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Fussball

Investor droht dem Jahn mit Klage

Nach der Verteilung eines Flugblattes will Schober eine Unterlassungserklärung. Die Vereinsführung nimmt es sportlich.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Dieser Flyer wurde am vergangenen Sonntag in der Continental-Arena verteilt. Foto: Krenz

Regensburg.Der Streit zwischen Investor Philipp Schober und dem Fußballclub SSV Jahn Regensburg eskaliert: Am Freitag erfuhr unser Medienhaus, dass Schober die GmbH & Co. KGaA des Fußballclubs, an der er mit seiner Firma Global Sports Invest AG rund 90 Prozent der Anteile hält, zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert hat. Es geht um eine Flugblattaktion der Fans am vergangenen Sonntag in der Continental-Arena in Regensburg, die durch Jahn-Geschäftsführer Christian Keller genehmigt worden war. Jahn-Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer bestätigte gegenüber unserem Medienhaus, dass sich der Verein und der Investor in einer juristischen Auseinandersetzung befinden.

„Ein offener Boykottaufruf“

In dem Flyer, den die Fans der Hans Jakob Tribüne beim Spiel des SSV Jahn gegen den 1. FC Nürnberg auf den Sitzen verteilt hatten, hieß es unter anderem: „Philipp Schober soll bewusst sein, dass er beim SSV Jahn nicht willkommen ist“. Bereits Anfang Juli hatten die „Ultras Regensburg“ einen Brandbrief auf ihrer Homepage veröffentlicht, Auszüge daraus fanden sich auf dem Flugblatt.

Investor Schober ließ in einem Schreiben an Geschäftsführer Keller, das unserem Medienhaus vorliegt, mitteilen, dass er den im Flyer enthaltenen „offenen Boykottaufruf seiner Person und seines Umfeldes“ nicht hinnehmen werde. Die KGaA, wird aufgefordert, weitere Schober in seiner Reputation schädigende Flugblätter oder ähnliche Publikationen zu verhindern. Nach Ansicht von Schobers Rechtsbeistand träfen die KGaA und insbesondere Geschäftsführer Keller eine Pflicht zur Rücksichtnahme auf die Interessen der Anteilseigner. Es sei widersprüchlich, dass das sportliche Fortkommen des SSV Jahn aus der finanziellen Beteiligung Schobers auf der einen Seite einen Nutzen ziehe, Schober jedoch andererseits unter Zuhilfenahme rechtswidriger Praktiken aus seiner Position hinausgedrängt werden solle.

Hier lesen Sie das Interview, das Philipp Schober unserem Medienhaus kurz nach seinem Einstieg als Investor beim SSV Jahn gab.

Beim Jahn sieht man das Vorgehen des Investors mit Gelassenheit. Es habe schon vor diesem Schritt keine Basis für eine Zusammenarbeit gegeben, sagte Rothammer. Die Androhung einer Unterlassung nimmt der Verein sportlich. „Wir haben juristische Vorkehrungen getroffen. Zur Abwehr einer einstweiligen Verfügung haben wir bereits eine sogenannte Schutzschrift beim Zentralen Schutzregister hinterlegt.“ Ob beim Pokalspiel gegen Darmstadt 98 am heutigen Samstag in der Continental-Arena erneut Flugblätter von Jahn-Fans verteilt werden, weiß Rothammer nicht. Auch nicht, ob andere Aktionen geplant sind.

Für Verärgerung sorgte deshalb die Ankündigung von Schobers Anwältin, dass man auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) über die Verbreitung des Flyers informiert habe, um mutmaßliche Verstöße des Vereins prüfen zu lassen und die DFL auf von ihr zu treffende Sanktionen wie Vertragsstrafen aufmerksam zu machen. Rothammer konterte im Gespräch mit unserem Medienhaus, dass dies eine „peinliche, parajuristische Pöbelei ohne jegliche inhaltliche Substanz“ sei. Sie werde „die Fans und Verantwortlichen des Vereins noch näher zusammenrücken lassen“.

Kein unüblicher Vorgang

Rein juristisch betrachtet ist es kein unüblicher Vorgang, dass ein Gesellschafter zum Schutz der Gesellschaft gegen seiner Ansicht nach problematische Handlungen der Gesellschaft vorgeht. Unklar ist, ob die Anteile an der KGaA inzwischen überhaupt in das Eigentum der Global Sports Invest AG übergegangen sind. Im Gespräch mit der Zeitung „Der Neue Tag“ hatte Schober am vorvergangenen Donnerstag erklärt: „Stand heute sind wir immer noch kein Anteilseigner.“ Als Grund nannte er die angekündigten Klagen der Miteigentümer. Der ehemalige Sportchef Franz Gerber hatte nach der außerordentlichen Hauptversammlung, in der der Übernahme der Tretzel-Anteile durch die Global Sports Invest AG zugestimmt worden war, entsprechende Schritte angekündigt. Derzeit prüfen Anwälte, ob es dafür eine rechtliche Grundlage gibt.

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