mz_logo

Bayern
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Gericht

Käufliche Liebe mit „Blüten“ bezahlt

Ein Frührentner aus dem Landkreis Cham gestand, Falschgeld hergestellt zu haben. Das gab er bei Prostituierten aus.
Von Marion von Boeselager, MZ

Seit Dienstag steht ein 55-jähriger Frührentner aus dem Landkreis Cham wegen gewerblicher Geldfälschung in 30 Fällen vor dem Landgericht Regensburg. Foto: Armin Weigel

Regensburg.Er besuchte immer wieder Prostituierte, doch für die Zärtlichkeiten zahlte er nicht mit echten Banknoten, sondern mit „Blüten“. Seit Dienstag steht ein 55-jähriger Frührentner aus dem Landkreis Cham wegen gewerblicher Geldfälschung in 30 Fällen vor dem Landgericht Regensburg. Er soll falsche Scheine im Wert von 11630 Euro hergestellt und für käufliche Liebe ausgegeben haben. Die Staatsanwaltschaft listete in ihrer Anklageschrift 172 solche Schäferstündchen im Raum Regensburg auf.

Nach langen Rechtsgesprächen zwischen den Prozessbeteiligten hinter verschlossenen Türen legte der Angeklagte ein Geständnis ab.

Vom Vater tyrannisiert

Unter Tränen erzählte der verheiratete Familienvater, der nach wie vor in seinem Elternhaus lebt, seine Eltern hätten ihn als „Depp vom Dienst“ behandelt. Er habe sich von ihnen unterdrückt gefühlt. Sein Bruder habe Jura studieren dürfen, er hingegen habe das Gymnasium nach der 11. Klasse abbrechen müssen: Die Eltern hätten von ihm verlangt, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Auch nach seiner Heirat änderte sich nichts Wesentliches an den Verhältnissen, sagte der Angeklagte. Der Vater habe ihn regelrecht tyrannisiert.

Als 2013 dann ein Tumor in seinem Kopf diagnostiziert wurde, der operativ entfernt wurde, habe er sich mit Suizidgedanken getragen. Während einer Reha-Maßnahme sei es dann zu den ersten Besuchen bei Prostituierten gekommen, die ihm Nähe und Zärtlichkeiten gaben, die er wohl vermisste. Damals will er die Liebestdienste aber noch mit echtem Geld bezahlt und erst ab 2014, als das Geld knapp wurde, „Blüten“ als Zahlungsmittel verwendet haben.

Einmal bereits verurteilt

Laut Anklage stellte der 55-jährige die falschen 100-, 50-, 20- und Zehn-Euro-Scheine ab Ende 2013 etwa alle fünf Wochen auf dem HP-Deskjet-Kopierer in der Werkstatt seines Vaters her. Bei dieser Tätigkeit wurde der 55-Jährige aber 2013 schon einmal erwischt. Er wurde wegen Geldfälschung verurteilt und steht unter offener Bewährung.

Die neuerliche „Blüten“-Produktion kam ans Tageslicht, als ein Mann an einer Tankstelle in Neutraubling (Landkreis Regensburg) mit falschen Zehn-Euro-Scheinen bezahlen wollte und hinter dem Kunden ein Polizeibeamter stand. „Die Scheine sahen nicht wie echte aus“, sagte der Zeuge vor Gericht. Der Beamte hielt den Mann fest und übergab ihn der Kripo. Die Fahnder gingen dem Weg des Falschgeldes nach und kamen so auf die Spur des Frührentners.

Angeklagter muss in Haft

  • Geldfälschung

    ist in Deutschland ein Verbrechen, das mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft wird.

  • Dem 55-jährigen Angeklagten

    wirft die Staatsanwaltschaft gewerbliche Geldfälschung in 30 Fällen vor.

  • Die Schadenssumme

    soll fast 12 000 Euro betragen.

  • Da der Angeklagte

    bereits einschlägig vorbestraft ist, droht ihm eine Gefängnisstrafe von mindestens zweieinhalb Jahren.

Bei der Hausdurchsuchung des 55-Jährigen stießen die Ermittler nicht nur auf das restliche Falschgeld mit einem Nennwert von 520 Euro. Sie förderten auch ausführliche Aufzeichnungen des Angeklagten über seine Besuche bei Prostituierten zu Tage, die er über digitale Medien im Internet ermittelt hatte. Der Mann hatte über seine Sex-Besuche und den dabei gezahlten Lohn akribisch Buch geführt.

Während des Rechtsgesprächs pochte Verteidiger Frank Heuschmann nochmals auf eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten. Der Staatsanwalt winkte jedoch ab: Bei ihm lag die „Schmerzgrenze“ – bei einem Geständnis – bei drei Jahren Haft. Die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Mielke stellte dem Angeklagten schließlich bei umfassenden geständigen Angaben eine Freiheitsstrafe zwischen zweieinhalb Jahren und drei Jahren und drei Monaten in Aussicht.

„Aus meiner Not heraus kopiert“

Darauf räumte der Angeklagte die Geldfälschungen ein. „Ich hab halt aus meiner Not heraus kopiert“, sagte er. Besonders raffiniert ging er dabei nicht zu Werke: Nach seinen Worten verwendete er „ganz normales Papier“, das er mit einer Schere oder Schneidmaschine zuschnitt: „Man hätte sehen müssen, das es Falschgeld ist.“ Zu seiner Buchführung meinte er: „Die ausgedruckten Anzeigen sind mir zum Verhängnis geworden.“ Zunächst bestritt er aber den Umfang der illegalen Aktivitäten. Der Frührentner beteuerte, er habe nicht die Dienste jeder der 172 Prostituierten in Anspruch genommen. „Ich bin hingegangen, hab geläutet und gefragt, was das kostet. Aber wenn ich gemerkt hab, das passt nicht, oder es war eine zweite Person im Hintergrund, bin ich wieder gegangen.“

Die Notizen auf den Anzeigen habe er dann deshalb gemacht, „dass ich nicht zu einer Dame zwei Mal gehe.“ Der Staatsanwalt wies jedoch darauf hin, dass sich auch bei einer geringeren Höhe der in Umlauf gebrachten Blüten an der Strafe nicht viel ändern würde. Der Prozess wird fortgesetzt.

Weitere Nachrichten aus Bayern lesen Sie hier!

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham finden Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Ihrer Region lesen Sie hier!

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: http://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht