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Justiz

Mollath – penetrant, aber nicht gestört

Einem Gutachter zufolge ist Gustl Mollath keine Gefahr mehr – und darf nicht in der Psychiatrie untergebracht werden. Alle Details im MZ-Newsblog.
von Pascal Durain, MZ

Regensburg.Eigentlich könnte sich Gustl Mollath am Freitagmittag über den Tag freuen – der dritte Sachverständige hat ihn entlastet. Professor Norbert Nedopil hält ihn für ungefährlich, einen Grund, ihn erneut in die Psychiatrie zu stecken, sieht der Mann nicht. Und doch sagt Mollath später in die Mikrofone und Kameras vor dem Sitzungssaal: Nedopil will „lediglich seine Kollegen schützen“. Sein Anwalt Gerhard Strate sagt: „Die Psychiater sind das Unheil im Schicksal von Herrn Mollath. Sie haben ihn zugrunde gerichtet.“ Das Gutachten sei ein Versuch, es allen Recht zu machen, es sei aber vor allem seinem Mandanten nicht gerecht geworden.

Wieder ist der 57-Jährige, der sieben Jahre lang gegen seinen Willen in geschlossenen Psychiatrien saß, mit dem Verfahren, in dem er um seine Rehabilitation kämpft, nicht zufrieden. Kurz bevor der 13. Tag zu Ende geht, rügte ihn Richterin Elke Escher: So könne er mit seinen Fragen nicht weitermachen. Mollath: „Ich gebe da auf. Herr Nedopil hat falsche Eindrücke von mir gewonnen. Ich könnte sie ausräumen, darf es aber nicht. Das ist mir hier nicht möglich.“

Keine Gefahr für Allgemeinheit

Es ist nicht der erste Konflikt, den Mollath in diesem Verfahren mit dem Sachverständigen hat. Schon am ersten Tag verlangte er, Nedopil als Gutachter abzusetzen, sonst würde er nicht aussagen. Doch Nedopil blieb. Am Freitag gab er seine Einschätzung ab – und die fiel für Mollath nicht nur positiv aus. Nedopil erklärte, er habe für sein Gutachten sämtliche Akten durchgearbeiet, aber eine Begutachtung habe nicht stattgefunden. Der Erkenntnisgewinn sei also begrenzt, das führe zu Widersprüchen und Unsicherheiten. „Zweifel sind vom forensischen Psychiater offen zu legen.“

Nedopil: „Wenn man das, was ich über Herrn Mollath weiß, zusammenfasst, ist es herzlich wenig.“ Aber der Duraplusordner, Mollaths gesammelte Schriftstücke, ermöglichten Nedopil eine gewisse Einschätzung. So sah sich Mollath stets als besonders rechtschaffenen Menschen, der das, was er unter Gerechtigkeit verstehe, immer verfolgt – kompromisslos und immer misstrauisch. Zwischen den Zeilen werde Mollaths Selbstüberschätzung erkennbar: „Der größte Schwarzgeldskandal aller Zeiten.“ Seine mangelnde Flexibilität habe Mollath auch vor diesem Gericht gezeigt – dazu führt Nedopil Mollaths Konflikte mit seinen Verteidigern aus, die nicht in seinem Sinne agiert hätten.

Später unterstützt Nedopil die Aussagen seiner Kollegen: „Diese Diagnose (Persönlichkeitsstörung) muss für den damaligen Zustand als Hypothese angenommen werden.“ Von allen Gutachtern wurden auffällige Persönlichkeitsmerkmale diagnostiziert – Molalth sei rigide, rechthaberisch, penetrant und übernachhaltig – dies habe er auch festgestellt, aber eine Störung nachzuweisen sei ohne Exploration nicht möglich. Eine Persönlichkeitsstörung sei aus seiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu begründen, aber auch nicht auszuschließen. Das sieht er auch für die Diagnose einer wahnhaften Störung zum Zeitpunkt der Ehekrise so. Gefährlichkeit könne ihm nicht nachgewiesen werden, daher sei die Voraussetzung einer Unterbringung nach Paragraf 63 (vermindert schuldfähig) nicht anzunehmen.

Ein Rat für den Angeklagten

Mollaths Anwalt Gerhard Strate bohrt nach: „Haben die Psychiater, die hier tätig waren, irgendetwas falsch gemacht?“ Nedopil sagt nur, dass nicht alle Kollegen deutlich genug gemacht hätten, sich nicht auf ausreichend viele Tatschen gestützt zu haben. Auf Nachfrage Mollaths sagt der renommierte Psychiater: Er sei als Sachverständiger weder Freund noch Feind des Menschen, den er zu begutachten hat, sondern er müsse „fair“ sein, auch damit er am nächsten Tag in den Spiegel schauen könne. Nedopil sagt zum Angeklagten: „Aus ihrer Sicht hätte ich mich begutachten lassen.“ Bei einer angenommenen falschen Diagnose sei schließlich ein Fachmann der einzige, der einen aus der Psychiatrie herausholen könne.

Der Prozess wird an diesem Montag fortgesetzt. Nach derzeitigem Stand könnten am 8. August die Plädoyers gehalten werden. Das Urteil wird dann eine Woche später erwartet.

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