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Bayern
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Kirche

Missbrauchsprozess: Bistum äußert sich

In Deggendorf ist ein Ex-Priester wegen Kindesmissbrauchs angeklagt. Das Bistum Regensburg will die Prävention verbessern.

Der angeklagte ehemalige Priester (l.) spricht im Gerichtssaal des Landgerichts in Deggendorfmit seinem Verteidiger. Archivfoto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Das Bistum Regensburg hat sich im Zusammenhang mit dem Deggendorfer Missbrauchsprozess gegen einen ehemaligen katholischen Priester geäußert. Bei der Verhinderung solcher Straftaten gebe es Verbesserungsbedarf, hieß es. Leider habe dieser Vorfall gezeigt, dass Täter immer wieder Lücken finden würden, die sie ausnützten, teilte Generalvikar Michael Fuchs mit. Deswegen müsse die Präventionsarbeit ständig überprüft, weiterentwickelt und vorangetrieben werden.

„Der ganze Vorfall zeigt: In diesen Fragen müssen wir noch besser werden.“

Generalvikar Michael Fuchs

„Ich bin erschüttert darüber, dass sich der Beschuldigte an einen Jungen aus einer unserer Pfarreien heranmachen konnte“, ließ Fuchs wissen. „Wir mühen uns seit Jahren mit Präventionsschulungen für Hauptamtliche und Ehrenamtliche in der pfarrlichen Arbeit und mit der Vorlagepflicht von erweiterten Führungszeugnissen für das Thema wach zu halten, um genau solche Fälle möglichst zu verhindern.“

Angeklagter schweigt

Der wegen vielfachen sexuellen Missbrauchs angeklagte ehemaliger Priester hatte am Dienstag vor dem Landgericht Deggendorf erneut die Aussage verweigert. Er werde sich zu den Vorwürfen nicht äußern, ließ der 53-Jährige über seinen Anwalt ausrichten. „Er fühlt sich dazu nicht in der Lage.“ Bereits zum Prozessauftakt Mitte Dezember hatte der Mann geschwiegen.

Laut Anklageschrift hat der aus Wuppertal stammende frühere Priester seit Mitte der 1990er Jahre fünf Jungen bei insgesamt mindestens 100 Gelegenheiten sexuell missbraucht. Außerdem soll er versucht haben, eine 18-Jährige zu vergewaltigen. Eine Vielzahl der Übergriffe wertet die Anklagebehörde als schweren sexuellen Missbrauch.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zudem Urkundenfälschung, Betrug und Missbrauch von Titeln vor. Er soll sich so mindestens 100 000 Euro erschlichen haben, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Von 2003 bis 2009 saß der Mann nach einem Urteil des Landgerichtes in Karlsruhe wegen Sexualstraftaten für fünfeinhalb Jahre im Gefängnis. 2008 wurde er nach einem kirchengerichtlichen Urteil in Freiburg aus dem Priesterstand entlassen.

Bistum hatte gewarnt

Das Bistum habe, wie in der Pressemitteilung beschrieben wird, bereits 2014 vor dem Mann gewarnt, weil er versuchen würde, trotz der Entlassung aus dem Klerikerstand pastorale Tätigkeiten aufzunehmen. Dennoch sei es dem Mann gelungen, „für einige Monate unter Vortäuschen falscher Tatsachen und Ausnutzen der Gutgläubigkeit des Pfarrers sich in dessen Pfarrei einzuschleichen“.

Nach einer weiteren Warnmail des Bistums an alle Pfarreien am 6. Oktober 2015 drängte der Pfarrer den Beschuldigten nach den Angaben des Bistums, die Pfarrei zu verlassen. Nach dessen Weggang ins Bistum Passau habe der Pfarrer das dort zuständige Ordinariat informiert. Als sich die Mutter des Jungen einige Zeit nach dem Wegzug des Beschuldigten aus der Pfarrei mit Missbrauchsschilderungen beim Pfarrer gemeldet habe, habe dieser umgehend auf die Anzeige gedrängt, die zur Festnahme des Beschuldigten führte.

Der Prozess wird am 22. Januar fortgesetzt. (dpa/ct)

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