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Samstag, 19. August 2017 22° 6

Mit der Wünschelrute den Wasseradern auf der Spur

Albert Fütterer aus Püchersreuth hat eine seltene Begabung: Für seine wissenschaftlich nicht erklärbaren Kräfte wird er bisweilen auch belächelt.
Von Christina Röttenbacher, MZ

Seine Fähigkeit brachte ihm schon viel Aufmerksamkeit in den Medien ein: Wünschelrutengänger Albert Fütterer sieht seine Begabung als Dienst am Nächsten.Foto: Gabi Schönberger

PÜCHERSREUTH. Ist es esoterische Spinnerei, göttliche Eingebung, grenzwissenschaftlicher Humbug, Scharlatanerie, ein Geschäft mit der Angst oder doch ein ungeklärtes Rätsel? Es gibt Menschen, die mit einer Weiden-Astgabel in der Hand Grundwasser feststellen oder Krankheiten und Lebensschicksale an ihren Mitmenschen erkennen können. Und das alles mit wissenschaftlich nicht zu begründender Genauigkeit. Einer dieser begabten Menschen ist Albert Fütterer aus Püchersreuth im Landkreis Neustadt/Waldnaab.

Von Urgroßmutter vererbt

In seiner gemütlichen Wohnstube hängen Bilder von Papst Benedikt XVI. und auch das Kruzifix fehlt nicht. Der tief religiöse und lebensfrohe Mann hat, wie er sagt, eine „Gabe“, die er zum Wohle seiner Mitmenschen anwenden muss. Sein Leben lang verteidigte er diese Gabe gegen Skeptiker und Anfeindungen. Denn Albert Fütterer findet nicht nur Wasserquellen, er kann auch Krankheiten erkennen. „Sehen“, wie er sagt. Die Y-förmige Weidenrute dient ihm als Überbringer, als Bote, die Erkenntnisse kommen intuitiv aus seinem wachen Verstand und seiner Beobachtungsgabe. „Schon meine Urgroßmutter hatte diese Fähigkeit, die nun auf mich übergegangen ist.“

Dabei fing alles eher zufällig an. Albert Fütterer, ehemaliger Landwirt, ist heute 74 Jahre alt. Er war 30 Jahre lang Mesner in seiner Kirchengemeinde. Als kleiner Bub habe er auf einem Kreuzungspunkt aus Wasseradern geschlafen. Die Folge waren schlechte Träume, Nachtschweiß und Schlaflosigkeit, bis endlich sein Bett umgestellt wurde, so erzählt Fütterer. Mit 23 Jahren wurde er Mesner, war viel mit dem Pfarrer zusammen. So auch bei einer Kindstaufe im Dorf. Der damalige Pfarrer, selbst ein bekennender Rutengeher, wurde von den Taufgästen gebeten, eine Wasserader für einen Brunnen zu finden. „Da hat mich der Pfarrer aufgefordert, es doch einmal selber mit der Wünschelrute zu probieren. Es hat sich gezeigt, dass ich sogar besser war als der Herr Pfarrer!“

Auf den Meter genau konnte Fütterer die Grundwassertiefe, die Schüttung und Wasserqualität mit der Wünschelrute bestimmen. Damit war der Grundstein für ein lebenslanges Suchen und Finden gelegt. Schnell dehnte sich der Aktionsradius mit der Wünschelrute aus. Fütterer hörte von Schlafstätten über Wasseradern und deren negative Auswirkungen auf die Gesundheit. „Große Wasseradern-Kreuzungspunkte sind zu 99 Prozent Krebspunkte und das sind die Stellen, in die bevorzugt der Blitz einschlägt.“ Alle drei bis vier Wochen schneidet sich der Rutengeher eine neue Astgabel, bevorzugt von der Weide. „Das Holz ist geschmeidig und hat viel Wasser gezogen.“ Das ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Wassersuche. Mit Kupfer- oder Plastikruten kann er nichts anfangen. Auf das Gesundheitsruten stieß er ebenfalls ganz zufällig. „Bei einer Brunnensuche erkannte ich spontan, dass einer der anwesenden Männer eine schwere Krankheit hatte. Ich habe ihm geraten in ein Krankenhaus zu gehen. Der Mann konnte gerettet werden.“

Die treffsicheren Diagnosen des medizinisch unbedarften Landwirts ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Heute ist der 74-Jährige ein in ganz Deutschland gefragter Mann. Zeitungen, Fernsehen und Rundfunk wurden auf ihn aufmerksam, er saß in Talkshows und religiösen Fernsehsendungen, er gab Interviews und stand Wissenschaftlern Rede und Antwort. Doch das alles beeindruckte ihn nicht. Er ist das geblieben was er immer war, ein religiöser Mann aus dem Volk, der helfen und beraten will.

Wasserader und Kindersegen

Viele Anekdoten weiß er, wie die vom Kindersegen, nachdem das Bett umgestellt wurde. „Ich war aber nie der Vater“, lacht Fütterer. Er kennt aber auch traurige Schicksale, wenn er zu spät gerufen wurde. „Wenn man mich braucht, ist mir kein Weg zu weit.“ Und wenn er von einer unerklärlichen Krankheit hört, „dann muss der Fütterer unbedingt dorthin“. Anfangs, in jungen Jahren, habe ihn die Gabe belastet. Es sei schwierig gewesen, mit den lebensbedrohenden Krankheitsbildern der Menschen klar zu kommen. Doch heute ist Fütterer so selbstbewusst zu sagen, dass „50 Prozent der Ärzte überflüssig wären, wenn die Häuser gut ausgerutet wären“.

Fütterer will die Schulmedizin nicht schlechtreden. „Nur“, so wendet er ein, „es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir bis heute nicht erklären können. Meine Erkenntnisse sind nicht Intuition, sondern spontan konkretes Wissen. Ich bin ein halberter Hellseher“. Er lasse sich nicht belächeln oder bekritteln und stehe zu seinen Fähigkeiten, ob bei der Wassersuche oder dem Erkennen von Krankheiten. Bis heute muss der Rutengeher gegen Vorurteile ankämpfen. Doch dieser Kampf ist ihm bereits zur Gewohnheit geworden. Ob das Ausruten von Medikamenten, die Schüttung eines Grundwasservorkommens dort zu bestimmen, wo kein Geologe Wasser vermutet hatte, oder Krankheiten intuitiv zu erkennen, Albert Fütterer sieht seine Begabung als Dienst am Nächsten, als Gottesgabe, die er jedem Menschen, der seine Hilfe sucht, zuteilwerden lässt.

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