkeiten und ausreichend Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand liegen – um nur einige dieser Kriterien zu nennen. All dies habe man nach den Worten Perschls realisieren können und so letztlich mit dem Goldsteig einen „Leuchtturm“ gesetzt.

Finanziell getragen wird der Goldsteig von zehn Landkreisen. Für jeden Kilometer, den der Weg durch den jeweiligen Bezirk führt, entrichten sie einen bestimmten Betrag, der unter anderem in das Marketing und die Produktion von Info-Material fließt. Beteiligt sind auch die 93 Gemeinden am Wegesrand, von denen viele geführte Touren anbieten. Und damit der Goldsteig sein Niveau hält, gibt es letztlich 65 Wegepaten, die jeweils für einen Abschnitt verantwortlich sind, diesen mindestens einmal im Jahr abgehen und dabei ein Protokoll anfertigen müssen. Der Goldsteig sei, so Perschl, deshalb auch ein Gemeinschaftswerk und gehöre nicht umsonst zu den „Top Trails of Germany“, den 16 schönsten und besten deutschen Wanderwegen.

In Tschechien entsteht Parallele

Von dem guten Ruf, den sich der Goldsteig erworben hat, will jetzt auch Tschechien profitieren – von der Nordroute des Weges oftmals nur einen Steinwurf entfernt. Von der Region Pilsen bis nach Südböhmen ins Dreiländereck um den Dreisesselberg soll eine Parallelroute entstehen, die Wegegründung ist bereits in vollem Gang. Als nächster Schritt sollen dann Verbindungen in den Oberpfälzer und Bayerischen Wald geschaffen bzw. bereits bestehende gegebenenfalls verlängert werden. Von dieser Erweiterung werde die gesamte Region profitieren, ist sich Perschl sicher.

Nicht ganz so sicher ist sie sich, wenn sie den schönsten Streckenabschnitt nennen soll – „weil doch jeder seinen Reiz“ habe. Schließlich ringt sie sich doch zur 8-1000er-Tour durch, die in sieben Stunden Gehzeit von Eck bei Arrach über acht Berge mit einer Höhe von mehr als 1000 Metern zum Arber-Schutzhaus führt. „Dabei hat man prächtige Aussichten und kann das Goldsteig-Feeling wohl am besten genießen“, sagt sie.

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