mz_logo

Bayern
Samstag, 18. November 2017 5

Sudetendeutscher Tag

Karlspreis für Holocaust-Überlebenden

Die Sudetendeutschen würdigen Max Mannheimer. Haderthauer fordert eine Entschädigung für deutsche Zwangsarbeiter.

Der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft; Bernd Posselt (r) ehrt am Samstag auf dem 63. Sudetendeutschen Tag in Nürnberg den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer mit dem Europäischen Karlspreis 2012.

Nürnberg. Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer hat zum Auftakt des Sudetendeutschen Tags den Europäischen Karlspreis entgegengenommen. Der oberste Repräsentant der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, würdigte den langjährigen Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau als ermutigende Persönlichkeit.

„Zum einen ist Max Mannheimer selbstverständlich einer von uns“, betonte Posselt mit Blick auf die nordmährische Herkunft des Preisträgers. Aber der 92-Jährige entziehe sich andererseits auch jeder Vereinnahmung. „Max Mannheimer wurde auf das Fürchterlichste gequält, verfolgt und misshandelt von Menschen unserer Volkes und auch unserer Volksgruppe.“

Der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Franz Pany, sagte, Mannheimers Lebensweg spiegele die Geschichte des 20. Jahrhunderts. „Mannheimer wurde als Deutscher in der Tschechoslowakei geboren, von den Nazis verfolgt und als Deutscher musste er seine mährische Heimat verlassen.“ Mannheimer könne in Deutschland wie in Tschechien als Fürsprecher der Verständigung und Versöhnung gehört werden.

„Moralische Bringschuld“

Der Preisträger erinnerte in seiner Dankesrede an die „Katastrophe des Nationalsozialismus“, aber auch an das Leid der Vertriebenen: „Es ist ein fundamentales Menschenrecht, Heimat zu haben und deshalb fundamentales Unrecht, daraus vertrieben zu werden. Humanität ist nicht teilbar!“ Primär verantwortlich für die Opfer von Flucht und Vertreibung aber sei Adolf Hitler. „Die Katastrophe der Vertreibung kann nur in ihrem Gesamtzusammenhang gesehen werden.“

Er rief die Jugend auf, sich dafür einzusetzen, dass sich Hass und Gewalt nicht wiederholen. Zugleich zeigte er sich besorgt über die Ausländerfeindlichkeit in der Gesellschaft. „67 Jahre nach Kriegsende lebt der Wahn des Rassismus nach wie vor, wie die schrecklichen Morde der rechtsextremen Terrorgruppe NSU und die Attentate von Toulouse gezeigt haben.“

Haderthauer kritisiert Benes-Dekrete

Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer sagte, Geschichte müsse vorurteilsfrei aufgearbeitet werden. „Und das muss auch die Grundlage sein für die Weiterentwicklung des deutsch-tschechischen Verhältnisses“, betonte die CSU-Politikerin und kritisierte die Benes-Dekrete zur Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg: „Sie sind unvereinbar mit der europäischen Werteordnung.“

Zugleich kündigte Haderthauer an, im Kampf um eine Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter nicht locker zu lassen. „Diese Entschädigung für die Zwangsarbeit ist kein Haushaltsthema, es ist ein Wertethema. Und ich möchte, dass es auch so behandelt wird in der Politik.“ Sie erneuerte ihre Forderung nach einem nationalen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung: Dieser sei angesichts von Millionen Vertriebenen nicht nur gerechtfertigt, sondern eine „moralische Bringschuld unserer Gesellschaft“.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht