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Bayern
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Musik

Intensive Klänge in der MZ-Kantine

Der Singer-Songwriter Markus Rill gab ein exklusives Konzert. Auch der Regensburger T. G. Copperfield kam mit auf die Bühne.
von Alois C. Braun, MZ

Markus Rill (links) und T. G. Copperfield haben in unserem Medienhaus bewiesen, dass sie wahre Vollblutmusiker sind. Fotos: Braun

Regensburg.Es ist ohne Zweifel ein echtes Schmankerl, das die Mittelbayerische Zeitung an diesem heißen Sommerabend im Kantinen-Konzert präsentiert: Markus Rill. Im Gespräch mit den Zuschauern stellt sich schnell heraus, dass die meisten Besucher den Singer/Songwriter bis vor wenigen Wochen gar nicht kannten. Damals erschien sein Porträt in der MZ – und weckte Interesse bei den Lesern.

Die Songs des hauptberuflichen Journalisten sind zugänglich und mit Hingabe präsentiert. Beim Deutschen Countrypreis 2016 war er erfolgreich, als bester Sänger und mit der besten CD des Jahres („Dream away“). Doch Rill weiß um die Nischenposition seiner Musik. Im Konzert erzählt er lachend, dass erst kürzlich bei Deutschlandradio Kultur einer seiner Songs gespielt wurde: „Um 3.43 Uhr morgens!“ Überhaupt versteht es Rill glänzend, immer wieder die Songs mit hörenswerten Geschichten einzuleiten. Er hat viel zu erzählen und findet sofort den Draht zum Publikum.

„Fühlt euch geliebt“, sagt er zu Beginn des Konzerts und spielt dann erst einmal leise Akustiksongs. Songs, die höchste Songwriterkunst in unterschiedlichen Stilen offenbaren. Americana ist der Begriff, der dieser Musik wohl am nächsten kommt. Rill, der sein Handwerk auch in den USA gelernt hat, erzählt von seinen Wohnorten – auf der Landkarte ein Weg nach unten: „Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Aschaffenburg, studiert in Würzburg, inzwischen mit Münchener Autokennzeichen. Irgendwann lande ich in Österreich“, lacht er.

Einen kurzen Videomitschnitt von der MZ-Kantine sehen Sie hier.

Bei „Hobo Dream“ vom gleichnamigen Album spielt er erstmals die Mundharmonika und zeigt eine neue Facette. Man merkt, dieser Mann geht in seiner Musik auf. Auch wenn die Kantine noch mit Tageslicht geflutet ist, schadet das der Stimmung nicht.

Das Publikum hört aufmerksam zu. Klar, als Markus Rill augenzwinkernd erzählt, dass er in Nashville gelernt habe, echte Musikfans würden auf den Stühlen tanzen, folgen die Zuschauer – erwartungsgemäß – seiner Aufforderung nicht. „Da ist Spielraum nach oben“, kommentiert der Sänger wenig überrascht und erzählt dann über eine Plattenproduktion mit Duane Jarvis. „Als ich ihn fragte, ob ich mit meinem angesparten Budget ein Album aufnehmen kann, meinte er zunächst ernüchternd: Ja, die A-Seite“, erinnert sich Rill. Dank der vielfältigen Kontakte von Jarvis in die amerikanische Musikszene klappte es aber in Nashville doch mit der Produktion einer vollen Platte.

Die Sandalen dürfen nicht fehlen

Mehr als 20 Jahre ist Rill nun unterwegs. Das dabei Erlebte ist vielfältig und lässt einen schmunzeln. Etwa, wenn der typische Besucher eines Folkfestivals in den USA beschrieben wird: „Gebatiktes T-Shirt, kurze Hose, Sandalen“, schmunzelt Rill und fügt hinzu: „Und wenn er in den Sandalen Socken trägt, dann ist er deutscher Abstammung.“ Markus Rill verlässt sich bei seinem Set nicht nur auf erprobte Songs aus seinem Repertoire, sondern spielt mit „Words of apology“ auch einen brandneuen, unveröffentlichten Titel. „Walk on water“ beschäftigt sich mit Heiratsschwindlern im Speziellen und Blendern im Allgemeinen. Die Melodie bleibt sofort im Ohr.

Markus Rill erzählt augenzwinkernd über eine Phase in deutschen Filmen und Serien, in der „immer ein Heiratsschwindler mitspielte. Man erkannte sie am Einsteck- oder Halstuch“. Ernst wird es beim Song „Losing my mind“, der die Krankheit Alzheimer zum Thema hat. Über das Internet hatte Rill Kontakt zu einem an der Krankheit Leidenden, der in einem Blog seinen Verfall dokumentierte.

Für den letzten Teil des Konzerts kommt dann der Regensburger T. G. Copperfield mit auf die Bühne. Beide hatten noch nie zusammen gespielt – doch das Publikum erlebte eine exklusive Darbietung. Der Gitarrist von 3 Dayz Whizkey, der auch solo und mit eigener Band unterwegs ist, bringt eine weitere Farbe in dieses Konzert. Das Ganze hat nun packenden Sessioncharakter. Es ist wunderbar zu sehen, wie die beiden Vollblutmusiker gefühlvoll harmonieren und die Songs, trotz lediglich kurzer Probe vor dem Auftritt, auf der Bühne zelebrierten. Von Copperfields Solo-CD gibt es den Titel „The fire went out“ zu hören. Nicht nur bei diesem Song machen sich die zweite Stimme und die eingestreuten Soli sehr gut, bringen das Publikum endgültig zum Auftauen. Und auch das Mitsingen klappt hervorragend.

Eine unverstärkte Zugabe

Weitere Fremdkompositionen folgen. Von Bob Dylan „You ain’t going nowhere“ und von den Oberpfälzer Musikern Franz Schuier und Hubert Treml „Engl aaf da Stöing“. Letzterer in der von Rill übersetzten englischen Version. Damit ist auch der Zugabenteil eingeläutet. Zum letzten Lied kommt Markus Rill dann von der Bühne, stellt sich vor das Publikum, spielt vollkommen unverstärkt und alleine eine zerbrechliche und intensive Version von „My rocket ship“.

Der Song entstand an einem Tag, an dem auf dem Weg in ein Hotel in Dänemark so ziemlich alles schiefging. Er kam komplett durchnässt im Zimmer an. Mit der Gitarre in der Hand wurde sich der Musiker aber schnell darüber bewusst, dass er eigentlich nichts zu beklagen hat – und dieser Song entstand. Ein wunderbarer Schlusspunkt für ein außergewöhnliches Kantinen-Konzert.

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