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Bayern
Mittwoch, 20. September 2017 17° 6

Guttenberg-Buch

Guttenberg gerät in Oberfranken unter Druck

Nach seinen Angriffen auf die CSU schwindet auch der Rückhalt KTGs in seiner Heimat – und damit die Chancen auf ein Comeback.

In Guttenbergs Buch „Vorerst gescheitert“ unterhält sich Guttenberg mit dem „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über seinen Umgang mit eigenen Fehlern und über die Voraussetzungen für eine Rückkehr in die Politik.

Bamberg/München. Die Chancen von Karl-Theodor zu Guttenberg auf ein Comeback in der CSU sinken nach seinen Angriffen auf die eigene Partei. Der frühere Verteidigungsminister verliert nun auch in der CSU-Landesgruppe und in seinem heimischen CSU-Bezirksverband an Rückhalt. „Viele sind wie ich über alle Maßen loyal zu Karl-Theodor gewesen. Doch was er jetzt tut, überschreitet die Grenze des Hinnehmbaren“, sagte am Dienstag Thomas Silberhorn, Vizechef des oberfränkischen CSU-Bezirksverbands.

Der Bamberger Bundestagsabgeordnete ist der erste CSU-Politiker aus Guttenbergs oberfränkischer Heimat, der den Freiherrn so deutlich kritisiert. Das ist vor allem von Bedeutung, weil Guttenberg in Oberfranken wieder für den Bundestag nominiert werden müsste.

„Eine durchdachte Marketing-Strategie“

„Wer weit mehr als tausend Textteile von anderen Autoren abschreibt und unter seinem Namen als Dissertation einreicht, hat nicht nur den Überblick verloren, sondern keine eigenständige Arbeit abgeliefert“, kritisierte Silberhorn. Die Erklärung, nicht vorsätzlich getäuscht zu haben, möge man als Schutzbehauptung nachvollziehen können. „Glaubwürdig ist sie deswegen nicht.“ Guttenberg solle den „untauglichen Versuch der Legendenbildung beenden und die Maßstäbe, an denen er andere misst, auch an sich selbst anlegen“.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt ging ebenfalls auf Distanz, wenn auch weniger scharf. Zur Kritik Guttenbergs an der CSU, der Universität Bayreuth und CDU-Politikern sagte Hasselfeldt in Berlin: „Es war sicher eine durchdachte Marketing-Strategie. Ob sie unterm Strich optimal läuft, ist meines Erachtens durchaus fraglich.“ Sie glaube, dass ein Stück Demut jedem Politiker gut tue.

KTG bestreitet nach wie vor absichtliche Täuschung

Der Grund für den Ärger bei den Parteifreunden: Guttenberg spricht in seinem seit Dienstag im Buchhandel erhältlichen Interview-Buch „Vorerst gescheitert“ der CSU den Rang der Volkspartei ab, wirft ihr mangelnde Innovation und verlorene Träume vor. Außerdem bezichtigt er sich selbst der Dummheit beim Verfassen seiner Doktorarbeit – bestreitet aber nach wie vor, dass er absichtlich getäuscht hat.

CSU-Chef Horst Seehofer will das Buch nicht lesen, wie er am Rande der Landtagssitzung sagte. Nach seiner Darstellung stimmen manche Schilderungen Guttenbergs nicht mit seinem eigenen Wissen überein. So habe er von einer Rücktrittsabsicht Guttenbergs für das Jahr 2013 nichts gewusst, von der der Freiherr in dem Buch erzählt.

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