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Donnerstag, 19. Oktober 2017 20° 3

Tradition

München rüstet sich für die Wiesn

Countdown mit Dirndl und Regenschirm: Für zweieinhalb Wochen bestimmen in München wieder Bier und bierselige Gäste das Leben.
Von Sabine Dobel, dpa

Zur Wiesn werden in München wieder mehr als 5,5 Millionen Besucher erwartet. Foto: dpa

München.Vor den Geschäften quellen die Kleiderständer über mit Dirndl und Lederhosen, Souvenirläden haben ihre Auslagen mit Maßkrügen und Filzhüten bestückt und in den Supermärkten gibt es Wiesnbier und Schokobären in Lederhosen. Countdown zum Oktoberfest – am Samstag beginnt in München das größte Volksfest der Welt.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird um Punkt 12 Uhr das erste Fass Bier anzapfen und damit die Wiesn eröffnen. Das Zeremoniell wird live im BR-Fernsehen übertragen – und der Rathauschef muss dabei eine gute Figur machen. Wie viele Schläge er braucht, ist tagelang Stadtgespräch – und kann sein Ansehen durchaus mitprägen. Erwartet wird, dass Reiter es wie in den Vorjahren mit zwei Schlägen schafft – weniger ist bei einem großen Fass gar nicht möglich. Ausgerechnet für den Anstich ist mieses Wetter angesagt: Regen und kühle Temperaturen.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Erst ab 9 Uhr dürfen die Besucher auf das Gelände – im vergangenen Jahr war es noch eine Stunde früher. Denn Lieferverkehr und Besucherströme werden dieses Jahr getrennt. Erst wenn die letzten Lastwagen das Gelände verlassen haben, werden die Gäste eingelassen. Die Maßnahme zählt zu den erneut verschärften Sicherheitsvorkehrungen – nicht zuletzt aufgrund der Anschläge mit Liefer- und Lastwagen in Nizza, Berlin, London und Barcelona.

Die Lieferwagen-Fahrer für die Wiesn und ihre Helfer mussten sich vor dem Fest einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen. Mehr Blumenkübel als Zufahrtssperren, zusätzliche Videokameras und Polizeibeamte mit Bodycams gehören ebenfalls zu den erweiterten Maßnahmen. Über eine neue Lautsprecheranlage sollen zudem Besucherströme bei einem Alarm besser geleitet werden.

Regenschirme sind erlaubt

Wie schon im Vorjahr ist das Gelände umzäunt, an den Eingängen gibt es Kontrollen. Rucksäcke und große Taschen sind aus Sicherheitsgründen verboten. Wichtige Nachricht angesichts der Wetterprognose: Regenschirme dürfen die Besucher mitnehmen. Während die Wirte meist auch bei Regen ein gutes Geschäft machen, weil die Menschen in die Zelte drängen, trifft schlechtes Wetter vor allem die Schausteller.

Sie bieten dieses Jahr eine ganze Reihe neuer Fahrgeschäfte. Erstmals auf dem Volksfest ist eine Achterbahn mit einer ausschwingenden Gondel und ein 80 Meter hohes Kettenkarussell namens „Jules Verne Tower“. Im Südteil des Festgeländes auf der „Oidn Wiesn“ mit historischen Fahrgeschäften und Blasmusik rollt erstmals eine mehr als hundert Jahre alte Kindereisenbahn. Dort haben sich die Wirtsleute des neuen Festzelts „Zur Schönheitskönigin“ vorgenommen, die traditionelle Wirtshauskultur der Volkssänger neu zu beleben.

Preisentwicklung über Teuerungsrate

Die Maß Bier kostet dieses Jahr bis zu 10,95 Euro, 25 Cent mehr als im Vorjahr. Wiesnchef Josef Schmid (CSU) war mit seinem Vorschlag zu einer Bierpreisbremse gescheitert. Er wollte den Bierpreis für drei Jahre auf dem Vorjahresniveau einfrieren – der Stadtrat lehnte aber ab. Nicht zuletzt liegen die Preissteigerungen auf der Wiesn weit über der allgemeinen Teuerung. Wie die italienische Bank Unicredit ermittelte, steigen die Preise auf dem Oktoberfest diesmal um 3,1 Prozent – deutlich über der Entwicklung der sonstigen Verbraucherpreise. Die Unicredit bildete den Index aus den Preisen für zwei Maß Bier, ein halbes Hendl und eine Fahrkarte der Münchner Verkehrsgesellschaft. 2016 lag die Wiesn-Inflation nach Angaben der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank sogar bei 3,5 Prozent.

Das 184. Oktoberfest dauert heuer 18 Tage – weil es bis zum 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, verlängert wird. Es ist damit die längstmögliche Wiesn. Nachdem schlechtes Wetter und Terrorsorgen die Besucherzahl im Vorjahr auf 5,6 Millionen sinken ließ, werden dieses Jahr wieder etwas steigende Zahlen erwartet.

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