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Bayern
Sonntag, 19. November 2017 7

Kabarett

Hingerissen von Stoiber, äh, Krebs

Der Kabarettist Wolfgang Krebs ist zum neunten Mal als Stoiber beim Gillamoos und bringt die Zuhörer wie immer zum Johlen.
Von Christine Strasser, MZ

Der Kabarettist Wolfgang Krebs brachte das Publikum auch heuer wieder mit politischen Spitzen zum Toben. Foto: Pieknik

Abensberg.Ihm gelingt es jedes Jahr, der Polit-Prominenz die Schau zu stehlen: Kabarettist Wolfgang Krebs feuert allen voran in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber auch diesmal beim Politischen Gillamoos in Abensberg Gags im Sekundentakt ab. Wobei er beim Stichwort Prominenz in den anderen Zelten nur verächtlich abwinkt. „Wer spricht denn da?“, fragt er als bester Ministerpräsident, den wir in Bayern nie hatten „„Die SPD hat einen gewissen Ralf Stegner eingeladen. Der war mal irgendwas in Schleswig-Holstein. Also im vorderen Grönland.“

Die „Kandisbrunzlerin“

„Servus, ich bin der Markus. Und da bin ich daham“ – Auch als Markus Söder stand Wolfgang Krebs auf der Bühne. Foto: Straßer

Das Publikum im voll besetzten Ottenbräuzelt johlt – und bekommt in einer Stunde gleich vier Redner zu hören: den amtierenden „hö, hö“ Ministerpräsidenten Horst Seehofer, den Möchtegern-Thronfolger, „obwohl es in Bayern ja keine Monarchie gibt“ Markus Söder und Schorsch Scheberl, der auf dem Land wohnt, aber Bescheid weiß über Neubaugebiete und mehr, und natürlich der „ehemalige Ministerpräsident meines ehemaligen Bayern“ Edmund Stoiber. Und irgendwie ist auch die „Kandisbrunzlerin“, also diese Dings, die „Kanzlerfrau“ zugegen: die Merkel, die – weil das ja klar ist – sage, dass es keinen Haircut, also Haarschnitt, geben wird. Aber das müsse sie eigentlich gar nicht sagen, dafür reiche schon ein Blick auf ihre Frisur.

Es ist das neunte Mal, dass Wolfgang Krebs auf dem Gillamoos auftritt. Für ihn ist das also mehr oder weniger ein Heimspiel und dementsprechend zahlreich strömen die Fans schon frühmorgens ins Zelt. Mit heimlicher Tonprobe ist es nichts. Etliche Bänke sind schon gefüllt, als Krebs um 8.45 Uhr das Mikro testet. Den Platz ganz vorne hat sich wie immer Franz Handschuh gesichert. Er ist Vorsitzender des FC-Bayern-Fanclubs Sandharlanden und sowas wie der Ehrenvorsitzende eines inoffiziellen Wolfgang-Krebs-Fanclubs. In den vergangenen neun Jahren hat Handschuh keinen Gillamoos-Auftritt des doppelten Edi verpasst. Als standesgemäß der Defiliermarsch für den falschen Ministerpräsidenten erklingt und das Publikum zum ersten Mal tobt, entrollt Handschuh sein Transparent. „Edmund – König der Bayern“ hat er darauf geschrieben.

Damit meint er nicht den echten Stoiber. Der echte Stoiber, der Detailversessene, der Problembär-Jäger, der Transrapid-Stotterer, war nie so witzig und gemein wie der Stoiber, den Krebs mit nach oben gerecktem Kinn aufmarschieren lässt. Dieser falsche Stoiber wirbt auch ausgesprochen offen für die Aufnahme von Flüchtlingen. „Es ist schon so, dass wir Mitleid haben, wenn Menschen im Meer ertrinken. Im Meer, in dem wir vielleicht im letzten Urlaub geschwommen sind“, ruft er ins Bierzelt, in dem dann doch kurz die Lacher verstummen und neben Bier und Brezen aufmerksam zugehört wird. Der falsch Stoiber versteht, dass jemand, wenn er zuhause keine Arbeit habe, woanders hin fahre. „Das ist wie bei den Pendlern. Wer im Allgäu wohne und dort keine Arbeit bekomme, der gehe eben nach München.“

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Wenn der Spüler fehlt

Als doppelter Edmund Stoiber brachte Wolfgang Krebs die Zuhörer im Ottenbräuzelt zum Toben. Foto: Straßer

Bayern habe doch abgesehen von ihm gar keinen Politiker mehr, der im Kreis der G7 überhaupt bekannt sei, meint der falsche ehemalige Ministerpräsident hochfahrend. Drüben im Zelt der CSU sei ja nichts mehr los. „Kein Wunder wenn der Spüler äh Spielführer fehlt“, sagt der falsche Stoiber und andere verdrehte Dinge, die schon ihre Richtigkeit haben. Beispielsweise wenn er über den Doofrindt schimpft und die Maut oder den Blow-up-Minister Herrmann, der endlich die niederbayerischen Autobahnen reparieren soll. Dass er als Alternativprogramm beworben wurde, bringt den falschen Stoiber noch mehr in Fahrt. Er, der sich immerhin auskenne, mit „dem ganzen Gebrüssel“ und er, der im Grunde der wahre Gastgeber des G7-Gipfels auf Schloss Elmau gewesen sei. Schließlich sei Elmau sein südlicher Zipfel, also der südliche Zipfel seines Wahlkreises.

Auch auf die Demonstranten in Elmau sei kein Verlass gewesen. „Erst anreisen und dann keinen Stein werfen. Wofür haben wir denn 50 000 Polizisten hingestellt? Das werden wir den Linken in Rechnung stellen“, kündigt er an. Und die Opposition bittet dieser Stoiber, sich zusammenzureißen. „Bayern braucht eine starke Opposition, weil man dann schöner regieren kann.“ Nur wenn eine Opposition da sei, könne man sie auch ignorieren. „Und ich versichere Ihnen, ich kann jemanden so sehr ignorieren, bis er selbst glaubt, er sei gar nicht da!“, ruft der doppelte Edmund. Die Zuhörer sind „hingerichtet, äh, hingerissen“.

Der Politische Frühschoppen auf dem Gillamoos stand heuer ganz im Zeichen der Flüchtlingskrise. Einen zusammenfassenden Überblick über den Redewettbewerb lesen Sie hier.

Alles rund um den Gillamoos finden Sie in unserem MZ-Spezial.

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