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Bayern
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Auszeichnung

Hilfe für kranke Flüchtlinge

Die AG Migrantenmedizin bekommt den Bayerischen Staatspreis. 2009 schlossen sich Studenten zusammen, um Asylsuchenden bei Arztbesuchen beizustehen.
von Christine Strasser, MZ

Medizinstudentinnen begleiten einen Flüchtling in die Sprechstunde. Foto: AG Migrantenmedizin

Regensburg.Schlaflosigkeit. Herzbeschwerden. Ausschlag. Appetitlosigkeit. Diese Reihe ließe sich noch lange fortsetzen. Medizinische Probleme sind in Flüchtlingsunterkünften ein großes Thema. Denn viele Asylsuchende sind dem Hunger und der Armut in ihren Heimatländern entflohen. Schon vor oder während der Flucht haben einige Gewalt und Misshandlung erlebt. Trotzdem verschieben etliche Flüchtlinge eine dringend notwendige Behandlung mitunter so lange, bis sie ihre Schmerzen nicht mehr aushalten oder ihre Erkrankung sogar lebensbedrohliche Ausmaße annimmt. Mit ihren lückenhaften Sprachkenntnissen sind sie oft hilflos.

Hier setzt die Arbeit der AG Migrantenmedizin Regensburg an. 25 Medizinstudenten haben sich 2009 zu diesem Arbeitskreis zusammengeschlossen. Meist kommt der Kontakt zu den Kranken über die Caritas zustande. Behandeln können die angehenden Ärzte die Asylsuchende zwar nicht, aber sie helfen dabei, Sprachbarrieren zu verringern und Papierkram zu erledigen. Sie begleiten die Flüchtlinge zum Arzt, erklären ihnen die Diagnose und stehen ihnen bei, sich im Dickicht des deutschen Gesundheitssystems zurechtzufinden. Weil das größte Hindernis die mangelnden Deutschkenntnisse sind, gehört auch ein Dolmetscher-Netzwerk zum Arbeitskreis. 2012 haben die Studenten auch einen Verein gegründet, um die AG Migrantenmedizin zu institutionalisieren.

Heute bekommen die Studenten für ihr Engagement den Preis der Bayerischen Landesstiftung. Die AG Migrantenmedizin gehört zu den Ausgezeichneten im Bereich Soziales. Insgesamt ist der Preis mit 30000 Euro dotiert.

Schon der erste Fall, den die AG Migrantenmedizin übernahm, zeigt, wie die Studenten betonen, dass mit kleinen Mitteln viel Positives bewirkt werden kann. Ein junger Iraker litt unter Bauchschmerzen. Er war wiederholt wegen Magengeschwüren operiert worden. Eine Besserung war trotzdem nicht eingetreten. Er war mehrmals in die Notaufnahme gebracht worden. Wegen Verständigungsschwierigkeiten war eine fachgerechte Diagnose nicht möglich. Der Iraker bekam Schmerzmittel, wurde entlassen und litt weiter. Auch mit einem Hausarzt hatte der Mann Kontakt aufgenommen. Als die AG Migrantenmedizin diese Krankengeschichte zusammengetragen hatte, suchten die Betreuer zusammen mit dem jungen Mann den Hausarzt auf. Es stellte sich heraus, dass der Arzt dem Iraker ein Medikament verschrieben hatte, das die Säureproduktion hemmen sollte. Aber der Iraker hatte nicht verstanden, dass er die Tabletten regelmäßig nehmen musste – und nicht erst, wenn er Schmerzen hatte. Die Studenten schafften es, ihm das klarzumachen. Dem Mann ging es danach zusehends besser. Seine neu gewonnenen Kräfte setzte er ein, um besser Deutsch zu lernen und einer Arbeit nachzugehen.

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