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Bayern
Montag, 5. Dezember 2016 2

Zugunglück

Fahrdienstleiter setzte wohl Notruf ab

Laut dem „Spiegel“ wollte der Fahrdienstleiter den Zug vor dem Zusammenstoß stoppen. Die Polizei gibt dazu keine Auskunft.

Am Freitag wurde die Bergung der verunglückten Züge fortgesetzt. Foto: dpa

Bad Aibling.Der diensthabende Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling hat nach Informationen des Magazins „Der Spiegel“ versucht, die aufeinander zurasenden Züge per Notruf noch zu stoppen. Er habe kurz hintereinander über Sprechfunk zwei Notrufe abgesetzt und dafür ein spezielles Mobilfunknetz der Bahn mit einer Notruffunktion genutzt. Eine Polizeisprecherin sagte auf Anfrage, dazu lägen ihr keine Informationen vor.

Dem „Spiegel“ zufolge erreichte der erste Notruf die Lokführer wohl kurz vor dem Zusammenstoß der Regionalzüge am Dienstag zwischen Holzkirchen und Rosenheim. Der zweite Notrufversuch sei offensichtlich nach der Kollision erfolgt.

Einem Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes zufolge wird der Zugfunkverkehr zwischen dem Stellwerk und den Triebwagenführern ausgewertet und ist Bestandteil der Ermittlungen. Die Deutsche Bahn wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu dem „Spiegel“-Bericht äußern.

Bisher keine Anhaltspunkte zur Unfallursache

Die Aufräumarbeiten sind am Freitag nach dem verheerenden Zugunglück einen großen Schritt vorangekommen. „Die zwei Triebwagen sind jetzt voneinander getrennt, die rollfähigen Zugteile werden langsam abtransportiert“, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. „Heute wird es bis in den Abend hinein gehen, Kleinteile werden voraussichtlich morgen noch geborgen.“ Nach der Instandsetzung von Gleisen und Oberleitungen werde es dann noch eine Testfahrt geben, bevor die Strecke in einigen Tagen wieder freigegeben werden könne. Am Freitag war auch die dritte Blackbox gefunden worden.

„Es konnten keine Hinweise auf Missachtung von Signalen festgestellt werden.“

Sprecher des Bundesverkehrsministeriums

Unterdessen läuft die Suche nach der Ursache weiter. Experten haben zwei der drei Fahrtenschreiber aus den Zugwracks vollständig ausgelesen. „Es konnten keine Hinweise auf Missachtung von Signalen festgestellt werden“, berichtete ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mit Blick auf die Datenspeicherkassette desjenigen Zuges, der von Rosenheim nach Holzkirchen unterwegs war. Der eine der beiden Fahrtenschreiber des Gegenzuges sei ebenfalls bereits ausgewertet worden. „Daraus können keine Erkenntnisse auf die Handlungen des Triebfahrzeugführers gewonnen werden.“

Die Auswertung der dritten, erst am Freitag geborgenen Blackbox werde derzeit versucht - die Blackbox sei allerdings beschädigt. Dass es in einem Zug zwei Fahrtschreiber gegeben habe, liege daran, dass in dem Fall ein zweiteiliger Zug unterwegs gewesen sei.

Verletzte Insassen schweben noch in Lebensgefahr

Als nächstes würden nun die Zugfunkgespräche ausgewertet und mit dem Fahrtverlauf abgeglichen, erläuterte der Sprecher. Zudem würden die im Stellwerk registrierten und dokumentierten Bedienhandlungen mit den Aufzeichnungen der Datenspeicherkassette abgeglichen und dortige Abläufe untersucht.

Noch immer schweben weitere Opfer in akuter Lebensgefahr. „Es ist leider so, dass einige in einem kritischen Zustand sind“, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Es stehe zu befürchten, dass nach dem elften Todesopfer vom Vortag noch weitere Menschen den Kampf um ihr Leben verlören. (dpa)

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