mz_logo

Bayern
Montag, 24. April 2017 16° 2

Kirche

Ganz schön viel Trubel für Benedikt

Der Papst emeritus feiert 90. Geburtstag – und singt im Vatikan mit Horst Seehofer trotz heiserer Stimme die Bayernhymne

Geburtstagsfest bei Bier und Brezn (von links): Ministerpräsident Horst Seehofer, der emeritierte Papst Benedikt XVI., sein Bruder Georg und Landtagspräsidentin Barbara Stamm Foto: dpa

Rom.Eine Hand nach der anderen schüttelt Benedikt. Die Schlange ist lang - jeder seiner gut 50 Gäste will ihm zum 90. gratulieren, in der prallen Sonne vor dem Kloster Mater Ecclesiae, wo der deutsche Papst emeritus seit seinem Rücktritt vor vier Jahren lebt. „Wolfratshausen!“, „Garmisch!“, „Sie kenne ich doch!“ und „Ganz schön, ganz ganz schön“ - auf jeden seiner Gratulanten, die fast alle aus der Heimat Bayern angereist sind, reagiert Benedikt XVI. aufmerksam und mit festem Händedruck. Dafür, dass dem schüchternen Joseph Ratzinger große Feierlichkeiten ein Gräuel sind, geht es am Montag in den Vatikanischen Gärten ausgesprochen trubelig zu.

„Diese Sünde ist erlaubt“, scherzt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der an Benedikts Seite unter dem Schutz eines Schirmes Platz genommen hat. Der CSU-Politiker trinkt wie der Jubilar ein Glas Likör, im Hintergrund: Wirtshausmusik. Vorher gab es schon Bier - und der bayerische Landesvater brachte dem Geburtstagskind auch frisch gebrühte Weißwürste und Brezn mit.

„Erfreulich, dass wir so schön beim blauen Himmel Roms zusammenkommen, der doch an den weiß-blauen Himmel von Bayern auch erinnert“, sagt Benedikt. Gekommen ist nicht nur Seehofer mit seiner Frau Karin, sondern auch Benedikts Bruder Georg, weitere Polit-Prominenz aus dem Freistaat und rund 30 Gebirgsschützen.

Was wissen Sie über den deutschen Papst? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (M) stößt im Vatikan mit einer Delegation aus Bayern, darunter auch Gebirsgsschützen, auf seinen 90. Geburtstag an. Links Privatsekretär Georg Gänswein. Foto: L’Osservatore Romano/pool

Für die sei es eine besondere Ehre, bei dem Geburtstag dabei zu sein, sagt Landeshauptmann Karl Steininger. Die Gebirgsschützen - Benedikt ist Ehrenmitglied der Kompanie Tegernsee - lägen dem früheren Kirchenoberhaupt besonders am Herzen. „Weil er eigentlich im Herzen (...) richtig bayerisch eingebunden ist, das liebt er halt, und das machen wir gern.“ Die Montur der traditionellen Schützenvereinigung - ein Kontrast zur feinen weißen Papstkleidung, die Benedikt auch einen Tag nach seinem eigentlichen Geburtstag am Sonntag trägt.

Die Regensburger Domspatzen grüßten Papst em. Benedikt XVI. aus der Ferne. Sie sangen für ihn im Dom das Lied „Ubi caritas et amor“ von Maurice Duruflé.

Seit seinem spektakulären Rücktritt im Februar 2013 lebt der gebürtige Bayer zurückgezogen innerhalb der Vatikanmauern mit Blick auf die prächtige Kuppel des Petersdoms. Dort betet er, liest, empfängt Besuche, macht Spaziergänge mit dem Rollator. Seine körperliche Verfassung lässt es nicht mehr zu, an großen öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen.

Am Montag, einen Tag nach seinem eigentlichen Geburtstag, wirkt er aber recht rüstig: spricht eineinhalb Minuten im Stehen, verteilt einen Segen, singt die Bayern-Hymne mit und hat eine gesunde Gesichtsfarbe. Aber die Augenlider sind schwer, die Stimme beim Sprechen ist belegt.

Pentlings Bürgermeisterin Barbara Wilhelm hat den Ehrenbürger ihrer Gemeinde bereits am Ostersonntag besucht.

Nur wenige Päpste in der zweitausendjährigen Geschichte des Amtes wurden älter als Ratzinger. „Mein Herz ist erfüllt von Dankbarkeit für 90 Jahre, die mir der liebe Gott geschenkt hat“, sagt er. „Da waren auch Prüfungen in schweren Zeiten, in allem hat er mich immer wieder weitergeführt, herausgeholt, so dass ich weitergehen konnte und von Dank erfüllt bin.“

In der Tat wird sein achtjähriges Pontifikat auch als Pontifikat der Krisen bezeichnet. Benedikt versuchte, den Glauben zu stärken und als Bewahrer seiner Kirche zu wirken. Die Gräben zwischen ihm und vielen Gläubigen wurden aber immer tiefer. Der Missbrauchsskandal, in den katholische Einrichtungen auf der ganzen Welt und auch in Benedikts Heimat verwickelt waren, erschütterte die Kirche bis ins Mark. Dem Pontifex wurde vorgeworfen, trotz seiner „Null-Toleranz“-Politik gegenüber Missbrauch nicht genug zu unternehmen.

Alles rund um Benedikt XVI. finden Sie in unserem Spezial. Zum Beispiel:

Rupert Hofbauer: Mein Nachbar, der Papst. Der Brandmeister und der Professor haben 1970 gebaut. Zu Benedikts Geburtstag am Ostersonntag spricht sein Gärtner über 47 aufregende Jahre.

Was bleibt vom Papst aus Bayern?

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht