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Bayern
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Projekt

Kostenexplosion bei Museum am Donaumarkt

Mehr als 30 Prozent wird das Bauwerk teurer. Der Brand der Bavariathek, aber auch der politische Wille kosteten Millionen.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Das Museum der Bayerischen Geschichte wird nun voraussichtlich erst im Frühjahr 2019 eröffnet. Foto: Satzl

Regensburg.Das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg wird um mehr als 30 Prozent teurer als ursprünglich geplant. Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags hat am Mittwoch weitere Gelder in Höhe von über 21 Millionen Euro durchgewunken. Demnach kostet das Bauwerk am Donaumarkt nun 88,3 Millionen statt der bisher veranschlagten 67,3 Millionen Euro. Der Oberpfälzer Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl (SPD) berichtete von einer längeren Diskussion im Ausschuss.

Eckdaten zum Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg:

Video: Simone Grebler

Mehr als elf Millionen Euro für Rückbau der Bavariathek

Man habe die Kosten durchaus genau hinterfragt, letztlich sei aber vor allem der Brand in der Bavariathek mitverantwortlich für den enormen Kostenanstieg, sagte Strobl. Mehr als elf Millionen Euro müssen allein für den Rückbau der Bavariathek und die Schadensbehebung aufgewendet werden. Der Haushaltsausschuss-Vorsitzende Peter Winter (CSU) sagte auf Nachfrage unseres Medienhauses, dass diese Brandstiftung „ein schwerer Schlag ins Kontor“ gewesen sei. Mehr als die Hälfte der zusätzlich entstandenen Kosten seien darauf zurückzuführen. „Das muss man hinnehmen, der Staat kann sich ja leider nicht dagegen versichern.“

Diskutiert wurde laut Stobl und Winter deshalb vor allem über Mehrkosten von 4,84 Millionen Euro, die dem hohen Zeitdruck des Projektes geschuldet waren. Der politische Wille sei es gewesen, das Bauwerk zum Jubiläumsjahr 2018 fertigzustellen. „Und Zeitdruck kostet auf dem Bau immer Geld“, so Strobl. Man hätte noch detaillierter planen können und sollen, fügte Winter an. Die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD) sagte, dass man schon anmerken müsse, dass dieser Zeitdruck wohl nicht nur dem Jubiläumsjahr in Bayern, sondern auch dem Wahljahr geschuldet war.

Der Leitende Baudirektor des Staatlichen Bauamtes Regensburg, Peter Thumann, sagte auf Nachfrage, dass man vor einer Beurteilung einen zweiten Blick auf die gestiegenen Kosten werfen müsse: „Von 21 Millionen Nachtragssumme sind über die Hälfte der Kosten auf den Brandschaden zurückzuführen. Hinzu kommt ein weiteres Viertel an Kosten, die im Grunde für uns nicht beeinflussbar sind wie z.B. konjunkturbedingte Mehrkosten (Baupreis- und Lohnpreissteigerungen) und Kosten aufgrund geänderter öffentlich-rechtlicher Vorschriften. Beim ersten Punkt ist wichtig zu wissen, dass bei der Veranschlagung von Baumaßnahmen standardmäßig keine Indexhochrechnung bis zum Bauende stattfindet. Hätte es nicht gebrannt und hätten wir keine überhitzte Baukonjunktur, dann würden wir jetzt – trotz Zusatzmaßnahmen für einen schnellen Bauablauf von Mehrkosten von unter 10 Prozent im Vergleich zu den ursprünglich veranschlagten Kosten von 67,3 Mio. Euro sprechen – weit weg also von einer Explosion.“

Mehr zum Museum der Bayerischen Geschichte lesen Sie in unserem MZ-Spezial!

Aus dem Haushaltsausschuss heißt es, man habe aus dem Museumsbau Rückschlüsse für folgende Projekte gezogen. Bei der neuen Konzerthalle in München werde sehr genau auf detaillierte Planungen geachtet, betonte Winter. „Da geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“ Strobl ergänzte, dass man sich auch nicht erneut durch einen sehr eng gefassten Zeitrahmen unter Kostendruck setzen lassen wolle.

Beim Museumsbau in Regensburg bekamen die Verantwortlichen zudem die Hochkonjunktur in der Bauwirtschaft deutlich zu spüren. Knapp fünf Millionen Euro, die zusätzlich aufgewendet werden müssen, sind auf die gestiegenen Baukosten und auf geänderte Vorschriften und bautechnische Änderungen zurückzuführen.

Museum wird im Frühjahr 2019 eröffnet

Das Museum der Bayerischen Geschichte wird im Frühjahr 2019 eröffnen. Im Juni 2018 wird im Rahmen eines Museumsfestes bereits erstmals das Erdgeschoss des Bauwerkes für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Auch das Geschichtspanorama „Was vorher geschah“, das auf die Dauerausstellung einstimmen soll, wird Premiere feiern.

In Regensburg gibt es nach wie vor kritische Stimmen zum Museumsbau. Auch Strobl merkte an, dass er sich persönlich mit dem Bauwerk am Rande der Altstadt noch nicht habe anfreunden können. „Aber das ist meine ganz persönliche Meinung.“ Wild hofft, dass nach dem Museum der Bayerischen Geschichte dann auch Gelder für das Historische Museum locker gemacht werden. „Das wäre dringend nötig, wenn man eine attraktive Museumsmeile haben will.“

Lesen Sie hier ein Interview mit Museumsleiter Richard Loibl:

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