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Schauspieler

Er zeigt den Polit-Promis die Zähne

Stefan Murr ist als Double am Nockherberg gefürchtet. Zu Kindern ist er lieb: Fürs junge Publikum erfindet er Betthupferl.
Von Marianne Sperb, MZ

Stefan Murr (links) als Politiker-Double, hier 2014 mit dem damaligen Landesvorsitzenden der Bayern-SPD Florian Pronold Foto: Tobias Hase/dpa

Bad Tölz.Stefan Murr werden außerordentliche Kräfte nachgesagt. Der Schauspieler, der zum festen Stamm der Politiker-Doubles beim Starkbierfest am Nockherberg gehört, kann prominente Regierungsmitglieder weglachen, behaupten Fans. Fakt ist: Politiker, die Stefan Murr parodiert, sind möglicherweise bald weg vom Fenster. Zeugen seiner Wirkkräfte waren zuletzt Karl-Theodor zu Guttenberg (ab 2009 derbleckt, Karriereknick: 2011) und Florian Pronold (2014 derbleckt, Karriereknick: 2017). Muss man Angst haben um Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (2015 derbleckt)? „Naja“, sinniert der Schauspieler, „der wackelte ja auch schon ziemlich.“

Stefan Murr probte zuletzt für die neue Ausgabe des Kultfests am Nockherberg. Welchen Politiker es 2017 trifft, durfte er vorab noch nicht sagen. Fest steht aber: Im Wahljahr werden Luise Kinseher als Mama Bavaria und die Mimen beim traditionellen Singspiel (Regie: Marcus H. Rosenmüller) reichlich Stoff haben. Sendetermin ist heute (Mittwoch, 8. März, 18.30 Uhr, Bayerisches Fernsehen).

Seit neun Jahren im Biertempel

Der Nockherberg ist erprobtes Terrain für Stefan Murr. Heuer werden es neun Jahre, dass er im Münchner Biertempel auf die Bühne steigt. Der Schauspieler hat aber eine Menge mehr Facetten. Er steht für Kino und Fernsehen vor der Kamera, er schreibt Krimis, er verfasst Mundart-Texte und denkt sich sogar Betthupferl aus.

Der Schauspieler, der nach dem Abitur einen der hochbegehrten Plätze an der Otto-Falckenberg-Schule ergatterte, legte bisher eine bruchlose Karriere hin. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt er. „Aber ich war auch rührig.“

Noch während der Ausbildung engagierten ihn die Münchner Kammerspiele und das Münchner Prinzregententheater, zwei Renommieradressen. Später stand er unter anderem in der Bayerischen Theaterakademie und bei den Luisenburg-Festspielen auf der Bühne. Seine Rolle in „Der Wittiber“, einer Produktion des Landestheaters Oberpfalz, wurde 2006 sogar mit dem Nachwuchspreis der Festspielstadt Wunsiedel ausgezeichnet. Derzeit ist der Oberbayer Mitglied am Ensemble des Münchner Volkstheaters.

Vom „Bergdoktor“ bis zum „Tatort“

Seine erste Kinorolle, 1998 in „Neue Freiheit – keine Jobs“, brachte ihn mit Herbert Achternbusch zusammen. Ein prägender Regisseur, mit dem ihn beinahe eine Art Freundschaft verbindet, wurde Marcus H. Rosenmüller. Mit ihm drehte Stefan Murr „Beste Zeit“ (2007) und „Beste Gegend“ (2008). Präsenter als im Kino ist er im Fernsehen. Stefan Murr spielte in zahlreichen populären Krimi- und Heimat-Formaten wie „Der Bergdoktor“, „Café Meineid“, „Die Rosenheim-Cops“, „SOKO Kitzbühel“ und „Tatort“. Und er macht Ausflüge ins Herz-Kino (zuletzt in Katie Fforde: „Du und ich“, 2016). „Wenn man optisch passt, kommen natürlich Angebote aus dem romantischen Fach.“ Aber eher liegen ihm dubiose Figuren, Charaktere mit Ecken und Kanten.

Sehen Sie hier ein Video: Stefan Murr backstage beim Dreh zu Karie Fforde

Stefan Murr schwärmt von der Arbeit mit Regisseur Hans-Christian Schmid: „Das Verschwinden“ erzählt von einer Mutter, die nach ihrer Tochter sucht, und thematisiert den Schmuggel von Crystal Meth an der bayerisch-tschechischen Grenze. Bis Ende 2016 wurde unter anderem in Bayern gedreht. Mit Kollegen wie Julia Jentsch und Ulrich Tukur vor der Kamera zu stehen, bedeutet dem 40-Jährigen viel. Er schätzt es, „wenn man sich gegenseitig herausfordert“.

„Natürlich kann immer alles passieren: Dass du nachts schweißgebadet aufwachst und dich fragst, ob es nächstes Jahr noch weitergeht. Oder dass du Karriere machst wie Christoph Waltz.“

Stefan Murr

Engagements zu erhalten, wird für Schauspieler insgesamt schwieriger. Theater sparen, die Filmbranche drückt aufs Tempo, die Quotenangst in den Redaktionen nimmt zu, beobachtet Stefan Murr. „Bei mir zeigt der Trend nach oben“, sagt er über seine Auftragslage. „Aber natürlich kann immer alles passieren: Dass du nachts schweißgebadet aufwachst und dich fragst, ob es nächstes Jahr noch weitergeht. Oder dass du Karriere machst wie Christoph Waltz.“ Die Unsicherheit schenke auch eine gewisse Demut; sie bewahre ihn davor, zur Diva zu werden.

MZ-Kultur-Kantine

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    In einer Serie stellt die MZ auf dieser Seite bayerische Künstler vor – Musiker, Kabarettisten und Schauspieler. Einige werden live im Verlagsgebäude der MZ auftreten. Die nächsten Konzerte sind bereits in Planung. Freuen Sie sich im Mai auf einen sehr bekannten Kabarettisten aus Bayern.

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    Die MZ-Kantine ist ein exklusives Dankeschön an treue Leser, die im Besitz einer MZ-Clubcard sind. In Kürze werden wir die Karten-Verlosung für unseren nächsten Veranstaltungsabend starten.

„Ich bin ein stolzer Bayer“, sagt der Schauspieler über sich. „Das Tümelige mag ich nicht so gern, aber das Lebensgefühl sehr.“ Der neue, unverkrampfte Umgang mit weiß-blauen Wurzeln, wie ihn etwa Stefan Dettl von LaBrassBanda vormachen, ist Stefan Murr sympathisch. Und den bayerischen Dialekt hält er hoch.

Einschlafgeschichten im Radio

Mit Politikern, gerade auch denen aus dem Freistaat, geht der Schauspieler schonungslos um, Ehrensache. Zu Kindern ist er lieb. Zusammen mit Heinz-Josef Braun schreibt der Vater eines neunjährigen Buben Kinderkrimis („Käfer Mary und die Kakerlaken-Mafia“) und übersetzt Grimms Märchen ins Bayerische, die ebenfalls als Hörbücher auf dem Markt sind („Das Bayerische Schneewittchen“).

Für Bayern 1 Radio denkt sich Stefan Murr oberpfälzische Betthupferl aus. Die Einschlafgeschichten, die er gemeinsam mit Kathrin Anna Stahl aus Weiden schreibt, erzählen die beiden Kollegen regelmäßig in Bayern 1 Radio.

Ein Millionenpublikum wird sich heute Abend im Fernsehen die Übertragung des Nockherberg-Singspiels anschauen. Vor allem Politiker der CSU werden wieder ihr Fett wegbekommen. „Die geben einfach mehr her als Politiker anderer Parteien“, sagt Stefan Murr. In seinem Umfeld kursiert eine Art Wunschliste, welchen „Schwarzen“ er doch bittschön verkörpern soll. Damit der endlich abtritt.

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