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Buntes

Ganz in Weiß –

Heiraten ist zur individuellen Sache geworden: In Regensburg helfen zwei Weddingplanerinnen, in Neumarkt die Hochzeitsladerin
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Das Ja-Wort ist zu einer individuellen Sache geworden.Foto: dpa
  • Die Regensburger Weddingplanerinnen Andrea Hahn (l.) und Bianca von Hugo (r.) planen etwa zehn Hochzeiten im Jahr. Foto: HahnvonHugo
  • Christa Riel bringt das traditionelle Element auf Hochzeiten. Die Neumarkterin ist eine von zwei Hochzeitsladerinnen in Bayern. Foto: privat
  • Beerentöne wie Dunkelrot, Fuchsia, Violet, Rosa (im Bild purpurfarbene Calla) dominieren aktuell die Brautsträuße. Foto: Fotolia
  • Alles nach einem Farbkonzept: Von der Einladungskarte bis zum Blumenschmuck wird alles abgestimmt. Foto: Fotolia

Regensburg. Regensburg. Montags bis freitags wird geheiratet. Jeden Tag schickt der Fernsehsender „Vox“ Bräute in den Hochzeits-Wettkampf. Sie reden sich gegenseitig den schönsten Tag im Leben schlecht – bemäkeln nicht konsequent umgesetzte Farbkonzepte, lauwarmes Essen und ausbleibende Partystimmung. In Zeiten sozialer Netzwerke wollen immer mehr Paare nicht nur die Verwandtschaft, sondern ein großes Publikum beim Ja-Wort dabeihaben. Wer nicht Teil einer Fernsehsendung ist, präsentiert seine Tischdeko auf „Pinterest“, den Brauttanz auf Facebook und das Brautkleid im Hochzeitsforum – in der Hoffnung, möglichst viele Komplimente, also Likes, abzufischen. Heiraten ist zu einem Event geworden, zu einem Ereignis, alles soll stimmig und individuell sein, und ohne Motto geht es sowieso nicht mehr, sagen Andrea Hahn und Bianca von Hugo. Die beiden sind Hochzeitsplanerinnen in Regensburg. Mit ihrer Wedding-Agentur „HahnvonHugo“ betreuen sie bis zu zehn Hochzeiten im Jahr.

Etwa 350 000 Paare schließen in Deutschland jedes Jahr den Bund fürs Leben – steigenden Scheidungsraten zum Trotz. Ging es früher in die Kirche und dann in den mit weißen Tischdecken eingedeckten Wirtshaussaal nebenan, so muss es heute schon etwas Besonderes sein, wenn sich Mann und Frau ihre Liebe versprechen. Wenn bei Andrea Hahn und Bianca von Hugo das Telefon klingelt, dann ist meistens der zukünftige Bräutigam dran. „Er hat den Heiratsantrag gemacht, und damit war für ihn die Sache eigentlich erledigt. Doch dann soll er ständig Fragen der Braut nach einem Motto, nach Farbkonzepten, Tischkarten und wer weiß noch was beantworten. Das ist dann meistens der Punkt, wo die Braut am Verzweifeln ist und der Mann Hilfe holt“, erzählen die Weddingplanerinnen.

Etwa ein Jahr Planungszeit

Etwa ein Jahr Vorlauf brauchen Andrea Hahn, Expertin für Eventmarketing, und Bianca von Hugo, hauptberuflich in der Reisebranche tätig, um eine für das Paar perfekte Hochzeit zu planen. Bis sich die frisch Getrauten in die Hochzeitsnacht verabschieden, haben die Weddingplanerinnen hundert und mehr Stunden Arbeit investiert. Das Kennenlerngespräch ist kostenlos. Denn die Chemie muss stimmen, wenn die beiden kreativen Frauen ins Boot geholt werden. Schließlich werden sie auf längere Zeit zu engen Weggefährten. Am Ende kennen sie das Paar meist so gut, dass sie sogar eine Prognose über die Haltbarkeit der Ehe abgeben können. Tatsächlich hat sich erst eines der Paare, das die Weddingplanerinnen begleitet haben, wieder getrennt. „Und da haben wir eigentlich schon vor der Hochzeit geahnt, dass es nicht passt“, sagt Andrea Hahn.

Seit zehn Jahren sind die Regensburgerinnen inzwischen im Hochzeitsmarkt tätig, in der Zeit haben sich nicht nur die Ansprüche an den schönsten Tag im Leben, sondern auch das Budget immer weiter nach oben entwickelt. Zwischen 5000 bis 15 000 Euro geben Paare statistisch gesehen für ihre Hochzeit aus. Die Kunden von Andrea Hahn und Bianca von Hugo lassen sich das Fest durchschnittlich rund 25 000 Euro kosten. „Unsere teuerste Hochzeit lag bei etwa 70 000 Euro, dafür bekam das Paar aber auch eine große Sause in verschiedenen Räumen und im Kreuzgang des Fürstlichen Schlosses Thurn und Taxis mit sechs Musikgruppen inklusive Dudelsackspieler und Feuerwerk im Schlosshof.“

Der Wunsch nach Idividualität steht ganz oben, sagen die Expertinnen. Sie sehen sich dabei auch oft als Vermittler zwischen dem Paar. „Wenn die Braut unbedingt eine Prinzessinnenhochzeit in Rosa will, dann erfüllen wir natürlich den Wunsch, aber wir versuchen auch, das Farbkonzept so zu gestalten, dass der Bräutigam gut damit leben kann.“

In Regensburg gehören das Haus Heuport und der Herzogssaal zu den beliebtesten Hochzeitslocations. Aber Andrea Hahn und Bianca von Hugo haben auch schon auf Schiffen und in der Scheune eines Reiterhofes Hochzeitsfeste organisiert. Mit einer japanischen Hochzeitsgruppe mussten sie noch vor der Trauung in die Wurstlkuchl, anschließend zur Stadtführung und zum Einkleiden der Gäste. „Zwei Tage Hochzeitsmarathon und dann reisen sie wieder ab.“ Die Weddingplanerinnen sorgen dafür, dass der Terminkalender eingehalten und die Trauung trotz Zeitdruck feierlich wird. „Die japanischen und amerikanischen Brautpaare wollen nicht mehr alle nach Heidelberg, da holt die Welterbestadt Regensburg auf.“ Aber auch für die Einheimischen, so finden die Hochzeitsplanerinnen, kann man Plätze finden, die die Trauung und die anschließende Party exklusiv machen. Für Andrea Hahn und Bianca von Hugo kommt es aber vorrangig immer darauf an, dass die Feier zum Paar passt. „Es geht nicht um einen Wettstreit, sondern allein darum, dass es für sie der schönste Tag wird.“

So plant die Hochzeitsladerin

Auch Christa Riel aus dem Landkreis Neumarkt betreut seit 2011 Brautpaare auf dem Weg zum Ja-Wort. Sie ist eine von zwei Frauen in der Zunft der Hochzeitslader in Bayern. Wie ein Weddingplaner ist auch die Hochzeitsladerin früh in den Planungsprozess eingebunden. Sie bespricht mit dem Paar, wie es sich die Feier vorstellt, welche Elemente eingebaut werden sollen und wie lange gefeiert wird. Zudem hält sie den Kontakt zur Gastwirtschaft, zum Konditor, zum Pfarrer – wo immer das Paar Unterstützung braucht. Was den Hochzeitslader vom Weddingplaner unterscheidet, ist der traditionelle bayerische Einschlag und das künstlerische Element. Er lädt die enge Verwandtschaft persönlich zur Hochzeit ein, indem er ihr ein Gstanzl überbringt. „Das ist eine besondere Form der Wertschätzung des Brautpaares gegenüber den Gästen“, sagt Riel.

Über das Gstanzl-Singen ist die 39-jährige Neumarkterin auch zu der Aufgabe gekommen. Als sie einen Beitrag über Hochzeitslader im Fernsehen sah, da beschloss sie, ihre Leidenschaft fürs Singen und Dichten in diese Richtung auszubauen. Ihre erste Hochzeit leitete sie 2011 für Freunde. Inzwischen ist sie nicht nur in der Oberpfalz, sondern auch in Oberbayern und Schwaben unterwegs. Vier Hochzeiten pro Jahr nimmt sie an, sonst wäre das Hobby nicht mehr mit der Familie vereinbar, sagt sie. Der Trend, das merkt auch die Hochzeitsladerin, geht immer mehr zu sehr individuellen Vorstellungen, wie der schönste Tag im Leben ablaufen soll.

Das typische Brautstehlen werde seit etwa 15 Jahren immer weniger nachgefragt sagt Riel. Auch sie selbst hält nicht viel davon, wenn man zur Belustigung des Publikums frauenfeindliche Witze erzählt und dabei übermäßig Alkohol konsumiert. Riel bietet stattdessen lieber Volkstänze mit den Gästen an. Das kommt sehr gut an, berichtet sie. Typisch für eine Hochzeit mit Hochzeitslader ist auch das Gstanzlsingen, bei dem in Absprache mit dem Brautpaar besondere Gäste einen Gruß erhalten. Zudem ist sie zuständig, dass der zeitliche Rahmen der Feier eingehalten wird, was bei großen Hochzeiten mit 300 und mehr Gästen durchaus eine Herausforderung sei, sagt Riel. „Da muss man sich schon durchsetzen können.“ Als Hochzeitsladerin hat die 39-jährige auch schon manche Überraschung erlebt. Eine Tierärztin fuhr mit dem Traktor zum Standesamt und bekam nach dem Ja-Wort ein Schwein und eine Kuh geschenkt. Die Tiere standen quiekend und muhend vor dem Standesamt.

Hochzeitslader wie Weddingplaner sind dann zufrieden, wenn das Paar sich auf der Hochzeitsfeier zurücklehnen und das Fest genießen kann. Denn am Ende kommt es eben doch nicht auf das Farbkonzept, sondern die großen Gefühle an.

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