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Bayern
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

MZ-Serie

Hier hört man das Flüstern des Bieres

Für viele Franken ist es der Inbegriff der Wirtshauskultur: die große und leistungsfähige Gaststätte vom Mönchshof Bräuhaus.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Berühmt sind hier die langen Schanktresen mit den leistungsfähigen, dickrohrigen Zapfanlagen: die Wirtin vom Mönchshof-Bräuhaus Monika Steiner, dahinter die Köchin und Servicekraft Sina. Fotos: Gabi Schönberger
  • Maskottchen und Firmenlogo: der zufrieden dreinschauende Mönch

Kulmbach.Als Wilhelm IV., Herzog in Bayern, am Georgitag zu Ingolstadt anno 1516 eine Brauvorschrift erließ, die heute als „Bayerisches Reinheitsgebot“ jedermann bekannt ist, wurde im Kulmbacher Mönchshof schon seit mehr als 150 Jahren Bier gebraut.

Von den braven Zisterziensermönchen ist nicht bekannt, dass sie ihr Kulmbacher Bier mit üblen Zutaten veredelt hätten – andernorts war Bierpanscherei allerdings gang und gäbe. Herzog Wilhelm wusste, dass ein Verbraucherschutz-Erlass dringend geboten war: Dunkelbier wurde damals gern mit Ruß eingefärbt, saures Bier mit Kreide „gesüßt“, vor Zugaben von Fliegenpilz oder dem gemeinen Stechapfel schreckte man nicht zurück.

„Forthin solle allenthalben zu keinem Bier mehr als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet werden“, hieß es, „und wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtig weggenommen werden.“ Reine Hefe, die man im 16. Jahrhundert noch nicht züchten konnte, durfte später hinzukommen.

Zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebotes ist man in Kulmbach, das sich gern „die heimliche Hauptstadt des Bieres“ nennt, gut aufgehoben: auf dem Gelände des historischen Mönchshofes existiert neben Bäckerei- und Brauereimuseum seit vorigem Herbst auch Deutschlands größtes Gewürzmuseum. Nach dem Rundgang besucht man am besten – nur wenige Schritte gegenüber – die historische Gaststätte des Mönchshof Brauhauses und diskutiert über die im Biermuseum ausgestellte 3000 Jahre alte Bieramphore aus dem Kulmbacher Land, dem ältesten Beweis für die Bierbrauer-Tradition in ganz Deutschland.

Jedem Gästeansturm gewachsen

Der Biergarten mit Bühne („Gery und die Johnboys“) und das Rondell für die Blaskapelle sind von gewaltigem Ausmaß, Aufkleber wie „Tisch 308“ weisen daraufhin hin, dass man hier jedem Ansturm hungriger und durstiger Busreisender gewachsen ist: „Wir hatten 4000 Gäste bei der Motorrad-Sternfahrt am vorigen Wochenende“, sagt Monika Steiner (45), die Wirtin. „Da war aber auch das Wetter besser.“

1846 entstand das erste „Mulz- und Brauhaus“ auf dem heutigen Areal, und 1884 kaufte ein gewisser Heinrich Hering das gesamte Anwesen für 400 000 Goldmark. Die Bierqualität mit dem weichen Brauwasser aus dem nahen Fichtelgebirge sprach sich herum. Mönchshof erhielt 1892 einen Gleisanschluss an die König-Ludwig-Süd-Nord-Bahn und 1904 öffnete endlich der Mönchshof-Biergarten mit damals noch jungen Kastanienbäumen.

Küchenchef Berthold Hübner (50), den die Wirtin im Fichtelgebirge kennengelernt hat, sorgt für die deftigen, fränkischen Spezialitäten eines klassischen Ausflugslokals. Da gibt es die legendäre Kulmbacher Bratwurst, aus der Pfanne mit Bratkartoffeln und Sauerkraut oder eingezwickt im Stollen, der anisbestreuten Semmel.

Historische Wirtshäuser in Oberfranken

Renner sind natürlich die knusprig gebratenen, fränkischen Schäufele mit Schwarzbier-Kümmelsoße und Kartoffelkloß, gepökeltes Kulmbacher Krenfleisch oder Sauerbraten „aus der falschen Rinderlende“ in Lebkuchensoße. Da die Wirtin aus Spittal an der Drau in Kärnten stammt, finden sich auch einige österreichische Spezialitäten auf der Karte, etwa die Tiroler Knödelsuppe mit Speckknödeln und – „danach“ – exquisite, hausgemachte Marillenknödel mit Butter-Nuss-Brösel oder Eispalatschinken.

Reisegruppen sind entzückt

In den rustikalen Saal mit Bühne, gewölbter Decke und einer der dickrohrigen Zapfanlagen passen bis zu 260 Gäste. Amerikanische und japanische Reisegruppen sind entzückt vom altfränkischen Ambiente. „Die Japaner möchten immer alle gemeinsam von einer großen Platte essen“, berichtet die Wirtin, „das sollte man beachten.“

Großer Beliebtheit erfreut sich auch Hans-Dieter, ein rundlicher Herr mit Mönchskutte und weißen Haaren, der vergnügliche Bierkurse abhält. „Wenn er spricht und die Feinheiten des Biergenusses erläutert, ist es mucksmäuschenstill im Saal“, berichtet Monika Steiner. „Dann hören Sie nur das, was ich ,das Flüstern des Bieres‘ nenne, eine mystische Mischung aus vergehendem Schaum, Duft und Vorfreude auf den nächsten Schluck.“

Hans-Dieter ähnelt auf vorteilhafteste Weise dem Wahrzeichen und Maskottchen der Brauerei: dem behäbig und überaus zufrieden dreinschauenden Mönch mit dem frisch gefüllten Bierkrug, dem man in der Gaststätte buchstäblich an jeder Ecke begegnet.

Die Mönchshof-Brauerei, die mindestens zwölf Biersorten in der Bügelflasche erzeugt, gehört zur Kulmbacher Brauerei-AG, einer der größten und umsatzstärksten deutschen Brauereikonzerne mit einem Gesamtabsatz von 3,19 Millionen Hektolitern.

Jedes Jahr im August trifft sich auch der Bayreuther Festspielchor mit 100 Personen im klösterlichen Saal: „Natürlich singen die auch“, erinnert sich die Wirtin, „man hört außerhalb aber nichts. Die Mauern sind zu dick.“

Lage des Gasthauses in Kulmbach:

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