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Bayern
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Gillamoos

Hubert Aiwanger lässt sich als Heimatschützer feiern

Der Bundesvorsitzende der Freien Wähler keilt in Abensberg keilt kräftig aus – und skizziert sich selbst als Retter.
von Marianne Sperb, MZ

„Merkel ist die Mutter der AfD“: Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender der Freien Wähler, keilt im Weißbierstadel gegen die Kanzlerin. Foto: dpa

‚Abensberg. Abensberg. Volles Haus für Hubert Aiwanger am Gillamoos: Im Weißbierstadel schritt der Bundesvorsitzende der Freien Wähler die Eckpunkte des Wahlprogramms ab. Mittelstand stärken, Soli und kalte Progression abschaffen, Familien unterstützen, das waren einige seiner Kernpunkte.

Aiwanger machte seine Strategie von Anfang an klar: Gegen den politischen Gegner keilen und die eigene Partei als unverzichtbare Größe in Berlin herausstreichen. Christian Lindner, Spitzenmann der FDP, der zur gleichen Zeit im Zelt nebenan seinen Wahlkampfauftritt absolvierte, griff Aiwanger gleich zum Auftakt scharf an. „Wer zahlt dir deine Wahlplakate? Doch nicht deine Mitglieder!“ Lindner lasse sich von seiner Klientel, von Medizin- und Pharmaindustrie, zahlen. Karl-Theodor zu Guttenberg, Wahlkampfhelfer der CSU, machte Aiwanger madig mit Verweis auf „eine falsche Doktorarbeit und eine ruinierte Bundeswehr, das ist alles, was er gebracht hat“, bevor er deftig und auch persönlich zur Sache ging: Er hielt Guttenberg, dem „Mann mit zehn Vornamen“, sein adliges Elternhaus vor und meinte: Wenn der Ex-Bundesminister wieder ein Star der CSU sei, dürfe dessen Partei nicht mehr mitregieren.

Auch an der Kanzlerin arbeitete sich Aiwanger ab. Angela Merkel fahre das Land an die Wand, Bayerns Ministerpräsident fahre mit. „Seehofer, lass uns mit deinen Visionen in Ruhe“, rief Aiwanger, und: „Merkel ist die Mutter der AfD.“ Ohne sie hätten radikale Kräfte nicht erstarken können. Die FW dagegen beziehe ihre Stärke „von unten“, das mache sie zur Gefahr für das Establishment, für den „rot-schwarz-grün-gelb-braunen Einheitsbrei“. Marode Straßen brachte Aiwanger gegen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Stellung.

Viel Raum in seiner Rede widmete der FW-Frontmann dem Umgang mit Flüchtlingen. Er forderte klare Kante gegenüber Straftätern aus Migrantenkreisen und gegenüber abgelehnten Asylbewerbern, die längst abgeschoben sein müssten. „Wenn Sie Ihre Mahngebühr nicht zahlen, haben Sie den Gerichtsvollzieher im Haus“, rief er den Zuhörern zu. Und an die Regierenden: „Kümmert euch ein bisschen weniger um anständige, rechtschaffene Bürger, und mehr um die, die nicht hier sein sollten.“ Gleichzeitig positionierte er sich und die FW als Partei, die „klar für Humanität“ eintrete.

Das Gesundheitswesen stärken, bessere Altersrenten, gesunde Lebensmittel ohne TTIP, TISA und Ceta, gegen Brüsseler Zentralismus und gegen Rettungsschirme von Banken: Hubert Aiwanger zeichnete die FW als Partei, die bodenständig für die Interessen von kleinem Mann und Mittelstand eintrete. „Wir brauchen die FW in Berlin“, rief Aiwanger. „Wir setzen uns ein, so weit die Füße tragen, um unser Land zu schützen. Als vernünftige Alternative in der Mitte.“

Zum Auftakt des Auftritts im Weißbierstadel hatte Alexander Hold, bekannt als TV-Richter und als Kandidat der FW für das Amt des Bundespräsidenten, bereits die Marschrichtung vorgegeben. Er höhnte über Versprechen von SPD und Union: „Sie wollen es besser machen, wenn sie an der Regierung sind. Aber: Sie regieren ja – schon viel zu lange.“ Die FW skizzierte er als Graswurzelpartei, ohne die es in Berlin nicht gehe.

Mit Beifall, Blasmusik und Bayernhymne klang der FW-Auftritt aus. Die Besucher im Stadel sangen die Hymne innig mit.

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