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Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Bücher

Lisa Weichart: Jeder Tag ist ein Gedicht

Eine Regensburgerin lebt die Liebe zur Lyrik: Ihr erster Gedichtband „Flüsterkuss“ erzählt aus Traumwelten und aus der Natur.
Von Carmen Vitzthum, MZ

„Worte, die gleichzeitig berühren.“ so beschreibt Lisa Weichart ihren neuen Gedichtband „Flüsterkuss“. Foto: Vitzthum

Regensburg.Jedes Gedicht ein Flüsterkuss, also „Worte, die gleichzeitig berühren“: So beschreibt Lisa Weichart selbst ihre Wortkunstwerke. Im Schräg Verlag hat sie gerade ihre Gedichtesammlung „Flüsterkuss – Gedichte für die Wiese“ veröffentlicht. Es ist die zweite Publikation der Vize-Präsidentin der Regensburger Schriftstellergruppe International. Ihr Debütroman heißt „Wolkenfisch“.

Im nicht-fiktionalen Leben ist die Autorin dreifache Mutter und arbeitet in einem italienischen Supermarkt. Dort findet sie Inspiration: „Farben, Gerüche und Menschen ergeben eine bunte Mischung“, sagt sie. Frühmorgens, wenn ihre 16-jährigen Zwillinge noch im Bad sind, beginnt schon ihr kreativer Prozess. Die Gedichte entstehen aus Traumfetzen oder Eindrücken, die sie beim morgendlichem Blick aus dem Fenster gesammelt hat.

Die Inspirationen sind überall

Inspiration findet Weichart aber eigentlich überall, „in jeder Begegnung mit Leuten, in Gesichtsausdrücken, Worten, Bildern, Facebookeinträgen und der Natur“, erzählt die quirlige blonde Frau. Sie ist eine zierliche, kleine Person, ihr Wortschatz ist dafür umso größer. Beim Sprechen verwendet sie gerne Bilder, Metaphern, genau wie in ihren Gedichten. Darunter hat jedes einen eigenen Stil. So entsteht Vielfalt, mit weiter Bandbreite und großem Interpretationsspielraum. Ernst, lustig gereimt, kurz und knackig – alles ist dabei. Manche Gedichte brauchen einen zweiten oder dritten Lesedurchgang, andere kann man in einem Satz verschlingen.

Die Dichterin schreibt, seitdem sie Buchstaben kritzeln kann. Damals noch in Tagebücher und zwischen die Zeilen ihrer Hefte und Bücher. Heute stellt sie ihre Notizbücher selber her. Entwürfe hält sie auf einem zweimal und nicht sehr ordentlich gefalteten Stück Kopierpapier fest. Direkt aus dem Vorratsfach des Druckers gezogen und zusammen mit einem Kugelschreiber hat sie es immer griffbereit überall dabei.

Das Fenster zu den Lesern

In einem kleinen Eck im Wohnzimmer ihrer Wohnung ist der Computer ihr Instrument: Da tippt sie ihre Verse ein und überträgt sie in die virtuelle Welt. Ihr „Fenster zu den Lesern“ steht fast immer offen. Vor allem auf Facebook ist Weichart sehr aktiv. Auf ihrem eigenen Profil und auf ihrer Seite „LyrikLebt“ veröffentlicht sie nahezu täglich ein neues Gedicht. Das Schreiben ist für sie Entspannung, sagt Weichart. Derzeit plant sie ihren eigenen Blog.

Das Motto ihrer Facebookseite „LyrikLebt“ nimmt die Schriftsstellerin wörtlich. Das Wort Lyrik habe heutzutage keinen guten Klang mehr, bedauert sie. Lyrikbände stehen in Bücherläden und Bibliotheken meist in den hintersten Ecken. „Die Lyrik verstaubt, aber sie darf nicht verstauben“. das ist Lisa Weicharts Mission geworden. Für sie schafft Lyrik Räume, wie eine versteckte Tür in einer Tapetenwand. Hinter ihr finden sich Dinge, die man sonst übersehen hätte.

„Wie eine Sonnenblume, an die man nachts denkt“

Lisa Weichart

Der „Flüsterkuss“ ist eigentlich auf Facebook entstanden. Denn sowohl den Verlag als auch das Titelbild und die Gastautorin hat Weichart über das Soziale Netzwerk gefunden. Das Cover hat sie im Chat mit Jürgen Huber gewählt. Sie hatte den Regensburger Maler (und Bürgermeister) und dessen Stil kurz zuvor auf einer Konferenz kennen gelernt. Ein Gemälde sollte das Cover zieren, kein Foto, das war Weichart wichtig. Sie will mit dem Bild ausdrücken, wie sie zu ihren Impressionen kommt: „Wie eine Sonnenblume, an die man nachts denkt“, erklärt sie. Das Gemälde trägt den Titel „Die drei goldenen Haare“ und ist im Original zwei Mal zwei Meter groß. Es hängt derzeit in Pilsen.

Lisa Weichart liest "Frühlingserwachen"

Sabine Henning-Vogel hat einige ihrer Gedichte in den „Flüsterkuss“ eingebracht. Mit ihr pflegt Weichart eine hauptsächlich virtuelle Freundschaft über Facebook. Ein persönliches Kennenlernen gab es erst nach der Veröffentlichung des Buchs. Die Gedichte von Henning-Vogel sind innerhalb Weicharts Gedichtsbands auf dem Kopf gedruckt. Ein Einfall des Verlags, der Weichert sehr gefällt.

Zurzeit kann man weitere Weichart-Gedichte im Naturkundemuseum am Herzogpark (Regensburg) sehen und lesen. Unter dem Titel „Waldgeister Wolkenbilder Steingesichter“ hat die Lyrikerin zu den Fotografien von regionalen Fotografen gereimte Verse verfasst. Zu sehen ist die Ausstellung bis 19. März.

Der Gedichtband „Flüsterkuss“ kann über www.schraegverlag.de erworben werden. Die tägliche Portion lyrischen Lesestoff gibt es unter: www.facebook.com/LyrikLebt.

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