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Bayern
Freitag, 26. August 2016 31° 1

Prävention

Pädophilie-Projekt in Regensburg startet

Am Freitag gab das Justizministerium die Gelder frei. Auch München, Erlangen und Würzburg hatten Konzepte vorgelegt.
Von Christine Schröpf, MZ

Michael Osterheider, Professor für Forensische Psychiatrie, kann in Regensburg sein Präventionsprojekt für Pädophile starten (Foto: altrofoto.de)

Regensburg. Regensburg wird Standort des ersten Präventionsprojekts für Pädophile in Bayern – es ist nach Berlin und Kiel die dritte Anlaufstelle bundesweit. Hier sollen Männer anonym Hilfe finden, die in ihren sexuellen Wünschen auf Kinder orientiert oder sogar fixiert sind, aber keine Übergriffe begehen wollen. Voraussetzung für die Teilnahme an dem Therapieangebot: Die Männer dürfen bisher nicht straffällig geworden sein. Der Regensburger Forensik-Professor Michael Osterheider hatte mit seinem Konzept nach Vorbild der Berliner Charite das bayerische Justizministerium überzeugt: Die Zusage für die Anschubfinanzierung in Höhe von 200000 Euro wurde am Freitag bei einer Pressekonferenz des Regensburger CSU-Landtagsabgeordneten Franz Rieger und der stellvertretenden Vorsitzenden des Verfassungsausschusses im Landtag, Petra Guttenberger, verkündet. Auch die Anschlussfinanzierung für das auf drei Jahre ausgelegt Projekt – jährlich rund 200000 Euro – ist gesichert. Zuletzt hatten sich auch München, Erlangen und Würzburg um die Gelder bemüht, die der Haushaltsausschuss des Landtags im Februar freigegeben hatte.

Fraktionsübergreifender Einsatz

„Professor Osterheider ist der Beste für dieses Projekt“, sagte Guttenberger. Es sei wichtig, dass gehandelt werde, bevor Übergriffe geschehen, betonte Rieger. Wachsende Gefahren sieht er durch Kinderpornografie im Internet. Für das Regensburger Konzept hatten sich fraktionsübergreifend Abgeordnete aus der Region stark gemacht, unter anderem Tanja Schweiger (Freie Wähler), Sozialstaatssekretär Markus Sackmann (CSU) und der Oberpfälzer SPD-Bezirksvorsitzende Franz Schindler. „Es ist sehr gut, dass dieses politisch brisante Projekt von allen unterstützt worden ist“, so Osterheider.

Ende Juni, spätestens im Juli soll das Projekt nun bayernweit bekannt gemacht werden – unter anderem mit einem Spot der Werbeagentur „Scholz & Friends“. Titel: „Sind Ihnen Kinder lieber, als Ihnen lieb ist?“ Dann wird auch eine Hotline für Interessenten freigeschaltet. Mit Verhaltens- und Gruppentherapie, wo nötig auch mit Medikamenten, sollen die Pädophilen ihre sexuelle Störung unter Kontrolle bekommen. Denn heilbar ist ihre Veranlagung nicht. „Die Männer haben sich diese Störung nicht ausgesucht, sondern sie sind in ihrer sexuellen Entwicklung an einem kindlichem Körperschema hängen geblieben“, so Osterheider. Die Berliner Charite habe mit ihrem Therapieangebot gute Erfolge erzielt. „Es gab bis jetzt so gut wie keine Rückfälle.“

Demnächst: Bundesweite Studie

Ausmaß und Entstehungsbedingungen von sexuellem Missbrauch wird Osterheider zudem in einer bundesweiten, repräsentativen Studie im Auftrag des Bundesregierung untersuchen. Der Professor rechnet demnächst mit der schriftlichen Zusage für das 2,6 Millionen Projekt, in das unter seiner Federführung Forscher in Kiel, Berlin, Bonn, Ulm und Dresden eingebunden sind. Die Folgen von Kinderpornografie im Internet sollen dabei besonders berücksichtigt werden.

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